Bundesliga-VorschauKein Herz für Heynckes

Im Trubel um Josep Guardiola fragt niemand, wie es Josef Heynckes eigentlich geht. War er nur ein Langzeit-Platzhalter? Unsere Vorschau zum Rückrunden-Start von 

Bayerns Noch-Trainer Jupp Heynckes

Bayerns Noch-Trainer Jupp Heynckes  |  © Andreas Gebert/picture alliance/dpa

Wer spielt wann gegen wen?

FC Schalke 04 – Hannover 96 (Freitag, 20.30 Uhr)
Bayern München – SpVgg Greuther Fürth (Samstag, 15.30 Uhr)
Bayer Leverkusen – Eintracht Frankfurt
VfL Wolfsburg – VfB Stuttgart
TSG Hoffenheim – Borussia M’gladbach
1. FSV Mainz 05 – SC Freiburg
Werder Bremen – Borussia Dortmund (Samstag, 18.30 Uhr)
1. FC Nürnberg – Hamburger SV (Sonntag, 15.30 Uhr)
Fortuna Düsseldorf – FC Augsburg (Sonntag, 17.30 Uhr)

Welches Spiel dürfen Sie auf keinen Fall verpassen?

Alle. Die Winterpause ist schon kürzer als je zuvor und trotzdem kann man sich nach 33 bundesligalosen Tage doch ziemlich ausgehungert fühlen. Vorbei die langen Winterabende, die man mit Biathlon-Exzessen, der Dart-WM oder Berichten über Fußballstars, die ihre Frau schlagen, füllen musste. Wenn am Freitagabend, pünktlich um 20.30 Uhr, der Schalker Marica den Ball zum Anstoß ein paar Meter zu Farfan kullern wird, oder Abdellouae aus Hannover zu Diouf, dann ist sie wieder da: die Liga, die so viel Spaß machen (schöne Tore, geile Stimmung, Götze) und gleichzeitig so anekeln kann (Sponsoren-Jingles, hohle Field-Interviews, Wolfsburg). Auch wenn die Meisterschaft vielleicht schon durch ist, bleiben Dutzende Fragen: Hat Nuri Sahin noch Freunde? Kann Frankfurt Rückrunden? Wer holt Peter Neururer? Kommt Dieter Hecking mit einem VW klar? Und wann kauft Klaus Allofs Guardiola? (Fast) alle Antworten bis Mitte Mai in diesem Theater.

Christian Spiller
Christian Spiller

Christian Spiller ist Redakteur im Ressort Sport bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Welches Spiel können Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Alle dürfen dann doch nicht mitmachen. Aber das ist in diesem Fall gar nicht schlimm. Werder Bremen hat für das Spiel am Samstag acht rechtsextreme Fans des Gegners Borussia Dortmund ausgesperrt. Eine mit Beginn der Saison in Kraft getretene Regel in der Stadionordnung ermöglicht es, Personen, bei denen erkennbar ist, dass sie rassistische Parolen verbreiten wollen, den Zutritt zu verwehren. Die betroffenen BVB-Fans seien polizeilich bekannt und eindeutig dem rechten Spektrum zuzuordnen, hieß es. Eine wichtige, nachahmenswerte Aktion, droht sich der Rechtsextremismus seit einiger Zeit doch zur echten Plage in und um deutsche Fußballstadien zu entwickeln. In Aachen gab in der Woche sogar eine Ultragruppe auf, weil sie von Rechten gejagt und verprügelt wurden. Bleibt zu hoffen, dass auch andere Vereine mal einen prüfenden Blick auf ihre Stadionordnung werfen.

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Wer steht im Blickpunkt?

Perlacher Einkaufspassagen, Pflege- und Entwicklungsplan, Produktentstehungsprozess, pädagogisches Einführungspraktikum oder Polizei-Einsatz-Patrone – das Wörtchen "Pep" war bis zum Mittwoch vor allem eine Abkürzung für deutsche Wortmonster. Selbst das vermeintlich akzeptierte "Das hat Pep" haben in Wahrheit nur Großeltern gesagt. Seitdem Josep "Pep" Guardiola beim FC Bayern unterschrieben hat, ändert sich das. Die Zeitungen sind voll davon: Pep, Pep, Pep! Nie wurde ein Trainer enthusiastischer in der Liga begrüßt. Ob zu Recht, wird sich zeigen. Es gibt ja Menschen, die behaupten, der FC Barcelona hätte damals auch mit einem Glas Wasser auf dem Trainerstuhl die Champions League gewonnen.

In dem ganzen Trubel gerät fast in Vergessenheit, dass die Bayern noch mit einem anderen Josef, dem Heynckes nämlich, Liga, Pokal und Champions League gewinnen wollen. Wie es dem geht, fragt keiner. So richtig toll würde es wohl niemand finden, wenn derjenige als Messias, Erlöser, Heiland angesehen wird, der einem nachfolgt. Die Aussagen seines Präsidenten Uli Hoeneß ("... es gab jetzt die Möglichkeit, Pep Guardiola nach seinem Jahr 'Sabbatical' in New York zu verpflichten und wer weiß, wann das wieder möglich ist.") lassen ahnen, dass Heynckes wirklich nur als Langzeit-Platzhalter vorgesehen war, bis der FC Bayern den großen Visionär gefunden hat.

Heynckes hätte sicher gerne noch weitergemacht, sagte Hoeneß, und man sei froh gewesen, dass er deshalb "kein Theater" gemacht habe. Eine despektierliche Formulierung für den Gentleman, für Don Jupp, der nach der Saison fast 30 Jahre lang als Trainer gearbeitet hat, und nie souveräner wirkte als in diesen Tagen von München. Bis zum Juni wird Heynckes mit einer Art Paralleltrainer leben müssen, dann wird er Guardiola seinen Verein übergeben. Dabei wird er dem Neuen zuzwinkern wie der Vater der Braut zur Hochzeit dem künftigen Schwiegersohn: "Hier hast du sie, sie ist eine Schönheit, aber Obacht: Sie kann auch verdammt zickig sein!"

Leserkommentare
  1. Es ist nicht zu fassen, wie da schon wieder an Opferlegenden gestrickt wird. Nach dem bewährten Motto: "Eiskalte Bayern. Typisch!". Zu Ihrer Erinnerung: Jupp Heynckes wollte schon vor der Saison seine Karriere beenden und hat nochmals ein Jahr drangehängt. Nur ein verantwortungsloser Clubpräsident hätte sich nicht nach einem neuen Coach umgesehen. Heynckes war in alle Vorgänge um Guardiola stets eingeweiht.

    Abgesehen von fachlichen Argumenten, die für die Verpflichtung von Guardiola sprechen, tut der FC Bayern deutlich spürbar alles, um Heynckes einen verdienten und würdigen Abschied zu bereiten. Sicher wissen Sie auch, dass Heynckes und Hoeneß bestens befreundet sind. Gehen Sie also mal davon aus (wie Hans Meyer sagen würde), dass der Umgang dementsprechend ist. Beispielsweise wurde heute die Vorstellung von Guardiola abgeblasen. Rummenigge hat gestern eindeutig betont, dass die Mannschaft u. a. für Heynckes die Meisterschaft holen soll und auch vor der Presse nochmals seine Verdienste hervorgehoben. Er hat auch das Angebot, weiter im Verein mitzuarbeiten. Heynckes genießt im Club und bei den Fans weiter höchstes Ansehen.

    Vor diesem Hintergrund ist allein schon Ihre Überschrift vollkommen daneben! (Und soll wohl nur vorhersehbare Kommentare provozieren.)

    8 Leserempfehlungen
  2. Im Sommer wurde noch spekuliret, ob angesichts der "Misserfogls-Saison" des FC Bayern nicht Heynckes dringend abgelöst werden müsste.
    Erinnert Ihr Euch noch dran? Da haben ihm Hoeneß, Rummenigge und Co., die Stange gehalten.
    Und jetzt wo es gut läuft (da Heynckes schon seit Jahrzehnten ein guter Trainer ist, der halt leider in der Außendarstellung nicht aus seiner Haut kann), fürchtet man, dass er vergessen worden sein könnte?

    Nie und nimmer. Es dürfte keinen Trainer geben, der bei der Führungsetage der Bayern mehr Vertrauen und Zuneigung genießt.

    Lustig wird's falls er in deiser Saison das Triple schaffen würde - dann möchte ich nicht in Guardiola's Haut stecken ...

    6 Leserempfehlungen
  3. 12. Nein,

    der Welt. Ich finde in den letzten Jahren hat man auch ManU überholt.

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    • match
    • 18. Januar 2013 18:38 Uhr

    Man hat Manu geholt, nicht ManU überholt.

  4. FC Bayern das beste Team in Deutschland ist und auf unabsehbare Zeit auch bleiben wird. Ein Team, das eine deutsche Meisterschaft gewinnt, ist deswegen nicht bereits das beste Team in Deutschland. Das beste Team ist das Team, das konstant (trotz personeller Umbauten) die konstant beste Leistung bringt, welche sich eben in regelmäßigen Titelgewinnen manifestiert. Dass der FC Bayern nun 2 Jahre hintereinander nicht Deutscher Meister geworden ist, fällt deswegen auf, weil dies 1995 und 1996, also vor über 15 Jahren das letzte Mal passierte - insofern bestätigt diese titellose Zeit eigentlich nur, dass natürlich der FCB das beste Team in Deutschland ist.

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    • TiSch73
    • 18. Januar 2013 20:06 Uhr

    ist der deutsche Meister, alles andere ist Augenwischerei. Wozu gibts sonst diesen Titel.

    Das beste deutsche Team aller Zeiten ist ne andere Frage.

  5. ... in Frankfurt nach, was Heynckes hier so angerichtet hat, dieser famose, gradlinige, seriöse Kerl.

    3 Leserempfehlungen
  6. in erster Linie aber von den Medien iniziert. Das Verhältnis zwischen Heynckes und dem Vorstand ist viel zu persönlich, Heynckes war sicher keine Sekunde im Unklaren über seine Zukunft.

    In erster Linie bin ich als Bayernfan, obwohl erst skeptisch, mega-dankbar für Heynckes tolle Arbeit. Ehrlicherweise hatte van Gaal das Team taktisch auf ein Topniveau gebracht, Heynckes jedoch noch die menschliche Komponente dazu gebracht- bestes Beispiel Ribery.

    Auch wenn die 2. Heynckes Ära recht titellos war und man mit dieser Zeit das böse CL-Finale reflektieren wird, so übergibt Heynckes im Sommer das zweitbeste Team der Welt an seinen Sukzessor.

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    • match
    • 18. Januar 2013 18:38 Uhr

    Man hat Manu geholt, nicht ManU überholt.

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    Antwort auf "Nein,"
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    Du bist so lustig, du solltest zu RTL gehen. Armer Neider.

  7. geleckt, welches ihm der FC Bayern geboten hatte (zugegeben, etwas verkürzt dargestellt, aber sein Berufsabend hätte sich auch unangenehmer gestalten können). Natürlich ist dies eine Situation, die viel Feingefühl erfordert. Aber Fakt ist nun einmal, dass Heynckes ursprünglich auch nur einen Vertrag bis Sommer 2013 wollte und der FC Bayern alleine schon deswegen nach Anschlusslösungen suchen musste. Dass sich eine solche Gelegenheit ergab, war zum Zeitpunkt des Heynckes-Engagements nicht abzusehen. An sich ist doch die Situation sogar sehr glücklich, weil sich alles fügt, ohne dass jemand sein Gesicht verlieren muss.
    Aber unstrittig ist für mich, dass der FC Bayern alles dafür tun muss, dass eben nicht der Eindruck eines Langzeit-Platzhalters entsteht.

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  • Schlagworte Herz | Bundesliga | Dietmar Hamann | Fußball | Pep Guardiola | 1. FC Nürnberg
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