Mali beim Afrika-CupFußball in Zeiten des Krieges

Trotz der Kämpfe im eigenen Land spielen Malis Fußballer beim Afrika-Cup – und gewinnen. Mit den Herzen sind sie in der Heimat. von Olaf Jansen

Die Mannschaft Malis vor dem Spiel gegen Niger

Die Mannschaft Malis vor dem Spiel gegen Niger  |  © Gallo Images/Getty Images

Auf den ersten Blick wirkt das Training von Malis Nationalteam im südafrikanischen Port Elizabeth ganz normal. Doch wer dem ohnehin stets ein wenig traurig dreinblickenden Keita und seinem Cousin Sissoko beim Afrika-Cup genauer zuschaut, bemerkt: Es wird kaum gelacht in diesen Tagen in Malis Nationalteam.

Natürlich geht der aktuelle Konflikt in der Heimat an den Fußballern des Landes nicht spurlos vorüber. Zwar spielen und leben fast alle Akteure längst nicht mehr in ihrem Heimatland, viele sind sogar im Ausland geboren. Familie und Wurzeln haben aber alle in Mali.

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"Erst einmal muss man sagen, dass sich die Jungs hier sehr professionell verhalten und sich voll auf den Afrika-Cup zu konzentrieren versuchen", sagt Torwarttrainer Mahamadou Sidibé. Aber er weiß, dass der  Krieg in der Heimat die Spieler mitnimmt: "Es ist so, dass wir täglich Kontakt in die Heimat haben. Die Spieler lassen sich ständig über den aktuellen Stand der Entwicklung informieren."

"Peace for Mali"

Fußballspielen beim wichtigsten Turnier des Kontinents, während in der Heimat Krieg herrscht. Erstaunlich war die starke Vorstellung von Kapitän Seydou Keita und seinen Kollegen bei ihrem Auftakt-Gruppenspiel gegen Niger, das Keita mit seinem Treffer zum 1:0 kurz vor Schluss entschied. Damit hat sich das Team in eine glänzende Ausgangsposition für das Erreichen des Viertelfinale gebracht.

Doch dem Weltstar Keita, der in seiner vierjährigen Zeit beim FC Barcelona insgesamt 14 Titel gewann, stand bei der Pressekonferenz nach der Partie kaum der Sinn danach, über das Fußballspiel zu sprechen. In einem T-Shirt, auf dem "Peace for Mali" stand, sagte er: "Wir wollen alle dafür beten, dass der Krieg in Mali bald zu Ende geht. Vielleicht können wir mit unserem Fußballspiel dazu beitragen, dass die Konfliktparteien die Waffen ruhen lassen." Mittelfeldmann Sigamary Diarra, der beim französischen Erstligisten Ajaccio sein Geld verdient, sagte zeitgleich dem südafrikanischen TV-Sender SABC: "Unsere Körper spielen hier Fußball in Südafrika. Unsere Herzen sind aber die ganze Zeit in Mali bei den Bekannten und Verwandten."

Schon die Qualifikation der gebeutelten Malier für die Afrikameisterschaft war eine große Überraschung, denn das gesamte letzte Jahr stand auch bei den Fußballern unter dem Eindruck des Militärputsches und dessen Folgen. Die zunehmend unsichere Lage im Land veranlasste schließlich im Frühjahr Nationaltrainer den Alain Giresse – beim Afrika-Cup 2012 noch gefeierter Turnierdritter –, von seinem Amt zurückzutreten.

Leserkommentare
    • lxththf
    • 25. Januar 2013 18:48 Uhr

    eher belächelt, wenn nicht sogar völlig ignoriert wird, so stellt der AfrikCup für diesen Kontinent ein besonders Highlight dar.
    Es ist ein kurzer Moment, der vom Bürgerkrieg gespaltene Nationen zumindest für eine kurze Zeit wieder zusammenführen kann.
    Erinnert sei z.B. an Drogbas Bedeutung nicht nur für die fußballerische Nationalmannschaft, sondern für das gesamte Land. Dieser Cup bietet vielen Ländern eine Möglichkeit.
    Und der sportliche Wert? Ich persönlich finde, dass die Spiele, Spieler und Teams sehr gern unterschätzt werden.

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  • Schlagworte FC Barcelona | Mali | Afrika-Cup | Allianz | Konflikt | Krieg
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