Handball-WMDie Rückkehr von "La Mannschaft"

Der Respekt vor dem deutschen Handball ist wieder da. Innerhalb einer Woche mauserte sich ein Team von Namenlosen zum Geheimtipp. Von Erik Eggers, Saragossa von 

Die deutschen Handballer nach dem Achtelfinal-Sieg gegen Mazedonien

Die deutschen Handballer nach dem Achtelfinal-Sieg gegen Mazedonien  |  © Josep Lago/AFP/Getty Images

Nachdem die deutschen Handballer am Freitag gegen den Olympiasieger, Weltmeister und Europameister Frankreich gesiegt hatten, unerschrocken, mit Chuzpe und einem furiosen Hochgeschwindigkeitshandball, trauten Experten wie Daniel Costantini, Trainer der französischen Weltmeisterteams von 1995 und 2001, ihren Augen nicht. "Oh là là", sagte er, "die Deutschen haben mit viel Tempo gespielt – und mit sehr großem Herz." Der Respekt vor dem deutschen Team ist spürbar gewachsen. In französischen Medien tauchte wieder dieser Begriff auf: "La Mannschaft".

Es ist vielleicht die beste Charakterisierung für die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB), die am heutigen Mittwoch (19 Uhr, live in der ARD) in Saragossa gegen den Gastgeber und Topfavoriten um den Einzug ins Halbfinale der 23. Handball-WM kämpft. "La Mannschaft" drückt höchste Anerkennung aus. In ihm steckt, dass andere Mannschaften über bessere Individualisten verfügen, über größere Stars, die im Alleingang ein Spiel entscheiden können. Dass aber die DHB-Auswahl diesen Nachteil durch Geschlossenheit, Dynamik, Kampfstärke und cleveres Auftreten kompensiert. Illustriert wurde dies nach dem Frankreich-Spiel durch die Ehrung für den "Man of the Match", die stets nach Schlusspfiff durchgeführt wird. Das Präsent für den besten Spieler nahm Nikola Karabatic entgegen, ehemaliger Welthandballer, Werbeikone, Sportler des Jahres in Frankreich. Die deutschen Handballer aber gewannen, sie brauchten keinen Karabatic.

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Handball-WM

Vom 11. bis 27. Januar wird in Spanien wieder die beste Handballnation der Welt gesucht. 24 Mannschaften waren zunächst in vier Vorrundengruppen gegeneinander antreten. Mittlerweile sind nur noch acht Mannschaften übrig. Die Ansetzungen für das Viertelfinale:

Russland – Slowenien (Mittwoch, 18.15 Uhr, Barcelona)
Deutschland – Spanien (Mittwoch, 19.00 Uhr, Saragossa)
Dänemark – Ungarn (Mittwoch, 20.45 Uhr, Barcelona)
Frankreich – Kroatien (Mittwoch, 21.30 Uhr, Saragossa)

Die Halbfinals finden am Freitag, dem 25. Januar statt. Das Finale am Sonntag, dem 27.

Favoriten

Als großer Favorit gingen die Franzosen in die WM. Wie Spanien den Fußball, dominiert Frankreich derzeit den Welthandball. 2009 und 2011 wurden die Franzosen Weltmeister, 2010 Europameister und im vergangenen Jahr Olympiasieger – eine einmalige, perfekte Bilanz. Allerdings ist die französische Handballwelt durch einen Wettskandal in der heimischen Liga erschüttert, in der selbst ihr Star Nikola Karabatic verwickelt war. So mussten sich die Franzosen in ihrer Gruppe den Deutschen geschlagen geben.

Der Gastgeber spielt bei Handball-Weltmeisterschaften immer eine gute Rolle. Vor allem, wenn er Spanien heißt, und auch sonst passabel Handball spielt. Die heimische Liga jedenfalls ist neben der deutschen Handball-Bundesliga die stärkste der Welt. Zudem würden die Handball-Funktionäre Spanien als Zugpferd gerne im Halbfinale sehen. Bisher sind die Zuschauernzahlen bei dieser WM nämlich eher enttäuschend. Gut möglich also, dass die Deutschen in ihrem Spiel gegen Spanien ein paar seltsame Pfiffe gegen sich bekommen.

Auch die traditionellen Handballnation Dänemark kann ganz vorne landen. Die müssen allerdings gegen den Geheimfavoriten aus Ungarn antreten. Die Mannschaft aus Kroatien machte in der Gruppenphase von sich reden, als sie dort gegen Spanien gewannen.

Das deutsche Team

Der Trainer Martin Heuberger dämpfte vor dem Turnier die Erwartungen. Er wolle nur die Vorrunde überstehen. Sich über Medaillen Gedanken zu machen, wäre "utopisch". Heuberger musste auf die Stammkräfte Holger Glandorf, Lars Kaufmann und Uwe Gensheimer verzichten und stattdessen fünf WM-Neulinge integrieren. Der einzige Star ist der Torhüter Silvio Heinevetter. Heubergers Team aber überraschte im Turnierverlauf, ist bisher noch ungeschlagen.

Die Frage, die seit dem Sieg gegen Frankreich die Beobachter und Experten beschäftigt, lautet: Wie konnte sich eine Mannschaft der Namenlosen, angetreten mit sechs WM-Debütanten, plötzlich zu einem Geheimtipp mausern? Eine wichtige Antwort darauf hatte Michael Haaß, neben Oliver Roggisch, Dominik Klein und Torwart Carsten Lichtlein einer der vier Weltmeister von 2007 im Team, vielleicht schon vor dem Start in das Weltturnier gegeben. "Wir haben eine tolle Stimmung im Team, das habe ich so noch nicht erlebt", hatte der 29-Jährige von Frisch Auf Göppingen berichtet.

Diese gute Atmosphäre im Team war auch während der Spiele zu sehen, anhand von Gesten. Wenn etwa Patrick Wiencek, der bullige Kreisläufer, ausnahmsweise einen Ball verwirft, erhebt sich Christoph Theuerkauf, sein Kollege und Konkurrent auf dieser Position, und klatscht den 23-Jährigen ab, nach dem Motto: Der nächste Versuch sitzt. Silvio Heinevetter, der extravagante Torwart von den Füchsen Berlin, hat während dieser WM betont, wie gut seine Zusammenarbeit mit Carsten Lichtlein sei, dem älteren Kollegen im Tor. Vor einem Jahr erklärte der gleiche Heinevetter noch, wie egal ihm das sei, wer da auf der Bank sitze. Hauptsache, er stehe im Tor.

Leserkommentare
  1. Dschungelbuch is doch tausend mal besser als Dingscamp. Macht ihn dich sympathisch den Heuberger. Auf gehts, la Mannschaft!

  2. > "Le Mannschaft" drückt höchste Anerkennung aus.

    Sorry, das ist Unfug.

    Die Franzosen sprechen von "le Mannschaft" so wie wir von der "Équipe" oder der "Selección": Man macht damit, sportlich-weltläufig, einfach nur klar, dass eben konkret das deutsche/französische/spanische Team gemeint ist.

    Eine Leserempfehlung
  3. Spanien steht heute abend erst an, ist nicht gestern geschlagen worden!
    Man soll das Fell des Bären erst zerteilen, wenn der erlegt ist!

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    ...haben diese Handballer dennoch bisher eine formidable Leistung
    gezeigt und somit, egal wie es gegen Spanien ausgehen sollte, ein prima Turnier gespielt.

    Angesichts der Tatsache, dass diese Mannschaft noch relativ jung ist und somit einiges an Entwicklungspotential erwarten lässt, darf man da schon mal ein wenig vorsichtige Begeisterung zeigen.

    Nichts hinzuzufügen.

  4. ...haben diese Handballer dennoch bisher eine formidable Leistung
    gezeigt und somit, egal wie es gegen Spanien ausgehen sollte, ein prima Turnier gespielt.

    Angesichts der Tatsache, dass diese Mannschaft noch relativ jung ist und somit einiges an Entwicklungspotential erwarten lässt, darf man da schon mal ein wenig vorsichtige Begeisterung zeigen.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Was für ein Bohay!"
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    Aber für ein echtes Spitzenteam fehlt nach wie vor der Wumms aus dem Rückraum. Gerade Rückraum Mitte ist in Deutschland eine gewaltige Baustelle.

    Aber was solls, diese Manschaft hat große Fortschritte gemacht. Ich denke gerade Leute wie Wienczek haben hier einen echten Schub bekommen - kann ihm im Verein nur helfen.

    Und was Spanien angeht. Ein Sieg wäre ein Sahnehäuptchen, aber dieses Team hat die Pflicht längst erfüllt und spielt jetzt die Kür.

  5. Aber für ein echtes Spitzenteam fehlt nach wie vor der Wumms aus dem Rückraum. Gerade Rückraum Mitte ist in Deutschland eine gewaltige Baustelle.

    Aber was solls, diese Manschaft hat große Fortschritte gemacht. Ich denke gerade Leute wie Wienczek haben hier einen echten Schub bekommen - kann ihm im Verein nur helfen.

    Und was Spanien angeht. Ein Sieg wäre ein Sahnehäuptchen, aber dieses Team hat die Pflicht längst erfüllt und spielt jetzt die Kür.

    2 Leserempfehlungen
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    'Wumms aus dem Rückraum', ' große Fortschritte', 'echten Schub' und ' Sahnehäuptchen' ist genau was ich lesen will hier im Forum. Positive Beitraege von jungen Mitforisten die erwartungsfroh in die Zukunft blicken. Negativlinge und Baeschers wie @2 und @3 kannst echt inner Pfeife rauchen.
    Deutschland hat endlich wieder eine gute Handballmsnnschaft. Hip hip hurrah

  6. 'Wumms aus dem Rückraum', ' große Fortschritte', 'echten Schub' und ' Sahnehäuptchen' ist genau was ich lesen will hier im Forum. Positive Beitraege von jungen Mitforisten die erwartungsfroh in die Zukunft blicken. Negativlinge und Baeschers wie @2 und @3 kannst echt inner Pfeife rauchen.
    Deutschland hat endlich wieder eine gute Handballmsnnschaft. Hip hip hurrah

    5 Leserempfehlungen
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    meinen Kommentar nochmals lesen, zur Kenntnis nehmen, dass er nicht ein Wort der Kritik an der deutschen Mannschaft enthält und wieder runterkommen. ;-)

    • Voce
    • 23. Januar 2013 18:32 Uhr

    heute hagelt es bei den Spaniern ein wie bei der Olivenernte ( und wenn es dann doch nicht so kommt, war es trotzdem schön). Viva Alemania!

  7. Nichts hinzuzufügen.

    Antwort auf "Was für ein Bohay!"
  8. meinen Kommentar nochmals lesen, zur Kenntnis nehmen, dass er nicht ein Wort der Kritik an der deutschen Mannschaft enthält und wieder runterkommen. ;-)

    Antwort auf "@5....."

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