Zwei Fußballfans beobachten das Training des FC Bayern in Katar (Archiv) © Karl-Josef Hildenbrand/picture alliance/dpa

Acht Tage weilte der FC Bayern München in Doha, der Hauptstadt Katars. Es sollte eigentlich nur ein Trainingslager sein, doch es war auch so etwas wie ein Ausflug in die Zukunft des Sports. Allein das Trainingszentrum der Bayern vor Ort, die Aspire-Akademie, besteht aus sieben immergrünen Rasenplätzen, einer Leichtathletik-Arena, einer Schwimmhalle, einer Volleyball-Arena, einer Geräteturnhalle, einer Tischtennishalle, mehreren Squash-Courts, einem überdachten Fußball-Ministadion und dem Aspire-Dome, der größten Sporthalle der Welt – errichtet für insgesamt etwa eine Milliarde Dollar. Auf dem Weg zur europäischen Fußball-Dominanz könnte dem FC Bayern nicht nur der FC Barcelona, Real Madrid oder Manchester in die Quere kommen, sondern auch ein staubiges Land am Persischen Golf, das kaum größer ist als Nordhessen.

Katar ist eines der reichsten Länder der Welt. 98.000 Dollar beträgt das jährliche Pro-Kopf-Einkommen, was vor allem an den enormen Öl- und Gasvorkommen liegt, auf denen das Land gebaut ist. Die Bodenschätze werden irgendwann versiegen, deshalb beugt Katar vor. Mittels des milliardenschweren Staatsfonds "Qatar Investment Authority" (QIA) versucht das Land, seine Wirtschaft zu diversifizieren und künftige Einnahmequellen zu erschließen. Es erwarb Anteile an den größten Wirtschaftsunternehmen der Welt, unter anderen an Volkswagen, Porsche, Credit Suisse, Shell und dem spanischen Baukonzern ACS – und an den luxuriösesten: Die englischen Traditionskaufhäuser Harrods und Sainsbury’s stehen ebenso im Portfolio wie der französische Luxusartikler LVMH und der Juwelier Tiffany.

Scheinsponsoring in Paris

Katar möchte wichtig werden. Politisch hat es sich in den vergangenen Monaten zu einem selbstbewussten Akteur des arabischen Raums entwickelt: Es finanzierte die libyschen Rebellen, sprach sich früh für ein Eingreifen des Westens in Syrien aus und veranstaltete die Weltklimakonferenz im vergangenen Jahr. Medial bestimmt der TV-Sender Al Jazeera aus der Hauptstadt Doha schon seit Jahren das Bild des Nahen Ostens im Rest der Welt.

Irgendwann haben die Kataris ein Vehikel gesucht, das beides verbindet, das Sympathien und Einfluss bringt und irgendwann vielleicht auch Gewinn. Sie fanden den Sport. "Sport ist der beste Weg, um jedermann auf dem Globus zu erreichen", sagte Katars Herrscher, der Emir. Ohne ihn, Scheich Hamad bin Chalifa al Thani, das Staatsoberhaupt, geht in Katar nichts. Mittlerweile gibt es in der Wüste ein ATP-Tennisturnier, ein hochdotiertes Golfturnier, das Radrennen Tour de Katar und im Jahr 2006 die Asienspiele. Katar träumt von Olympia, wird 2015 die Handball-WM ausrichten und sieben Jahre später die Fußball-WM. Auch der Emir weiß: Mit keinem Sport lassen sich mehr Menschen fangen als mit Fußball.

2011 kaufte sich der Staatsfonds Qatar Sports Investment (QSI) für 130 Millionen Euro in den französischen Spitzenklub Paris St. Germain ein. QSI gehört dem Sohn des Emirs, dem 31-jährigen Thamin bin Hamad al Thani. Der Kronprinz steckte noch einmal mehr als 250 Millionen in die Mannschaft, unter anderem kaufte er sich den Spektakel-Fußballer Zlatan Ibrahimovic. Der machte seinen neuen Verein mit 18 Toren prompt zum Herbstmeister der französischen Ligue 1. PSG steht zudem im Achtelfinale der Champions League. Ein Mitglied der katarischen Anteilseigner soll kürzlich recht forsch José Mourinho und Cristiano Ronaldo von Real Madrid aufgefordert haben, endlich auch nach Paris zu kommen. Dass der Verein dafür sein SG, das für den Vorort "Saint-Germain-en-Laye" steht, in dem der Klub seine Wurzeln hat, verlieren und künftig unter dem gängigeren Paris FC firmieren soll, stört bei so viel Prunk doch nur Fußball-Romantiker.

Nun müsste beim Europäischen Fußballverband (Uefa) um den Franzosen Michel Platini eigentlich helle Aufregung herrschen. Die Regelhüter haben das Financial Fairplay erfunden, um solchen Exzessen Einhalt zu gebieten. Überbordende Ausgaben dürfen bald nicht mehr durch großzügige Geldgeber ausgeglichen werden. Weil sich das auch bis Katar herumgesprochen hat, überlegten sie sich die Sache mit dem Sponsorenvertrag: 600 Millionen Euro sollen in den kommenden drei Jahren fließen. Das Geld soll von Katars Tourismusbehörde QTA kommen.

Der Trick aber ist durchschaubar. Die 200 Millionen Euro pro Jahr wären keineswegs "marktüblich", der FC Bayern beispielsweise bekommt von seinem Hauptsponsor, der Telekom, etwa 30 Millionen pro Jahr. Die Uefa wird bei dieser Art von Scheinsponsoring genau hinschauen müssen. Man darf gespannt sein, auch weil der QSI-Europachef Laurent Platini heißt und Sohn des Uefa-Bosses Michel Platini ist.