Eintracht Frankfurts Trainer Armin Veh © Daniel Roland/AFP/Getty Images

ZEIT ONLINE: Herr Veh, Sie haben mit einem Aufsteiger als Vierter die Hinrunde abgeschlossen. Eintracht Frankfurt ist mit erfolgreichem Angriffsfußball eine Attraktion und ein Liebling der Liga. Wie machen Sie das?

Armin Veh: Das macht die Mannschaft. Ich kann mit den Jungs nicht mehr mithalten.

ZEIT ONLINE: Ihre Bescheidenheit ehrt Sie.

Veh: Sie werden mich nicht zu einem Selbstlob verführen.

ZEIT ONLINE: Ok, fangen wir so an: Wie macht das die Mannschaft?

Veh: Sie läuft viel, ist und spielt schnell, hat Mut und ist sehr engagiert. Wir haben einen guten Geist im Team.

ZEIT ONLINE: Können Sie einen Spieler hervorheben oder machen Sie sowas prinzipiell nicht?

Veh: Alexander Meier. Elf Tore hat er geschossen, viele andere in die Wege geleitet. Seitdem er vor einem Jahr von Pirmin Schwegler, der verletzt war, die Kapitänsbinde übernommen hat, ist er so gut wie noch nie.

ZEIT ONLINE: Meier galt früher als ein Spieler, der alles sehr leicht nimmt. Hat sein Aufschwung mit Ihrer Führung zu tun?

Veh: Nein, er ist selbst gereift. Wie er früher war, weiß ich gar nicht, heute übernimmt er jedenfalls Verantwortung. Was für uns auch ausschlaggebend ist: die gute Personalpolitik im Sommer. Wir haben uns gut verstärkt.

ZEIT ONLINE: Also doch ein bisschen Selbstlob, bei den Transfers haben Sie ja mitgesprochen. Blicken wir auf Sie, auf Ihre Karriere: Mit Stuttgart wurden Sie 2007 Meister, danach gelang Ihnen dort wenig. Mit Wolfsburg und Hamburg scheiterten Sie anschließend. Der Trainer Veh galt als abgeschrieben. Ist er die noch größere Überraschung als sein Team?

Veh: Nach Wolfsburg kam ich, als sie gerade Meister geworden waren. Das war der falsche Zeitpunkt. Mehr will ich dazu nicht sagen.

ZEIT ONLINE: Mit dem HSV wollten Sie Meister werden.

Veh: Das Problem in Hamburg waren die Grabenkämpfe zwischen dem Aufsichtsrat und dem Vorstand.

ZEIT ONLINE: Es heißt, die Mannschaft sei schwer zu führen gewesen, gespickt mit Diven wie Ruud van Nistelrooy, Mladen Petric oder Frank Rost. Können Sie nicht mit Stars?

Veh: Ich kann nichts gegen diese Spieler sagen. Die Mannschaft beim HSV war damals allerdings insgesamt veraltet, das merkte ich erst später.

ZEIT ONLINE: Bei der Eintracht haben Sie eine junge Mannschaft, zudem viele Spieler aus der zweiten Reihe und Zweiten Liga. Liegen Ihnen eher Spieler, die noch nicht viel erreicht haben?

Veh: Ich komme mit älteren und jüngeren Spielern gut aus, mit Stars und Unbekannten. Es kommt auf die Mischung an, und hier habe ich eine tolle Mannschaft. Wir sind in der Zweiten Liga zusammengewachsen, das war kein leichter Weg.

ZEIT ONLINE: Bei Ihnen spürt man oft eine Distanz zum Profigeschäft. Täuscht das?

Veh: Das kann schon sein. Das liegt aber am Alter. Ich hab schon so viel mitgemacht. Ich weiß oft, was morgen kommt. Unnötige Energie verbrauche ich keine mehr.

ZEIT ONLINE: Wobei?

Veh: Im Fußball wird immer viel geredet, von vielen. Viele Diskussionen im Verein, Diskussionen, die an den Verein herangetragen werden – die spare ich mir.

ZEIT ONLINE: Anders ausgedrückt: Sie wirkten früher manchmal, als wäre Ihnen die Lust abhanden gekommen.

Veh: Kann schon sein, dass ich auch solche Phasen durchlebt habe. Das geht doch jedem so.

ZEIT ONLINE: Das gibt aber nicht jeder zu. Ihre coole Art macht Sie, wenn man sich in Frankfurt oder unter Exspielern umhört, sehr beliebt.

Veh: Was soll ich jetzt dazu sagen?

ZEIT ONLINE: Anders gefragt, ist Nähe Ihr Führungsstil?

Veh: Als Trainer muss man das Wechselspiel zwischen Nähe und Distanz beherrschen.