Fußballer Gerald Asamoah"Nicht alle Rassisten werfen Bananen"

43 Mal spielte Gerald Asamoah für Deutschland. Oft wurde er wegen seiner Hautfarbe ausgepfiffen. Im Interview spricht er über verletzten Stolz und subtilen Rassismus. von 

Der Fußballer Gerald Asamoah

Der Fußballer Gerald Asamoah  |  © Daniel Karmann/picture alliance/dpa

ZEIT ONLINE: Herr Asamoah, was kann man gegen Rassismus tun?

Gerald Asamoah: Offensiv mit dem Thema umgehen, drüber reden, Bücher schreiben.

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ZEIT ONLINE: Wie Sie. Dieser Weg wird kein leichter sein ... ist in der vergangenen Woche erschienen. Darin schildern Sie offen unter anderem Ihre Erfahrung mit Rassismus in Deutschland.

Gerald Asamoah

Gerald Asamoah wurde 1978 in Mampong, Ghana, geboren. Mit 12 Jahren kam er nach Deutschland. In der Bundesliga machte er für Hannover, Schalke 04 und den FC St. Pauli 319 Spiele und 50 Tore. 2001 wurde Asamoah eingebürgert und als erster gebürtiger Afrikaner in die Nationalelf berufen. Dort machte er bis 2006 43 Spiele und sechs Tore. Im Januar erschien seine Biografie: "Dieser Weg wird kein leicher sein..."

Asamoah: Ich lebe seit 1990 in Deutschland, ich habe viele gute Erfahrungen gemacht, etwa mein erstes Länderspiel in Bremen im Jahr 2001. Aber leider auch immer wieder Rassismus erlebt, das war zum Teil sehr schmerzhaft und hat mein Leben und meine Karriere geprägt. Aber ich kann auch sagen, dass sich in diesem Land viel verbessert hat. Mein Vorbild Anthony Yeboah musste sich in den Neunzigern noch oft "Husch, husch, husch, Neger in den Busch!" anhören.

ZEIT ONLINE: Ihr schlimmstes Erlebnis war, das schreiben Sie in dem Buch, Cottbus 1997. Sie und Otto Addo wurden das ganze Spiel über diffamiert.

Asamoah: Ich war jung und auf so viel Hass unvorbereitet. Ständig flogen Bananen auf den Platz, wir beide wurden gezielt ausgebuht und geschmäht. Das war eine Extremerfahrung, unter der ich sehr und lange litt. Aber auch Rostock 2006 tat weh, das war nur wenige Wochen nach der Euphorie des Sommermärchens, von dem ich ein Teil war, auch wenn ich nur ein Mal gespielt habe. Und dann kamen wenige Wochen später Fans ins Stadion, um den Asa fertig zu machen.

ZEIT ONLINE: Im Buch heißt es: "Hallo, liebe Rostocker, ich habe für Deutschland gespielt, bin Dritter der WM. Wir haben doch zusammen gefeiert, ich bin Deutscher, ist das denn alles schon vergessen?" Haben Sie nie Zwiespalt empfunden, für ein Land zu spielen, in dem Sie wegen Ihrer Hautfarbe ausgepfiffen wurden?

Asamoah: Nach Rostock habe ich tatsächlich überlegt, ob ich noch mal für Deutschland spielen soll. Aber meine Karriere dort war ohnehin vorbei. Ich bereue es aber keineswegs. Deutschland ist das Land, das ich liebe. Mich beruhigt, dass ich weiß: Die Mehrheit denkt anders.

ZEIT ONLINE: Sie kritisieren Michael Ballack, von dem Sie sich damals ein öffentliches Wort der Solidarität erhofft hätten.

Asamoah: Ich wünschte mir damals ein Zeichen aus der Mannschaft, und Michael Ballack war unser Kopf, ein Held in der Öffentlichkeit. Er hatte Wirkung auf junge Leute. Das hätte mir damals sehr gut getan.

ZEIT ONLINE: Kevin-Prince Boateng hat kürzlich das Spielfeld verlassen, weil er von italienischen Fans verunglimpft wurde.

Asamoah: Dass das im Jahr 2013 noch passiert, ist traurig und beschämend.

ZEIT ONLINE: Er ging einfach vom Platz. Sie schossen damals in Rostock zwei Tore, gewannen 9:1.

Leserkommentare
    • lxththf
    • 21. Januar 2013 19:21 Uhr

    denn anders auszusehen ist den Menschen, ist mir selbst bewußt. Ein stures Wegschauen, wäre auch irgendwie merkwürdig und verwunderlich. Es gibt nichts einzuwenden, gegen einen neugierigen Blick etc., aber es gibt auch ablehnende, verachtende, manchmal auch hasserfüllte Blicke. Und wieder ein kleiner Blick auf die Statistik, auch wenn es natürlich nur Schätzungen sind. http://de.wikipedia.org/w...
    2% Bevölkerungsanteil in einer Metropole, wie Berlin. In anderen ostdeutschen Städten ist der Anteil noch niedriger.

    Antwort auf "@21 Vermintes Gelände"
  1. "Asamoah: Hab ich von gehört, da rächt sich ein Schwarzer an weißen Sklavenhaltern. Muss ich mir anschauen."

    Eben nicht! Der Film handelt nicht von Rache. Ich weiß nicht wer dieses Gerücht in die Welt gesetzt hat. Die Amis selber oder doch die deutschen Medien. Total nervig.

    Eine Leserempfehlung
    • MmeL
    • 21. Januar 2013 19:32 Uhr

    Sie halten uns also den Rassismus unserer Großeltern vor? Ist also genetisch an uns weitergegeben oder wie soll ich das Verstehen.
    Machen wir uns nichts vor, Sie sind teilweise betroffen, aber sie können nicht die Position wechseln und sich in meine Lage versetzen.
    Und ich kann Ihnen sagen, es ist defintiv unangenehm, wenn man in Afrika im Bus angestarrt wird, die Leute versuchen einen auf dem Markt über den Tisch zu ziehen, weil sie glauben man versteht die Landessprache nicht. Aber es gibt auch jede Menge Menschen die einen in Afrika offenherzig und neugierig aufnehmen und Kontakt suchen.
    Meiner Erfahrung nach, ist es überall gleich, wenn man optisch so leicht zu unterscheiden ist. Es ist eine Frage des Charakters, ob man offen und vorurteilsfrei auf den anderen zu geht.
    P.S. Mir wird nachgesagt, dass ich keinerlei rassistische Züge oder Anwandlungen habe. Ich lerne die Menschen kennen und wenn sich herausstellt, dass es ein A.... ist, dann ist es auch egal ob es ein schwarzer oder weißer A.... ist - ist zeige meine Abneigung deutlich.

    Meiner Meinung nach sollte dem Rasissmus im Stadion mit glatten Rauswürfen begnet werden. Und das muss aus den Fankurven selber kommen.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Schuldig"
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    • lxththf
    • 21. Januar 2013 21:41 Uhr

    ganz langsam. Rassismus gibt es global. Es gibt jedoch Länder die in diesem Bezug besonders vorbelastet sind (Deutschland nicht allein, erinnert sei an Kolonialmächte, oder die Diskriminierungen in den USA). Man sollte Geschichte nicht ignorieren und dass man es als Hellhäutiger in Afrika sehr schwer haben kann, leugne ich ebenfalls nicht. Auch hier sei nochmals auf die Kolonialgeschichte verwiesen und das soll keine Rechtfertigung sein, sondern eine mögliche Erklärung. Falsch ist es allemal, jemanden zu be- und verurteilen, den man nicht kennt.

  2. 36. [...]

    Entfernt. Bitte kehren Sie zu einer sachlichen Diskussion des konkreten Artikelthemas zurück. Danke, die Redaktion/ls

    • cafbad
    • 21. Januar 2013 20:08 Uhr

    Zitat "Auch wenn es ein Allgemeinplatz sein sollte, ich halte es, was Statistiken angeht, lieber mit dem alten Winston Churchill: 'Ich vertraue nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe'."

    Bildung hilft: Wer anderen gerne despektierlich "Kinderglauben" in die Validität statistischer Untersuchungen unterstellt (und doch ganz eigentlich dann auch wissen sollte, dass Validität im Einzelfall überprüfbar und quantifizierbar ist), sollte auch wissen, dass der besagte Satz eben nicht von Churchill stammt. Er wurde ihm wohl lediglich von Joseph Goebbels in den Mund gelegt.

    Ich finde ja, dass der Reichspropagandaminister ganz eigentlich kein gar so toller Kronzeuge für irgendwas ist ...

    Davon abgesehen, kommt es mir seltsam vor, etwas in Bausch und Bogen abzulehnen, das im täglichen leben immer und immer wieder eine so erhebliche Rolle spielt: Oder interessiert es Sie so gar nicht, welche Erfolgsaussichten eine Heilbehandlung hat? Welche Risiken mit irgendeiner Technologie oder einem Medikament verbunden sind? Wie das Wetter morgen wird? Welchen Erfolg ein Produkt hat? Die Liste ließe sich endlos fortführen.

    Gerade wenn es darum geht, zu beurteilen, welche Einstellungen und Meinungen in der Bevölkerung vorhanden sind und wie sich diese verändern, kommt man ja nun eher nicht an Statistiken vorbei. oder was schlagen Sie sonst vor? Argumentation auf dem Niveau von "Ich-kenn-da-aber-jemand"?

    Ach so, genau so haben Sie ja argumentiert ... (#22)

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Richtig vermutet "
    • FreeLeo
    • 21. Januar 2013 20:25 Uhr

    hat Religion etwas mit "Rasse" zu tun? Und es gibt durchaus Gründe, einer Religion kritisch gegenüberzustehen...einer Person nur dadurch, dass sie "anders" aussieht, jedoch in keinster Weise.

    Antwort auf "[...]"
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    • cafbad
    • 21. Januar 2013 20:40 Uhr

    Es macht einen Unterschied, ob man bestimmte Glaubensüberzeugungen oder Praktiken einer Religion kritisiert oder die Religion in Bausch und Bogen als Ganzes. Und es macht dann noch mal einen erheblichen Unterschied, ob man eine Religion kritisiert oder - wiederum in Bausch und Bogen - alle, die ihr angehören.
    Insofern ist es nachvollziehbar, dass in manchen Debatten über Religionen (insbesondere denen über den Islam) so manche Äußerung reichlich rassistisch anmutet.

    • cafbad
    • 21. Januar 2013 20:32 Uhr

    Es wäre vielleicht mal hilfreich, zu akzeptieren, dass es es zwar vielleicht nicht so gar so viele ernsthafte und bewusste Rassisten gibt, aber dafür leider jede Menge menschen, die gelegentlich mal Bemerkungen machen, die nun einmal rassistisch sind. Da hilft es dann wenig, mit stolzgeschwellter Brust darauf zu verweisen, dass man ja nun ganz sicher rund gar nie nicht ein Rassist sei. Stattdessen wäre es hilfreich, sich an die eigene Nase zu packen und mal zu hinterfragen, woher solche Bemerkungen kommen und diese abzustellen.
    Die Tatsache, dass eine rassistische Bemerkung einen nicht zum (24-Stunden-am-Tag-7-Tage-die-Woche-) Rassisten macht, heißt noch lang nicht, dass rassistische Bemerkungen etwa in Ordnung wären. Das sind sie nicht.

    Das halte ich für ein großes Problem unserer Gesellschaft zur Zeit: Dass trotz einer von den meisten geteilten "offiziellen" anti-rassistischen Haltung, rassistische Bemerkungen scheinbar salonfähiger geworden sind - sei es als angeblich selbstironische Äußerung, sei es als "lässlicher Lapsus", sei es unter Verweis auf andere Länder, die doch viel rassistischer seien usw.

    Sprache aber prägt - und das ist nun wirklich keine ganz neue Erkenntnis - auch das Weltbild (und nicht etwa nur umgekehrt) und damit letztlich irgendwann einmal auch das Handeln. Wer also glaubt, immer mal wieder gemachte "kleine" rassistische Bemerkungen oder gelegentliches rassitisches Rumkrakeelen im Stadion bleibe folgenlos - der irrt sich fatal.

    5 Leserempfehlungen
  3. Manche werfen auch Äpfel, oder wie?

    Eine Leserempfehlung
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    • R_IP
    • 22. Januar 2013 8:14 Uhr

    Spielen Sie mit Ihrem Usernamen eigentlich auf den Inhalt all Ihrer Kommentare an?

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