Nachdem die deutschen Handballer am Freitag gegen den Olympiasieger, Weltmeister und Europameister Frankreich gesiegt hatten, unerschrocken, mit Chuzpe und einem furiosen Hochgeschwindigkeitshandball, trauten Experten wie Daniel Costantini, Trainer der französischen Weltmeisterteams von 1995 und 2001, ihren Augen nicht. "Oh là là", sagte er, "die Deutschen haben mit viel Tempo gespielt – und mit sehr großem Herz." Der Respekt vor dem deutschen Team ist spürbar gewachsen. In französischen Medien tauchte wieder dieser Begriff auf: "La Mannschaft".

Es ist vielleicht die beste Charakterisierung für die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB), die am heutigen Mittwoch (19 Uhr, live in der ARD) in Saragossa gegen den Gastgeber und Topfavoriten um den Einzug ins Halbfinale der 23. Handball-WM kämpft. "La Mannschaft" drückt höchste Anerkennung aus. In ihm steckt, dass andere Mannschaften über bessere Individualisten verfügen, über größere Stars, die im Alleingang ein Spiel entscheiden können. Dass aber die DHB-Auswahl diesen Nachteil durch Geschlossenheit, Dynamik, Kampfstärke und cleveres Auftreten kompensiert. Illustriert wurde dies nach dem Frankreich-Spiel durch die Ehrung für den "Man of the Match", die stets nach Schlusspfiff durchgeführt wird. Das Präsent für den besten Spieler nahm Nikola Karabatic entgegen, ehemaliger Welthandballer, Werbeikone, Sportler des Jahres in Frankreich. Die deutschen Handballer aber gewannen, sie brauchten keinen Karabatic.

Die Frage, die seit dem Sieg gegen Frankreich die Beobachter und Experten beschäftigt, lautet: Wie konnte sich eine Mannschaft der Namenlosen, angetreten mit sechs WM-Debütanten, plötzlich zu einem Geheimtipp mausern? Eine wichtige Antwort darauf hatte Michael Haaß, neben Oliver Roggisch, Dominik Klein und Torwart Carsten Lichtlein einer der vier Weltmeister von 2007 im Team, vielleicht schon vor dem Start in das Weltturnier gegeben. "Wir haben eine tolle Stimmung im Team, das habe ich so noch nicht erlebt", hatte der 29-Jährige von Frisch Auf Göppingen berichtet.

Diese gute Atmosphäre im Team war auch während der Spiele zu sehen, anhand von Gesten. Wenn etwa Patrick Wiencek, der bullige Kreisläufer, ausnahmsweise einen Ball verwirft, erhebt sich Christoph Theuerkauf, sein Kollege und Konkurrent auf dieser Position, und klatscht den 23-Jährigen ab, nach dem Motto: Der nächste Versuch sitzt. Silvio Heinevetter, der extravagante Torwart von den Füchsen Berlin, hat während dieser WM betont, wie gut seine Zusammenarbeit mit Carsten Lichtlein sei, dem älteren Kollegen im Tor. Vor einem Jahr erklärte der gleiche Heinevetter noch, wie egal ihm das sei, wer da auf der Bank sitze. Hauptsache, er stehe im Tor.