Fußball im TVDer Fußball bekommt Geld geschenkt

Jeder TV-Sender dürfte Kurzberichte von Fußball-Spielen zeigen. Deutsche Sender ignorieren das und verschenken dadurch Geld der Gebührenzahler, kommentiert O. Fritsch. von 

Wer sagt, im Fernsehen gebe es zu viel Fußball, dem ist schwer zu widersprechen – Bundesliga am Wochenende, Champions League und Nationalmannschaft in der Woche, Zweite Liga am Montag. Doch auch das Gegenteil ist richtig. Denn nur die wenigsten Sender zeigen Bilder von Spielen der Ersten Liga oder des Europapokals. Dabei dürften es alle, denn Fußball gehört allen.

Dieses Recht hat nun der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg bekräftigt. Demnach darf jeder europäische Sender neunzigsekündige Zusammenfassungen wichtiger Fußballspiele in Nachrichtensendungen kostenlos zeigen. Die Richter berufen sich auf eine EU-Richtlinie von 2007, für Deutschland hat das weitsichtige Bundesverfassungsgericht erstmals 1998 das Recht auf Kurzberichterstattung festgelegt.

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Im aktuellen Fall klagte der Bezahlsender Sky, Inhaber teurer Senderechte, gegen den österreichischen Sender ORF, der Zusammenfassungen der Europa League zeigen wollte. Das Gericht gab dem ORF Recht, Sky muss dem Sender sogar den Zugang zu seinem Signal ermöglichen.

Oliver Fritsch
Oliver Fritsch

Oliver Fritsch ist Redakteur im Ressort Sport bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Das Urteil könnte das Geschäftsmodell der Verbände gefährden, und es könnte allen Sendern ein wichtiger Hebel sein. Dass sie offensiv davon Gebrauch machen, darf jedoch bezweifelt werden. Deutsche TV-Anstalten jedenfalls nehmen traditionell Rücksicht auf das Fußball-Business, vielleicht weil sie den Konflikt scheuen.

Der Spruch aus Luxemburg ist nicht nur gut für Fußballfans, denn er erschwert Monopole und stärkt die Informationsfreiheit, ein wichtiges Gut für das Allgemeinwohl. Jeder Bürger braucht freien Zugang zu Informationen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, das ist ein Grundrecht. Jeder muss wissen können, wenn ein Unternehmen vor der Pleite steht oder was seine Regierung im Ausland macht. Fußball mag nur ein Spiel sein, seine große Bedeutung für viele ist ihm nicht abzusprechen.

Das, was die ARD und ZDF an Live-Fußball und Analysen zeigen (und die Leute sehen wollen), geht zwar über das Recht auf Kurzberichte hinaus; die Sportschau ist nicht dadurch gedeckt. Doch man gewinnt nicht den Eindruck, dass die Öffentlich-Rechtlichen in ihren Verhandlungen ihr Recht aus Karlsruhe als ökonmisches Instrument einsetzen. Sie scheinen zu vergessen, dass sie unveräußerliche Rechte haben. Sie scheinen zu übersehen, dass die 180 Millionen Euro, die sie pro Jahr für Fußballrechte zahlen, eigentlich kein Preis, sondern ein Aufpreis sind.

Der Spruch aus Luxemburg fällt zusammen mit einer anderen aktuellen Debatte: Was dürfen und sollen die Öffentlich-Rechtlichen mit dem Rundfunkbeitrag (früher GEZ-Gebühren) tun, der Zwangsabgabe, die durch die Reform im Januar umso mehr Diskussionen verursacht? Mit den 180 Millionen subventionieren ARD und ZDF die zum Teil grotesken Profigehälter, wie nicht nur der Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) kritisiert. Vielleicht lassen sich die Sender von den europäischen Richtern daran erinnern zu prüfen, ob sie für den Fußball mehr von unseren Gebühren zahlen als notwendig, ob sie der Bundesliga Geld schenken.

Etwas übersieht auch Luxemburg: Es spricht wie Karlsruhe nur von Fernsehsendern. Doch auch Computer-, Tablet- und Smartphone-Nutzer haben ein Recht darauf, die wichtigsten Tore, Elfmeter und Schwalben zu sehen. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis Gesetzgeber und Gerichte das Urteil an die moderne Mediennutzung anpassen.

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Leserkommentare
  1. Sehr interessanter Bericht. Scheinbar verfügen die Sender wirklich über viel zu viel Geld und es wird höchste Zeit hierüber nachzudenken.

    3 Leserempfehlungen
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    Handeln ist gefragt. Nachdem die Öffentlichen RundTVs zu einer Steuer und zu einem Regierungsfernsehen umgewandelt wurde, muss hier auch eine knallharte Aufstellung geliefert werden, was die Anstalten wofür verbraucht haben. Einschließlich aller Honorare und sonstigen Aufwendungen. Diese Verpflichtung haben sie aber soundso. Es kann nicht sein, dass Milliarden irgendwo in der Landschaft verschwinden und niemand weiß, wo sie hin fließen. ARD und ZDF müssen die Tarnkappe lüften!!!!

  2. Handeln ist gefragt. Nachdem die Öffentlichen RundTVs zu einer Steuer und zu einem Regierungsfernsehen umgewandelt wurde, muss hier auch eine knallharte Aufstellung geliefert werden, was die Anstalten wofür verbraucht haben. Einschließlich aller Honorare und sonstigen Aufwendungen. Diese Verpflichtung haben sie aber soundso. Es kann nicht sein, dass Milliarden irgendwo in der Landschaft verschwinden und niemand weiß, wo sie hin fließen. ARD und ZDF müssen die Tarnkappe lüften!!!!

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    Redaktion

    Wie werten Sie, dass Redakteure der ARD oder des ZDF Aufträge von Fußballvereinen annehmen, etwa als "Presenter" oder Referent für Medientrainings – also für Unternehmen arbeiten, über die sie berichten?

  3. Wäre das nicht eine Chance für kleinere TV-Anstalten? Dann würde ich sogar mal bei Tele 5 oder ähnlichem einschalten...

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    Redaktion

    Ja, das wäre eine Chance. Versteh ich nicht, warum die das die wenigsten machen.

  4. Redaktion
    4. Tele 5

    Ja, das wäre eine Chance. Versteh ich nicht, warum die das die wenigsten machen.

  5. Redaktion

    Wie werten Sie, dass Redakteure der ARD oder des ZDF Aufträge von Fußballvereinen annehmen, etwa als "Presenter" oder Referent für Medientrainings – also für Unternehmen arbeiten, über die sie berichten?

    Eine Leserempfehlung
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    • wawerka
    • 23. Januar 2013 20:17 Uhr

    ...allerdings nicht ganz neu; schon Dieter Kürten hat Moderationen für Privatfirmen gemacht. Meines Erachtens sollte so etwas für einen festangestellten Journalisten seitens des jeweiligen Arbeitgebers untersagt werden, da die notwendige Unabhängigkeit oftmals nicht mehr gegeben ist, zumindest aber die journalistische Glaubwürdigkeit nahezu zwingend leidet.

    Zum eigentlichen Thema des Artikels: Ich würde mal vermuten, dass die ÖR die "90-Sekunden-Regel" in Verhandlungen durchaus als Druckmittel einsetzen um die Beträge nicht noch weiter ausufern zu lassen. Und dass sie die momentan gezahlten Summen für akzeptabel halten (dieses Geld muss ja auch nicht selbst erwirtschaftet werden) und darüberhinaus von denen, die es gut gebrauchen könnten (z.B. Dokumentarfilmer o.ä.) mangels Lobby wenig Protest zu erwarten ist

    Wie Herr Fritsch zurecht schreibt, will sich bei den ÖR auch niemand dem dann erwartbaren Wehklagen der Fußballbundesligisten (ganz vorne: U.Hoeneß) über den unmittelbar bevorstehenden Niedergang des deutschen Fußballs aussetzen. Denn DEREN Lobbyarbeit funktioniert perfekt.

    Es gibt also für die Verantwortlichen bei den Sendern wenig zu gewinnen, aber viel zu verlieren. Würde man die Fußballrechte nicht mehr kaufen, fiele die monatliche Rundfunkgebühr möglicherweise einen Euro geringer aus. Vielleicht auch zwei. Das hält man wohl für vernachlässigbar. Und generell waren die ÖR noch nie dafür bekannt, besonders verantwortungbewusst mit dem Geld der Kunden umzugehen.

  6. Endlich sind die kritischen Stimmen als "kritische Masse" zu vernehmen. Es spricht in Zeiten von Internet und Pressesterben rein gar nichts mehr für ein öffentlich-rechtliches Rundfunkkonglomerat, das vor allem eines ist: ein teurer Zwang!

    Welches Land leistet sich den Luxus, eine derartige Programmvielfalt durch alle finanzieren zu lassen und gleichzeitig eine derart schlechte Performance abzuliefern. Keine Frage, eine öffentliche Finanzierung ist nicht grundsätzlich falsch.

    Aber was leisten denn ARD und ZDF, gerade was den Rundfunkauftrag entspricht? Peinliche Shows, langweilige und inflationäre Talkshows sowie teuer eingekaufte Sportrechte. Insbesondere die ARD zeigt, wie man es nicht machen sollte. Vielleicht sollte man sich besser an der britischen BBC, denn an den deutschen Privatsendern orientieren.

    • lxththf
    • 23. Januar 2013 21:20 Uhr

    aber warum wird eigentlich nicht über den Africa-Cup berichtet? Ein Event, welches sportlich sicher nicht den Stellenwert einer Euro für Europäer hat, aber es ist nunmal eine kontinentale Meisterschaft in einem Kontinent, der politisch (auch aktuell) extrem gebeutelt ist. Wäre es da nicht vielleicht auch schön, es mit einer Silbe zu erwähnen? Diese Kritik richtet sich nicht speziell gegen ZEITonline, denn nicht mal bei Sport1 wird der AC erwähnt, ausser mit mehr oder weniger kleinen Minischlagzeilen.
    Ist der Fußball nicht eigentlich global? Sollte es uns nicht auch interessieren? Da lieber 20 Artikel über Guardiola, mit geringem Informationsgehalt. Theoretisch könnte man den AC sogar als Aufhänger nehmen, um den afrikanischen Kontinent besser zu erklären, Konflikte und Situationen zu beleuchten. Es bieten sich so viele Möglichkeiten, aber am Ende, so scheint es, geht es ja "nur" um Afrika.
    Wirklich sehr schade!

    2 Leserempfehlungen
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    • wawerka
    • 23. Januar 2013 21:40 Uhr

    ...meines Wissens zeigt Eurosport alle Spiele vom AFC live, das ist doch gar nicht mal sooo schlecht.

    Und es ist weitaus mehr, als z.B. von der Copa América, der Südamerikameisterschaft gezeigt wird.

    das vermutlich langweiligste Sportereignis der Welt (durchschnittliches Endergebnis: 0,5:0).

    Aus Gründen der Qualität davor bitte mehr: Copa America, Basketball, Handball, Leichtathletik, Biathlon, Volleyball, Wasserball, Hocking....

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte ARD | CDU | ZDF | Recht | Bundesliga | Elfmeter
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