KatarDer Emir greift nach dem Weltfußball
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Was, wenn Paris Malaga zugelost wird? Oder Barcelona?

Im Dezember hat die Uefa schon einmal den FC Malaga für die kommende Spielzeit aus dem Europapokal ausgeschlossen. In Malaga ist ebenfalls ein katarischer Investor aktiv, Scheich Abdullah bin Nasser al Thani, ebenso Mitglied der regierenden Familie. Der wollte Malaga zur Nummer drei im spanischen Fußball machen. 150 Millionen Euro investierte er, holte Stars wie Ruud van Nistelrooy und Javier Saviola. Doch irgendwann verlor der Scheich die Lust, der Klub geriet in Geldnot, zahlte eine Weile keine Gehälter, steht aber trotzdem im Achtelfinale der Champions League.

Christian Spiller
Christian Spiller

Christian Spiller ist Redakteur im Ressort Sport bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Keine schöne Situation für die Uefa, die aber erst richtig absurd wird, wenn in der Auslosung zum Viertelfinale der Champions League etwa Paris dem FC Malaga zugelost wird. Oder dem FC Barcelona. Die Katalanen, größter und bester Fußballklub der Welt, sind ebenfalls mit Katar verbunden. Für die "Qatar Foundation" machte Barca sogar seine heilige Brust frei. Ein Aufschrei ging durch Katalonien. Nicht nur, weil das Barcelona-Trikot das letzte Tabu im Weltfußball war (nur für Unicef wurde eine Ausnahme gemacht). Auch störten sich viele an der Stiftung selbst, die sich im Wesentlichen zwar um Bildungsprojekte im Mittleren Osten kümmert, der aber auch eine geistige Nähe zum ägyptischen Prediger Yussuf al-Qaradawi nachgesagt wird, einem Islamisten und Antisemiten.

Dass die Fußballverbände dieser Welt die Investitionen Katars mit Wohlwollen betrachten, zeigt das Beispiel der Fußball-Weltmeisterschaft. Katar hat den Zuschlag für die WM 2022 erhalten, obwohl während des Sommers am Golf Temperaturen von bis zu 50 Grad herrschen. Bis heute steht im Raum, die Kataris hätten sich die WM genauso gekauft wie ihre Fußballklubs. Mit den Unregelmäßigkeiten bei der WM-Vergabe im Dezember 2010 beschäftigen sich nun die Chefermittler der Fifa-Ethikkommission Michael Garcia und Hans Joachim Eckert. Dass Katar die WM wieder aberkannt bekommt, gilt als unwahrscheinlich. Notfalls wird im kühleren Winter gespielt, regte der Uefa-Boss Michel Platini an, der zugab, für die WM in der Wüste gestimmt zu haben.

Katar greift also nach dem Weltfußball. Nur die Kataris selbst können die Fußballbegeisterung ihres Emirs nicht teilen. Zu den meisten Ligaspielen kommen nur ein paar Hundert Zuschauer. Die Kataris sind so emotionslos, dass sich sogar der brasilianische Trainer der Nationalelf Paulo Autouri beschwerte: "Die Menschen sitzen lieber vor dem Fernseher, als ins Stadion zu kommen."
 

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Leserkommentare
  1. passt das ganze ja zu dem Sumpf von Millionengeschäften mit Spielern den Bestechungen von Spielern zu Gunsten Wetterlösen und der lupenreinen Demokratie dieses Schlaraffenlandes Katar.
    Regionaler Fussball, eine Bundesliga mit nur deutschen Spielern ein Begrenzung der Spielergehälter und deine Vorschrift zur Versteuereung der Einnahmen in Deutschland und sichere Stadien, das wäre ein sinvoller Beitrag um den Fussball nicht noch weiter weg vom Fan zu bewegen sondern ihn wieder am Geschehen autentisch zu beteiligen.

    Alleine der beschriebene Trainingsaufwand vom bayerischen Spitzenverein erscheint mir als zu aufwendig und unnötig.

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  2. Da darf sich niemand beschweren. Wer freien Wettbewerb ohne Einschrämkung fordert kann sich nicht plötzlich an reichen Scheichs stören, die nach den Regeln des internationalen Kapitalismus agieren. Nur wer einsieht das Kapitalismus in Reinform, Gerechtigkeit einen Riegel vorschiebt kann hier Kritik üben.

    Worin besteht der Unterschied wenn Bayern 30 Millionen von der Telekom erhält und Paris 250 Millionen von einer Stiftung aus Katar; die Kataries haben mehr Geld. Würde man hier auch so schreien wenn das ganze Geld aus Deutschland käme und wir auf dem Öl säßren?

  3. Das ist doch völliger Quatsch. Aber deren Funktionäre müssen einfach ständig irgendwo Koffer mit Bestechungsgeldern abholen. Und zig Millionen in kleinen Scheinen zählt man auch nicht mal eben vorm Frühstück.

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    • Statist
    • 15. Januar 2013 16:32 Uhr

    also ich halte nicht viel von "nur deutschen Spielern". Genausowenig halte ich davon, dass Vereine mehr als 5% der Gesamteinnahmen durch einen Sponsor haben und dass Mediengelder in eine Liga und nicht an deren Dachverband fließen und von dort verteilt werden könnten.

    Ich bin aber auch Realist und sehe, dass derartige Forderungen nur auf mind. europäischer Ebene durchgesetzt werden können - oder eben gar nicht.

    Mit Sumpf etc hat das auch weniger zu tun, das Bild ergibt sich halt, wenn Macht nicht alle zwei-vier Jahre durch Urwahl verteilt wird, sondern nur aus einem elitären Kreis heraus.

    • SuR_LK
    • 15. Januar 2013 16:35 Uhr

    finanziert Hamad neben den syrischen FSA Terroristen auch die radikalen islamischen Gruppierungen wie Ansar Dine etc die gerade in Mali ihr Unwesen treiben. Aber Doppelmoral eben, beim Thema Fussball ist er wieder der liebe und gute Ölscheich von nebenan.

    2 Leserempfehlungen
    • deDude
    • 15. Januar 2013 17:42 Uhr

    Derjenige der das Geld anbietet oder derjenige der es gerne annimmt und sich dafür erkenntlich zeigt?

    Von der Fifa-Bande sollte man nach den letzten Enthüllungen eigentlich nichts anderes erwarten.

    Why? Because there's money to make!

  4. 30.000.000,00 Euronen zahlt die Telekom an den FC Bayern pro Jahr?! Bin nicht so sehr an Profisport interessiert, deshalb ist mir das vermutlich entgangen.
    Na toll! Also, ab sofort sollte sich die "FC Bayern AG" u.a. auch an den Kosten beteiligen, die bei Aufrechterhaltung der Sicherheit entfallen und allerdings wieder 'mal, wie so oft, sozialisiert werden d.h. der depperte Steuerzahler wird zur Kasse gebeten.
    Zu dem anderen im Artikel beschriebenen Wahnsinn fällt mir eh nix mehr ein.
    Was da so läuft. Lieber Gott, was sind wir bekloppt!

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    • lxththf
    • 15. Januar 2013 21:59 Uhr

    was der FC Bayern an Steuern zahlt, sind Polizeieinsätze um ein hohes Vielfaches abgedeckt und es wäre toll, wenn man sich endlich auch mit dieser Seite der Medaille beschäftigt. Der Fußball bringt dem Staat deutlich mehr Geld ein, als er kostet und davon profitiert unter anderem wer? Genau. Der Steuerzahler ;)
    Zum Thema. Ich lebe in einer Stadt, in der es momentan zwei Hauptvereine gibt. Tradition vs. Kommerz, Klassenerhalt vs. Bundesligaambition, Amateur vs. Professionalität, LOK vs. RB. So oder so ähnlich kann man die Situation in Leipzig beschreiben und so sehr über den österreichischen Getränkehersteller seitens der LOK Fans geschimpft wurde, so offen begrüßen genau diese Fans nun ihren neuen Sponsor ROX-Energy, also einen Energydrinkhersteller.
    Ich habe für mich persönlich festgestellt, dass ich einen Fable für Traditionsvereine habe, mich gleichzeitig aber auch freue, dass der Leipziger Fußball dank des potenten Sponsors nachhaltig belebt wurde und genauso kann ich die Fans von ManCity, Real, Malaga, PSG, Hoffenheim verstehen. Die Schattenseite des Ganzen ist jedoch leider, dass somit ein stückweit der Fußball zur Spielwiese von Superreichen verkommt, die mit dem Erfolg ihrer jeweiligen Teams und Stars ihre ...größe vergleichen. Abramowitsch hat mit dem Modell Chelsea den Fußball nachhaltiger verändert, als je eine Reform zuvor und ich persönlich hoffe, dass es zu einem Dualismus zwischen Tradition und Kommerz kommt und Traditionsvereine nicht nur nostalgischer

  5. Zu "Ja, spinnt ..." Da gibt's für die Profiverein ja auch noch ca 450.000.000,00 Euro, aber nur pro Jahr, aus den erhobenen Zwangsgebühren. Frau/man kriegt sich kaum noch.
    Wiederholung: Lieber Gott, was wir dämlich!

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