Großer Favorit der Handball-WM: Frankreich © Guillaume Horcajuelo/picture alliance/dpa

Ein Taumel war es vor sechs Jahren. Als die deutschen Handballer am 4. Februar 2007 im WM-Finale gegen Polen siegten, kreischten 20.000 euphorische Fans in der Kölnarena. Und über 21 Millionen Fans vor den Fernsehgeräten erzeugten einen Hype, von dem auch die Internationale Handball-Föderation (IHF) enorm profitierte. "Wenn es dem deutschen Handball gut geht, geht es dem Welthandball auch gut", sagte der IHF-Präsident Hassan Moustafa einmal zur Abhängigkeit vom deutschen Markt beschrieben. Kurz darauf verdoppelte der Weltverband seine Erlöse beim Verkauf der TV-Rechte für den Zeitraum 2010 bis 2013 auf 65 Millionen Franken.

Das sind große Summen für den Handball, der am Freitag in Spanien in die 23. Weltmeisterschaft startet. Im Vergleich zum Fußball, den Moustafa als Vorbild betrachtet, sind das freilich nur Krümel. Der Grund: Die mangelnde Verbreitung des Handballs in wichtigen Märkten wie Großbritannien, China, Japan oder den USA. Hier kam die vergleichsweise junge Sportart, die in den zwanziger und dreißiger Jahren in Deutschland und Skandinavien entwickelt wurde, zu spät.

Die Geschichte der WM begann vor 75 Jahren, am 5. und 6. Februar 1938, mit zwei Abendveranstaltungen in der Deutschlandhalle. Die Bezeichnung "WM" war hochgegriffen. Neben dem Gastgeber Deutschland traten nur Österreich, Dänemark und Schweden an, duellierten einander in jeweils 2 mal 10 Minuten. Handball in der Halle war zu dieser Zeit noch exotisch, Feldhandball war angesagt in Deutschland. Die 9.000 Fans, die zwischen 1,25 (Stehplatz) und fünf Reichsmark bezahlten, staunten über die Kunststücke der dänischen Hallenspezialisten, den "Springwurf" und "Aufsetzer-Pass". Den ersten Titel holten sich dennoch, mit drei Siegen, die wurfgewaltigen Deutschen.

Der technische Vorsprung bescherte den Schweden nach dem Krieg eine lange Dominanz in der Halle, sie siegten bei den nächsten Titelkämpfen 1954 in Schweden und 1958 in der DDR. Das deutsche Mutterland des Handballs, zumindest der Westen, verlor nun bis zum WM-Sieg 1978 in Dänemark den Anschluss, weil es zu lange den Feldhandball pflegte. Die Trainingsmethodik der Teams aus dem Ostblock, die sich frühzeitig auf die Halle konzentriert hatten, erwies sich als überlegen. Rumänien, die CSSR, Jugoslawien, die DDR und schließlich die UdSSR dominierten. In den 1990er Jahren duellierten sich die Schweden mit den Russen, das letzte Jahrzehnt schließlich ist eine französische Ära.

Im Grunde ist der Handball, und das ist sein größtes Manko, bis heute eine europäische Angelegenheit. Das belegen die WM-Standorte; allein 1997 (Japan), 1999 (Ägypten) und 2005 (Tunesien) wurde der Weltmeister nicht in Europa ausgespielt, zwei vierte Plätze für Ägypten (2001) und Tunesien (2005) waren die besten Platzierungen außereuropäischer Teams. In Asien ist Südkorea der einzige Verband mit hohem Niveau.

Dabei gab es bereits in den sechziger Jahren Versuche der Internationalen Handball-Föderation (IHF), das Spiel auch in Nordamerika zu popularisieren, dem wichtigsten Sportmarkt. Dort galt Handball als "besonders gewalttätige Kombination von Basketball, Fußball und Hockey" (Time). Der Weltverband erteilte für die WM 1964 in der Tschechoslowakei deshalb den deutschen Spielern Hans-Jürgen Hinrichs und Fritz Hattig Ausnahmegenehmigung, um mit dem US-Team auflaufen zu können. Doch alle Versuche sind bis heute kläglich verlaufen. In Argentinien und Brasilien, zwei Gegner Deutschlands in der Vorrunde, hingegen entwickeln sich zarte Handball-Pflänzchen.

Nun, da der hiesige Markt sich merklich abkühlt, richten sich die größten kommerziellen Hoffnungen des Handballweltverbandes auf den Nahen Osten. Hier locken die Scheichs mit hohen Summen; so bezahlt der Handballverband Katar die Austragung der Klub-WM mit einer Million Dollar pro Jahr. Die WM 2015 findet in Katar statt. Das zweite Mal in Asien. Das Turnier soll, versprechen die Organisatoren, die beste Handball-WM aller Zeiten werden.