Guardiola-Wechsel"Peps Flucht in die Bundesliga ist ein Zeichen von Feigheit"

Der Wechsel von Josep Guardiola zum FC Bayern bewegt die Fußball-Welt. England wundert sich, Italien bewundert die Bundesliga und in Spanien gibt es Häme.

Josep Guardiola während seiner Rücktrittskonferenz im April 2012 in Barcelona

Josep Guardiola während seiner Rücktrittskonferenz im April 2012 in Barcelona  |  © Alberto Estevez/picture alliance/dpa

Viel spektakulärer kann ein Trainerwechsel nicht sein. Josep Guardiola, begehrtester Fußballtrainer der Welt, wird ab der kommenden Spielzeit den FC Bayern München trainieren. Für einige ist das überraschend, für andere die logischste Sache der Welt:

Aus Deutschland kommt bisher nur Anerkennung, vor allem für den FC Bayern. "Kompliment an den FC Bayern, dass diese Verpflichtung gelungen ist", sagte Jürgen Klinsmann, der ehemalige Bayern-Trainer, der jetzt das Nationalteam der USA betreut. Martin Kind, Präsident von Hannover 96, sagte: "Bayern München hat schon mit dem Transfer von Martinez ein deutliches Zeichen gesetzt, finanziell und sportlich. Dieses Zeichen haben sie nun noch einmal getoppt."

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Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball-Liga (DFL), ist hocherfreut: "Dass Pep Guardiola nach München kommt, spricht in erster Linie für das internationale Renommee des FC Bayern und die Perspektiven, die dieser Klub einem Weltklasse-Trainer bieten kann. Zweifelsohne wirkt sich dies auch positiv auf die Wahrnehmung der Bundesliga in der Welt des Fußballs aus." Auch der große Ligakonkurrent aus Dortmund gratuliert. "Man muss auch die Größe haben und sagen können: Chapeau! Das ist eine Riesengeschichte für die Liga, gibt ihr international noch mehr Reputation", sagte Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Die Reaktionen in Guardiolas Heimat Spanien sind geteilt. "Deutschland fasziniert Guardiola – Der Trainer wählt Bayern wegen der gesunden deutschen Wirtschaft, der Möglichkeit, dem Team einen anderen Spielstil zu geben und der familiären Stabilität anstatt der englischen und italienischen Millionen-Offerten", schrieb El Pais. "Revolution in München: 'Willkommen' Guardiola!", war bei El Mundo zu lesen.

Im gleichen Blatt aber ist auch ein ungewöhnlich kritischer, fast hämischer Kommentar erschienen: "Pep flieht vor der Herausforderung und vor Mourinho. Seine Flucht in die Bundesliga ist ein ungewöhnliches Zeichen von Feigheit. Pep hat solche Angst, dass er die Sicherheit der Mittelmäßigkeit dem Kampf fürs Außergewöhnliche vorzieht."

Aus Italien kommt dagegen offene Bewunderung für die deutsche Bundesliga. "Der bayerische Beschluss ist das Ereignis des Jahres. Bayern München hat sich gegen monströse Konkurrenz behauptet. Die Komplimente von Borussia Dortmund bezeugen die revolutionäre Auswirkung, die Guardiola auf den europäischen Fußball haben wird. Das System Bundesliga gönnt sich den Luxus, den begehrtesten Trainer der Welt anzuheuern", schreibt die Gazetta dello Sport.

"Mit Peps Wechsel zu Bayern München erlebt die Bundesliga einen definitiven Qualitätssprung. Jetzt kann man offen von der 'Meisterschaft' sprechen, der besten Liga, auch wegen des schönen offensiven Spiels. Die Bundesliga ist auch die tugendhafteste, da die Bilanzen der Klubs mehrheitlich positiv sind, und die demokratischste, weil die Gehälter nicht übertrieben sind", lobt La Repubblica.

In England dominiert Entsetzen: Guardiola war vor allem bei mehreren Premier-League-Vereinen im Gespräch. Die Engländer sehen ihre Liga als besten und attraktivsten Fußball-Arbeitgeber an: "Pep Guardiola stößt Manchester City vor den Kopf und schockiert Chelsea: Mit seiner Zusage an Bayern München hat Guardiola Premier-League-Herzen gebrochen", schreibt The Sun. "Guardiola hat Abramowitsch im Regen stehen lassen", dichtete The Times. Der Guardian analysiert etwas ausführlicher: "Pep Guardiola wurde von Bayerns Klasse und Vision verführt ... all das in einer Liga, die immer stärker wird, in der Identität eine Rolle spielt. Die Spanier sehen in Deutschland eine Art Reinheit, die ihnen in ihrer eigenen Liga fehlt, die mit ernsten strukturellen Problemen und durch die Wirtschaftskrise bedroht ist."

Unverständnis gab es in England vor allem auf Twitter. Die britische Fußball-Legende Gary Lineker warnt nur.

 (Bayern kann aber auch schwierig zu coachen sein, mit vielen starken und einflussreichen ehemaligen Spielern vor Ort)


Thescore.com hat die verständnislosen Reaktionen von Premier-League-Fans zusammengestellt. Zum Beispiel diese hier:

(Warum sollte Pep Guardiola ein deutsches Team trainieren. Deutscher Fußball ist langweilig. Komm in die Premier League, Mann)

(jemand muss Pep Guardiola mal eine Landkarte geben)

Er hier ist da optimistischer:

(Pep schwimmt auf der Welle des Fußball-Zeitgeistes. Guardiola + Bundesliga - eine Hochzeit im Himmel)

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Leserkommentare
  1. ...aus meiner Sicht eher nicht.... Pep ist ein Trainer, der bisher nur bei Barcelona wirkte, der ein System mit eigenen Nachwuchsspielern aufgebaut hat, dazu der deutschen Sprache nicht mächtig und sensible Zwischentöne daher nicht richtig wird deuten können.
    Die Bayern gehen mit der "Brechstange Geld" an Ihre Zukunft, dass es auch anders geht, hat der BVB bestens bewiesen....
    Bayern ist ein "Gemischtspieler-Verein".
    Bayern hätte aus meiner Sicht besser Mehmet mit der Zukunft beauftragt.
    Wann bekommt die BL einen nachhaltigen Fergusson? Da sehe ich den Kloppo eindeutig, aus heutiger Sicht, für prädestiniert.

    4 Leserempfehlungen
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    bis gar keine Argumente.
    Guardiola lernt angeblich jetzt bereits fleißig deutsch, will bis zur nächsten Saison mit der Mannschaft deutsch reden.
    Der Spielstil von Bayern mit hohem Tempo und sicherem Ballbesitz fügt sich. Alleine schon um Alaba, Martinez und Kroos auf die Höhe ihres Potentials zu bringen (Stichwort Busquets) die richtige Entscheidung.

    dazu noch als Spanier, wäre ein Sprachgenie, manche lernen das Lebenslang nicht.... die Sprachen sind total verschieden..., dazu kommen noch die Dialekte mit Robben, Ribery, Schweinsteiger (der nuschelt), Müller, Martinez kann auch kein deutsch...
    Unterschätzen die Kommunikationshürden nicht..... gerade in Bayern--- dann gibt es noch die nonverbale Kommunikation, die ist auch ganz anders... also ein Umstand der zuwenig bedacht wird, meine ich......

  2. es mit der spanischen Vorherrschaft im Fußball zu Ende geht. Jupp Heynkes war Trainer bei Real, warum sollte dann nicht ein ehemaliger Barca-Trainer zu den Bayern gehen?

    Ich freue mich auf ihn und bin gespannt, wie sich das Bayern-Spiel ab Sommer verändert.

    3 Leserempfehlungen
  3. Und wenn die faule Bande der Millionäre wieder ein ziehen im Finger hat, oder die Haare nicht sitzen und dementsprechend spielen, ist der neue Bayern-Sepp ohnehin bald wieder arbeitslos, ich weiß sowieso nicht was heute noch in der Bundeliga läuft, wieso der Trainer immer der erste ist der sein Hut nehmen muss.

    "Die Bundesliga ist auch die tugendhafteste, da die Bilanzen der Klubs mehrheitlich positiv sind, und die demokratischste, weil die Gehälter nicht übertrieben sind"

    Tugendhaftigkeit ist eine Sache, womit man die Bundesliga nicht beschreiben könnte.
    Und naja, Gehälter übertrieben, das kommt auf den Blickwinkel drauf an.

    Eigenlich schade das mit "Können" kein Fussball mehr gespeilt wird, sondern mit dem Checkbuch, wenn man sich nur Spitzenpersonal einkauft, kann man sich das Spiel auch sparen und gleich den ersten Platz kaufen, unterm Strich sicher auch billiger.

    Und P.S.: Warum sagt der englische Kommentator, das deutscher Fussball langweilig ist? Da ist Fussball kaum anders als hierzulande.

    Eine Leserempfehlung
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    • Infamia
    • 17. Januar 2013 15:18 Uhr

    "Und naja, Gehälter übertrieben, das kommt auf den Blickwinkel drauf an. Eigenlich schade das mit "Können" kein Fussball mehr gespeilt wird, sondern mit dem Checkbuch, wenn man sich nur Spitzenpersonal einkauft, kann man sich das Spiel auch sparen und gleich den ersten Platz kaufen, unterm Strich sicher auch billiger."

    Wenn es doch so einfach wäre... Dass man mit dem Checkbuch eben keine Titel gewinnt, haben diverse Clubs in sämtlichen Ligen, auch der Bundesliga, bewiesen. Bayern hat zwei (!) titellose Jahre hinter sich und zählt ja unter "eingefleischten" Bayernhassern als der Club, der sich seine Truppen zusammenkauft. Das ist eben nicht so bei Bayern, jedenfalls, wenn man internationale Maßstäbe ansetzt. Aber selbst bei den "internationalen Maßstäben" zeigt sich, Checkbuch alleine macht noch keine Titel. Es erhöht allenfalls die Chancen darauf. Was soviel heißt, ein bisschen Checkbuch wird man nicht vermeiden können, will man international im Konzert der Großen mitspielen.

    Ich bin nun weder ausgewiesener Bayern-Fan, noch bezeichne ich mich als ausgewiesenen Fußballexperten oder gar Fan. Ich verfolge Fußball so nebenbei. Aber eines ist sicher. Dieser Trainer wird den Bayern gut tun und der Bundesliga nicht schaden. Eher das Gegenteil wird der Fall sein. So mancher Club wird sein Auge auf Trainer werfen, die internationale Klasse haben. Das funktioniert in anderen Ländern trotz Sprachdefizite schon länger. Warum nicht auch hier? Deutschtümelei war gestern.

    • dacapo
    • 17. Januar 2013 16:20 Uhr

    Wie hat man sich das denn vorzustellen? Man möge in einer europäischen 1. Liga ohne Check-Buch, statt dessen mit "Können" Fußball spielen lassen? Wie soll das funktionieren?

    war schon immer etwas teuerer. Nicht nur im Sport, sondern auch sonst.
    Uli hat einen guten Job gemacht, die Geschäftszahlen stimmen, die Portokasse ist voll, das Team führt in der BuLi um Längen, hat Schalke in der Vorbereitung "geputzt" - was will man mehr?

    Natürlich wecken diese Erfolge auch Neid; was ich auch verstehen kann. Aber Scheckbücher gewinnen keine Spiele und viele Spieler sind bei Bayern, obwohl sie als England-Legionäre mehr verdienen könnten. Aber ich denke, es reicht ja auch, was sie in München verdienen.

    <em>""Die Bundesliga ist ... die demokratischste, weil die Gehälter nicht übertrieben sind".</em>
    <a>
    You made my day :-)

    • timonb
    • 17. Januar 2013 14:54 Uhr

    Wenn ich mich an den Chelsea-Fussball letztes Jahr zurückerinnere, sollten die sich mal an die eigene Nase fassen. Ich weiß, dass es auch andere Vereine dort drüben gibt, aber trotz allem war Chelsea die erfolgreichste Mannschaft. Auch wenn die anderen besseren Fussball spielen, so waren sie doch schlechter.

    Trotz allem eine Riesensache, ich habe mich als Bayernfan gestern echt gefreut, nicht nur für den FC Bayern, sondern für die gesamte Liga. Hoffentlich klappt dieses Experiment, aber wenn, dann profitiert die Liga davon, denn dann werden auch Hannover, Bremen usw. noch attraktiver für ausländische Top-Spieler - wenn Pep schon kommt...

    2 Leserempfehlungen
  4. "strong and influential former player presence"

    Hier bezieht man sich vermutlich sehr bewusst auf den Einfluss ehemaliger (!) Spieler. Das ging in der Übersetzung wohl verloren.

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    Redaktion

    Danke, lieber raffaelp,

    jetzt haben wir das "ehemaliger" wiedergefunden.

    Grüße aus der Redaktion
    Christian Spiller

  5. Redaktion

    Danke, lieber raffaelp,

    jetzt haben wir das "ehemaliger" wiedergefunden.

    Grüße aus der Redaktion
    Christian Spiller

    Antwort auf "Hinweis:"
    • Infamia
    • 17. Januar 2013 15:18 Uhr

    "Und naja, Gehälter übertrieben, das kommt auf den Blickwinkel drauf an. Eigenlich schade das mit "Können" kein Fussball mehr gespeilt wird, sondern mit dem Checkbuch, wenn man sich nur Spitzenpersonal einkauft, kann man sich das Spiel auch sparen und gleich den ersten Platz kaufen, unterm Strich sicher auch billiger."

    Wenn es doch so einfach wäre... Dass man mit dem Checkbuch eben keine Titel gewinnt, haben diverse Clubs in sämtlichen Ligen, auch der Bundesliga, bewiesen. Bayern hat zwei (!) titellose Jahre hinter sich und zählt ja unter "eingefleischten" Bayernhassern als der Club, der sich seine Truppen zusammenkauft. Das ist eben nicht so bei Bayern, jedenfalls, wenn man internationale Maßstäbe ansetzt. Aber selbst bei den "internationalen Maßstäben" zeigt sich, Checkbuch alleine macht noch keine Titel. Es erhöht allenfalls die Chancen darauf. Was soviel heißt, ein bisschen Checkbuch wird man nicht vermeiden können, will man international im Konzert der Großen mitspielen.

    Ich bin nun weder ausgewiesener Bayern-Fan, noch bezeichne ich mich als ausgewiesenen Fußballexperten oder gar Fan. Ich verfolge Fußball so nebenbei. Aber eines ist sicher. Dieser Trainer wird den Bayern gut tun und der Bundesliga nicht schaden. Eher das Gegenteil wird der Fall sein. So mancher Club wird sein Auge auf Trainer werfen, die internationale Klasse haben. Das funktioniert in anderen Ländern trotz Sprachdefizite schon länger. Warum nicht auch hier? Deutschtümelei war gestern.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Der neue Bayer"
    • ekbül
    • 17. Januar 2013 15:24 Uhr
    8. Niveau

    Von gefühlt 23 angeführten Stimmen, waren zwei negativ. Von den beiden die schlechtere - noch nicht mal von einem irgendwie maßgeblichen Kommentator - kommt dann in die Überschrift. So wird dem halbwegs erfahrenen seriösen Zeitungsleser suggeriert, die allgemeine Stimmung sei so.

    Was der Bild recht ist, sollte der Zeit nicht billig sein.

    8 Leserempfehlungen
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    Wenn die Zeit sich schon die Mühe macht, spanische Kommentare übersetzen zu lassen, sollte sie sich evtl auch informieren, WER da kommentiert.

    Der zitierte Artikel, in dem Guardiola u.a. als "feige" etc. bezeichnet wird, stammt von Salvador Sotres, einem weithin bekannten, nach Aufmerksamkeit heischenden Troll des ohnehin schon bunten spanischen Presse-Zoos.

    http://es.wikipedia.org/wiki/Salvador_Sostres

    Sostres ist für seine 5 Minuten Ruhm kein Mittel zuwider, er fiel schon durch offen rassistische oder sexistische Kommentare auf. Während einer Werbepause in einer Live-Runde brüstete er im vermeintlichen Schutz der "geschlossenen Gesellschaft" auch erotischer Phantasien mit Minderjährigen. Die Kamera lief jedoch weiter, der Skandal ging durch die Presse.

    All das sagt natürlich nichts über seinen sportlichen Sachverstand aus, aber muss die Zeit aus der riesigen Anzahl von spanischen Artikeln über Guardiolas Wechsel ausgerechnet die Meinung eines Kommentators heranziehen, dessen Äußerungen und Verhalten seine Seriosität schwer beeinträchtigen?

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