ProzessMediziner Fuentes dopte auch Fußballer und Boxer

Eufemiano Fuentes hat zugegeben, nicht nur Radprofis mit Doping zu Höchstleistungen verholfen zu haben. In einem Punkt erzielte der Arzt einen Teilerfolg gegen die Wada.

Eufemiano Fuentes (M.) am ersten Prozesstag am Montag

Eufemiano Fuentes (M.) am ersten Prozesstag am Montag  |  © Sergio Perez/Reuters

An einer Stelle hat der spanische Arzt Eufemiano Fuentes Klarheit geschaffen. Am zweiten Tag des Doping-Prozesses gegen ihn gab er an, nicht nur Radsportler als Kunden gehabt zu haben. Reporter zitierten Fuentes, er habe auch einen Fußballer und einen Boxer betreut. Auch von einem Tennisspieler sei die Rede gewesen. Ihnen allen soll er Bluttransfusionen verabreicht haben.

Weitere Details verschwieg er vor der Richterin in Madrid. "Die meisten Patienten waren Radsportler, aber es waren auch Vertreter anderer Sportarten dabei", sagte der Arzt.

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Datenträger sichergestellt

Vor diesem Eingeständnis hatte der Mediziner einen Teilerfolg erzielt: Richterin Julia Patricia Santamaría lehnte einen Antrag der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada ab, die Zugang zu Fuentes Computerdaten will.

Die Wada will als Nebenklägerin herausfinden, welche Sportler Fuentes Dienste in Anspruch genommen haben. Ermittler hatten die Datenträger 2006 sichergestellt.

Die Fahnder hätten den Computer in der Phase der Ermittlungen durchsuchen müssen, jetzt sei es dafür zu spät, begründete die Richterin ihre Weigerung. Der damalige Ermittlungsrichter Antonio Serrano hatte jedoch sämtliche derartige Anträge über Jahre hinweg abgelehnt.

Richterin vertagt ihre Entscheidung

Bei der Razzia hatte die Guardia Civil bei dem Arzt auch mehr als 200 Blutbeutel gefunden. Sie waren mit Codenamen beschriftet. Die Wada will auch auf das Blut zugreifen können, um an Fuentes' Kunden ranzukommen.

Die Wada-Ermittler erhoffen sich Beweise dafür, ob neben den bislang bekannten Radprofis auch andere Sportler von dem Doping profitierten. Dem Wada-Antrag hatten sich auch der Weltradsportverband UCI und die oberste spanische Sportbehörde CSD angeschlossen.

Doch die Staatsanwaltschaft sprach sich gegen die Herausgabe aus. Die Richterin vertagte ihre Entscheidung darüber. Sie vermutet, dass die Herausgabe die Privatsphäre von Fuentes beeinträchtigen könnte.

Obwohl einige Beutel bereits eindeutig Sportlern zugeordnet wurden, waren Strafen bislang weitgehend ausgeblieben. Im Prozess vermied es Fuentes, sich eindeutig zu den Blutbeuteln zu äußern.

Mehrere Profis sind als Zeugen geladen, darunter der zweimalige Tour-de-France-Sieger Alberto Contador und Ivan Basso. Bei dem im Mai 2006 aufgedeckten Skandal standen mehr als 50 Radprofis unter Dopingverdacht, auch andere Stars wie Jan Ullrich und Tyler Hamilton.

Die Staatsanwaltschaft fordert für Fuentes und die anderen Angeklagten je zwei Jahre Haft und ein zweijähriges Berufsverbot.

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Leserkommentare
  1. Berufsverbot und die Bestrafung mit Gefängnis auch von denen die vor zehn Jahren daran beteiligt waren wäre der richtige Schritt, das sollten wir auch den Sportfunktionären in Asien und Russland abverlangen.

    Doch das ist wohl mehr als unrealistisch also dürfen wir weiter Sportmeisterschafften nur unter Vorbehalt gut finden da wir am Ende nie wissen wie fair das denn wirklich war.

    Für Deutschland sollte sich das öffentliche TV-Radio mit der Berichterstattung gegen Geld mehr als zurückhalten um hier nicht noch eine unterstützende Rolle zu spielen.

    Kürzlich habe ich eine Reportage gelesen von Sportlern der ehemaligen DDR im Bereich Neubrandenburg die heute darüber reden und das was sie sagten, sie fühlten sich ausgenutzt und schämen sich heute dafür und haben zusätzlich nun im Alter echte körperliche Funktionsstörungen die die untersuchenden Ärzte darauf zurück führen.

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  2. ...stellen sich die Frage, warum spanische Behörden offensichtlich nicht möchten, daß dopende Sportler - pardon, Kunden des Hernn Doktor, die einen hohen beruflichen Ehrgeiz entwickelten - bekannt werden.

    Da könnte man glatt zum Verschwörungstechniker werden und vermuten, daß darunter auch einige waren, die Spaniens Farben bei Olympiaden und Weltmeisterschaften trugen.

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    • unico
    • 30. Januar 2013 10:39 Uhr

    ..daß dopende Sportler - pardon, Kunden..

    im Artikel steht doch wie der Herr Doktor diese Leute bezeichnet: Patienten!

  3. Ist doch völlig klar, dass die Spanier es zu verhindern wissen, ihre eigenen Idole aus den verschiedensten Sportarten als Doper zu enttarnen.
    Das Interesse soll sich lediglich auf den Radsport beziehen.
    Alles andere bleibt hinter verschlossenen Türen

    2 Leserempfehlungen
  4. "Von den Katalanen war Guardiola als Spieler im Sommer 2001 nach Italien gewechselt, zu Brescia Calcio. Und keine drei Monate später war er dort in einen Skandal verwickelt: Zweimal wurde er nach Spielen positiv auf das Dopingmittel Nandrolon getestet und vier Monate gesperrt.

    Es war eine Zeit, in der es in Italiens Calcio mehrere Doping-, speziell Nandrolonfälle gab, darunter die niederländischen Nationalspieler Jaap Stam (damals Lazio Rom) und Edgar Davids (Juventus Turin). Bei Guardiola griffen die Behörden rigider als bei den anderen durch: Erstmals wandten sie das Anti-Doping-Gesetz bei einem Fußballer an und verurteilten ihn zu sieben Monate Haft- und 9000 Euro Geldstrafe." Zitat Süddeutsche vom 18.1.2013

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    "Nach diversen Prozessen wurde er 2009 von einem Berufungsgericht vom Dopingvorwurf letztinstanzlich freigesprochen; die Doping-Analysen seien unglaubwürdig gewesen." Süddeutsche Zeitung, 18.01.13, Rest

    Ihren fast schon rührenden missionarischen Eifer, den FC Bayern mit Verunsicherungs- und Verschwörungstheorien zu überziehen, in allen Ehren. Aber wenn sie schon bedeutungsschwanger (immer wieder) zitieren, sollten Sie es wenigstens vollständig und korrekt tun. Alles andere ist leider vollkommen daneben. Viel Spaß bei weiteren Wühlen nach Material!

    • zfat99
    • 30. Januar 2013 9:48 Uhr

    ... und nicht mehr kontrollieren wäre die richtige Lösung. Im Berufsleben wird von klein auf gesellschaftlich anerkannt und unterstützt auch gedoppt, es beginnt mit Ritalin ... . Wieso sollen "Sportler" nicht doppen dürfen?

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    • finole
    • 30. Januar 2013 11:11 Uhr

    Abgesehen davon, dass sich der Einsatz von Ritalin oder anderen Medikamenten in medizinisch indizierten Fällen wohl kaum mit Doping vergleichen lässt, denken Sie Ihren Gedanken mal konsequent zu Ende:
    Doping wird legalisiert, wodurch sämtliche Sportler unter Druck geraten zu dopen. Um ihre Chancen zu verbessern, werden bereits Jugendliche und Kindern mit Medikamenten behandelt, die sie nicht brauchen und damit Nebenwirkungen ausgesetzt, die möglicherweise auch Langzeitschäden verursachen. Kinder und Jugendliche, die vor Abschluss der Pubertät noch gar nicht wissen können, ob sie wirklich bereit sind, das für eine mögliche Karriere im Sport auf sich zu nehmen. Damit sind sie auf Gedeih und Verderb der Abwägung von Trainern (die möglicherweise den unbedingten Erfolg wollen) und Eltern (die sich möglicherweise nicht genau auskennen und dem Trainer vertrauen) ausgeliefert. Und das mit zweifelhaften Erfolgsaussichten: eine unglückliche Verletzung mit 19 und schon wurde ein junger Sportler 5 Jahre lang umsonst mit Hormonen und anderen Medikamenten vollgepumpt.

    • unico
    • 30. Januar 2013 10:39 Uhr

    ..daß dopende Sportler - pardon, Kunden..

    im Artikel steht doch wie der Herr Doktor diese Leute bezeichnet: Patienten!

    • finole
    • 30. Januar 2013 11:11 Uhr

    Abgesehen davon, dass sich der Einsatz von Ritalin oder anderen Medikamenten in medizinisch indizierten Fällen wohl kaum mit Doping vergleichen lässt, denken Sie Ihren Gedanken mal konsequent zu Ende:
    Doping wird legalisiert, wodurch sämtliche Sportler unter Druck geraten zu dopen. Um ihre Chancen zu verbessern, werden bereits Jugendliche und Kindern mit Medikamenten behandelt, die sie nicht brauchen und damit Nebenwirkungen ausgesetzt, die möglicherweise auch Langzeitschäden verursachen. Kinder und Jugendliche, die vor Abschluss der Pubertät noch gar nicht wissen können, ob sie wirklich bereit sind, das für eine mögliche Karriere im Sport auf sich zu nehmen. Damit sind sie auf Gedeih und Verderb der Abwägung von Trainern (die möglicherweise den unbedingten Erfolg wollen) und Eltern (die sich möglicherweise nicht genau auskennen und dem Trainer vertrauen) ausgeliefert. Und das mit zweifelhaften Erfolgsaussichten: eine unglückliche Verletzung mit 19 und schon wurde ein junger Sportler 5 Jahre lang umsonst mit Hormonen und anderen Medikamenten vollgepumpt.

    Antwort auf "Dopping erlauben ..."
  5. "Nach diversen Prozessen wurde er 2009 von einem Berufungsgericht vom Dopingvorwurf letztinstanzlich freigesprochen; die Doping-Analysen seien unglaubwürdig gewesen." Süddeutsche Zeitung, 18.01.13, Rest

    Ihren fast schon rührenden missionarischen Eifer, den FC Bayern mit Verunsicherungs- und Verschwörungstheorien zu überziehen, in allen Ehren. Aber wenn sie schon bedeutungsschwanger (immer wieder) zitieren, sollten Sie es wenigstens vollständig und korrekt tun. Alles andere ist leider vollkommen daneben. Viel Spaß bei weiteren Wühlen nach Material!

    Antwort auf "GEG Guardiola"
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    ... es steht Ihnen natürlich frei Zitate zu ergänzen und ich danke Ihnen, aber es ging ja nicht um die Bayern, sondern um Doping im Fußball...., verstehe Ihre Gereiztheit nicht...

    Nun also auch Pep Guardiola. Ein weiterer Name, der durch die Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 nach Katar besudelt wird. Einen Haufen Geld soll der zukünftige Trainer des FC Bayern München bekommen haben, um für den Wüstenstaat als Austragungsort des begehrtesten Sportevents der Welt zu werben. Von bis zu elf Millionen Euro berichtet die französische Zeitung "France Football".

    Verwerflich ist das nicht, höchstens moralisch etwas anrüchig.
    Welt 1.2.2013

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, tst
  • Schlagworte Eufemiano Fuentes | UN | Mediziner | Prozess | Alberto Contador | Datenträger
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