Doping-Interview : Armstrongs Geständnis ohne Reue
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Das Doping ist ohnehin verjährt

Auch über seine fragwürdigen Geschäftspraktiken mit Managern und Politikern schwieg Armstrong, die korrupten Praktiken im eigenen ehemaligen Rennstall der US-Post erwähnte er nicht. Am Donnerstag gab das US-Justizministerium bekannt, als Kläger in einem Prozess unter anderem gegen Lance Armstrong aufzutreten, den Exteamkollege Floyd Landis mit seinen Aussagen als Kronzeuge ins Leben gerufen hatte. Armstrong wird sich also weiter selbst verteidigen müssen.

Immerhin gab es einen kurzen Moment der Ehrlichkeit

Und selbst sein Dopinggeständnis dürfte nur die halbe Wahrheit sein. Gedopt habe er nur bis 2005, das Vergehen dürfte als verjährt gelten. In seinen Comeback-Jahren 2009 und 2010 will er also sauber gefahren sein, was Experten wie Laien bezweifeln. Den Blutpass verteidigte er als effektive Maßnahme in der Dopingbekämpfung, obwohl Kritiker ihn als wirkungsarm betrachten.

Über zweieinhalb Stunden soll sich Armstrong den Fragen gestellt haben, twitterte Winfrey nach der Aufzeichnung. Sie bezeichnete das Interview als einen der wichtigsten Momente in ihrer Karriere und kündigte eine zweigeteilte ungeschnittene Ausstrahlung an. Die Cutter müssen dennoch aktiv gewesen sein. Mindestens dreißig Minuten werden am Ende nicht gezeigt. Das TV-Team verweigerte auf Nachfrage eine Stellungnahme, was dem Schnitt zum Opfer fiel. Im zweiten Teil soll es den Andeutungen des Senders zufolge eher um weiche Themen gehen, etwa Armstrongs Familie.

Mit diesem Interview wird Armstrong allein bei den Fans punkten, die ihm in der Vergangenheit selbst dann noch zugejubelt hätten, wenn er mit einer Spritze in der Hand gefahren wäre. Der kritische Beobachter wird spätestens nach dem ersten Teil gemerkt haben, dass Armstrong noch auf alten Reifen fährt. Immerhin gab es einen kurzen Moment der Ehrlichkeit, als er auf die Frage, ob er sein Comeback in den Radsport 2009 und die dadurch neu erzielte Aufmerksamkeit bereue, erwiderte: "Klar, ohne ein Comeback säßen wir nicht hier."

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