Neuer Bayern-TrainerGuardiola – ein Ritterschlag für die Bundesliga

Auf Josep Guardiola kann die Bundesliga gar nicht stolz genug sein. Seine Entscheidung bestätigt: Der deutsche Fußball ist attraktiver denn je, kommentiert C. Spiller. von 

Da trainierte er noch den FC Barcelona: Josep Guardiola im Mai 2012

Da trainierte er noch den FC Barcelona: Josep Guardiola im Mai 2012  |  © Josep Lago/AFP/Getty Images

Vor gut einer Woche, als der Argentinier Lionel Messi wieder einmal Weltfußballer wurde, hat der Fußballweltverband (Fifa) auch die Top-Elf des Jahres vorgestellt. 50.000 Profikicker aus aller Welt hatten über ihr Dreamteam abgestimmt: Alle elf ausgewählten Fußballer spielten bei einem spanischen Verein. Aus der Bundesliga war keiner dabei, Fußball-Deutschland war etwas gekränkt, schließlich dachte man, man sei wieder wer.

Jetzt kommt also Josep Guardiola nach Deutschland. Der Ausnahmetrainer, der Visionär, der schon mit 41 Jahren eine Legende ist, weil er dem FC Barcelona in nur wenigen Jahren den Trophäenschrank füllte. Er hat sich für den FC Bayern München entschieden, obwohl jeder Vereinspräsident der Welt für ihn sein Konto überzogen hätte. Damit adelt der Katalane nicht nur die Münchner, seine Entscheidung ist auch ein Ritterschlag für die Bundesliga.

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Auf Guardiolas Entscheidung kann die Bundesliga sehr stolz sein, weil sie eine Bestätigung ihrer Arbeit, ihrer Philosophie ist: Es geht nicht nur ums Geld. Guardiola wird sich auch beim FC Bayern seine Tapas leisten können, aber es ist davon auszugehen, dass ihn die Milliardäre aus Abu Dhabi oder Russland, die die englische Premier League mit ihrem Geld fluten, besser hätten bezahlen können.

Christian Spiller
Christian Spiller

Christian Spiller ist Redakteur im Ressort Sport bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Der Katalane hat sich für das beste Gesamtpaket entschieden. Für einen Verein, der seriös wirtschaftet und dennoch die Champions League gewinnen kann. Für volle und moderne Stadien, für gute Stimmung, für Stehplätze, für pünktliche Gehälter und für die 50+1-Regel, die den Einfluss mancher wankelmütiger Investoren begrenzt. Er hat sich für eine Liga mit unkonventionellen Trainern entschieden und für junge, gut ausgebildete Spieler, die das Spiel in diesem Land auf ein solches Niveau heben, dass die deutschen Spitzenklubs aus München und Dortmund sich mittlerweile vor keinem Verein der Welt mehr fürchten müssen. In der Vergangenheit, so schaut es aus, wurde im deutschen Fußball ziemlich viel richtig gemacht.

Nun können noch mehr Stars kommen. Guardiolas Wechsel wird eine Sogwirkung haben. Die Bundesliga rückt noch weiter in den Mittelpunkt des internationalen Fußballinteresses. Vielleicht wird in England noch der attraktivere und in Spanien der anspruchsvollere Fußball gespielt. Aber der deutsche Fußball ist auf einem sehr guten Weg. Er darf sich nur nicht verbiegen lassen.

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Leserkommentare
  1. ich bestätige nur! Auf eine tolle Rückrunde und bald auf Pep!

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  2. Ich glaube nicht, dass er zum FC Bayern passt. In der Vergangenheit hatten es Trappatoni und Van Gaal schwer.
    Aber vielleicht gibt es in der Bundesliga keinen Trainer mehr, den der FC Bayern will.

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    Unpassender Vergleich, wie ich finde.
    Natürlich kenne ich ihn nur aus Interviews und Pressekonferenzen, aber mit dem Egomanen van Gaal und dem Rumpelstilzchen Trappatoni hat er glaube ich nicht viel gemeinsam. Mir kommt er eher ruhig und besonnen vor, außerdem scheint er nicht zwanghaft im Mittelpunkt stehen zu müssen. Hilfreiche Eigenschaften beim FCB, auf den ersten Blick passt das.

  3. Unpassender Vergleich, wie ich finde.
    Natürlich kenne ich ihn nur aus Interviews und Pressekonferenzen, aber mit dem Egomanen van Gaal und dem Rumpelstilzchen Trappatoni hat er glaube ich nicht viel gemeinsam. Mir kommt er eher ruhig und besonnen vor, außerdem scheint er nicht zwanghaft im Mittelpunkt stehen zu müssen. Hilfreiche Eigenschaften beim FCB, auf den ersten Blick passt das.

    12 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Ob das passt?"
    • TDU
    • 16. Januar 2013 20:18 Uhr

    Das stimmt zwar alles aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass allzu weltläufig und ehrgeizig immer noch nicht passt zur Bundesliga. Denn Sammer und Klopp sind ja auch irgendwie bodenständig. Dennoch wirds spannend und man hat einen weiteren Hingucker.

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    Bayern muss diesen Schritt gehen. Mit bodenständigen und heimatverbundenen Trainern lässt sich diese Truppe m.E. nicht mehr weiterentwickeln. Will man sich an die Aufgabe Nr.1 in Europa machen, muss zumindest bei solch einem ja schon sehr erfahrenen Kader ein Trainer her, der genau weiß, wie's geht. In Dortmund mag das anders sein - dort wachsen und entwickeln sich Trainer und Spieler zusammen.

    Anders ausgedrückt: Traps und vG waren nicht deshalb fehl am Platz in Bayern, weil sie zu weltläufig waren.

    • manu-L
    • 16. Januar 2013 23:57 Uhr

    Ich gebe Ihnen zu 100% Recht, wenn Sie sagen, dass Ehrgeiz und Bodenständigkeit beim FC Bayern gefordert sind.
    Aber wer, wenn nicht Pep Guardiola vereint diese Eigenschaften in sich?
    Ich gratuliere Uli Hoeneß, Kalle Rummenigge und all den anderen, die diesen großartigen Trainer von ihrem Club und ihrer Philosophie überzeugen konnten.
    Das ist ein Meilenstein in der Geschichte des deutschen Fußballs!
    Danke Uli, danke Kalle, danke Matze!

    • T0t0R0
    • 16. Januar 2013 20:24 Uhr

    Also das ist für mich wirklich ein Hammer!
    Guardiola geht zu den Bayern!
    Das hört sich sehr interessant an, aber dennoch muss ich coldplay irgendwo recht geben. Ich bin mir nicht sicher, ob das gut gehen wird.
    Ich kann mich auch täuschen, aber meiner Meinung nach haben die Bayern gerne mit neuen Ideen und Veränderungen ihre Probleme und Guardiola steht für eine Art Fußball, der ihnen bisher eher verborgen blieb.
    Ich bin einfach mal gespannt, wie das Ergebnis aussehen wird, wenn Guardiola für ein Jahr auf der Trainerbank Platz genommen hat. Solange er nicht schon vorher nach draußen gebeten wird...

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    "Ich kann mich auch täuschen, aber meiner Meinung nach haben die Bayern gerne mit neuen Ideen und Veränderungen ihre Probleme und Guardiola steht für eine Art Fußball, der ihnen bisher eher verborgen blieb."

    Wenn man immer nur das macht, was man schon immer gemacht hat, bekommt man auch immer nur das, was man schon immer gemacht hat.

    Ich glaube, irgendwann dämmerte es auch Uli Hoeneß mal, dass man neue Reize setzen muss, um die großen Titel holen zu können. Ich bin nun kein ausgewiesener Bayern-Fan, freue mich aber, wenn sie international mitspielen und auch den ein oder anderen Titel holen. Letztlich hilft so etwas ja dem deutschen Fußball, wie man ja in der Fünfjahreswertung unschwer erkennen kann. Wir kratzen da bereits am 2. Platz, was auch (nicht alleine) Bayern zu verdanken ist, die ja meist international mitgespielt und oft auch weit gekommen sind.

    Ich kann mir gut vorstellen, dieser Trainer wird den Bayern wirklich helfen können, wenn man bereit ist, sich auf ihn einzulassen. Wenn Bayern die großen Titel holen will, muss man eben auch bereit sein, neue Wege zu gehen.

  4. Bayern muss diesen Schritt gehen. Mit bodenständigen und heimatverbundenen Trainern lässt sich diese Truppe m.E. nicht mehr weiterentwickeln. Will man sich an die Aufgabe Nr.1 in Europa machen, muss zumindest bei solch einem ja schon sehr erfahrenen Kader ein Trainer her, der genau weiß, wie's geht. In Dortmund mag das anders sein - dort wachsen und entwickeln sich Trainer und Spieler zusammen.

    Anders ausgedrückt: Traps und vG waren nicht deshalb fehl am Platz in Bayern, weil sie zu weltläufig waren.

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    Antwort auf "Das stimmt"
  5. Guardiola ist intelligent genug, um den Standort FC Bayern und die Bundesliga richtig wertzuschätzen. England: Immer noch das gelobte Land, aber eindeutig auf dem absteigenden Ast, nicht nur sportlich. Probleme mit der Fußballkultur auf den Rängen (überteuerte Tickets, Stimmung oft Fehlanzeige). Man Utd. wäre infrage gekommen, aber dort muss man erst Ferguson mit den Füßen voran raustragen. Abramowitsch schmeißt mit Geld um sich, lebt aber auch seine Launen aus, in einem Club, der seine Seele sucht.

    Spanien: Kennt er schon, er sucht etwas Neues. Außer Barcelona, gibt es in der Spitze nur Real: vollkommen undenkbar für das Barca-Denkmal!

    Italien: Der Fußball liegt vollkommen am Boden. Marode Stadien, Korruption, Schulden, Gewalt auf den Rängen. Und dann ausgerechnet zu Berlusconis Milan?

    Ergo: Der FC Bayern ist für ihn eindeutig ein Gustostückerl vom Feinsten! Nebst einer in jeder Hinsicht intakten Liga. Andere werden ihm sicher folgen, die ganze Liga wird profitieren.. Das Problem ist nur, dass neben Bayern im Moment nur Dortmund langfristig die finanzielle Perspektive für den Wechsel von Weltklassespielern nach Deutschland bietet.

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    • fudge
    • 16. Januar 2013 20:59 Uhr

    Mal ganz abgesehen von diesem wirklich schönen Vergleich und dem gern gelesenen Kommentar würde ich erwidern: Geht man als Trainer dorthin, wo sowieso schon alles blüht? Oder sucht man sich lieber einen Verein, in dem man noch etwas bewegen kann?

  6. 8. 50 + 1

    Die Bedeutung der 50+1-Regel kann man gar nicht überschätzen. In vielen Ländern ist der Profi-Fussball von aktiennotierten Unternehmen oder milliardenschweren Egomanen komplett gekapert worden. Dann macht es gar keinen Spass mehr Fan zu sein und ins Stadion zu gehen. Denn mehr als Fan wird man als Kunde betrachtet.
    Wirklich ein gutes Zeichen und ein Mordscoup! Meine Sympathie für den FC Bayern ist sofort nach oben geschnellt.I ch bin gespannt.

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    Ja, der Fan ist ein seltsames Wesen, dass sich wie ein höheres Wesen vorkommt, nur weil es sich freiwillig fanhaft behandeln lässt. Im Zweifel ist die Behandlung nicht besser/schlechter als die übliche für Kunden/Nichtfans, aber was solls, man ist ja Fan.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Bundesliga | FC Bayern München | Fußball | FC Barcelona | Fifa | Lionel Messi
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