Rund 60 Indianer leben derzeit auf dem Gelände, davon 20 Kinder. Die Indios wollen am liebsten dort wohnen bleiben, zeigen sich aber verhandlungsbereit. "Wir können uns doch hinsetzen und das Ganze in Ruhe besprechen. Wir führen hier seit unserer Ankunft 2006 eine kulturelle Arbeit aus. Das muss respektiert werden. Dazu brauchen wir dieses Gebäude hier oder einen geeigneten Platz", sagt Carlos Tukano. Berichte, dass es in dem Gebäude auch das ein oder andere feuchtfröhliche Trinkgelage gegeben habe, will er nicht bestätigen.

Nun nehmen die Dinge ihren Lauf. Die jüngste Polizeiaktion diente nach offiziellen Angaben dazu, "den Kontakt zu den Personen, die sich im Gebäude aufhalten, zu aktualisieren, damit innerhalb der nächsten Woche die Erhebung abgeschlossen und mit der Umsiedlung der Personen begonnen werden kann. Damit soll der Abriss des Hauses möglich gemacht werden." Der Etat für den Abriss des Museu do Índio ist freigegeben, das "Unternehmen für öffentliche Arbeiten" rechnet schon mit Kosten in Höhe von umgerechnet rund 215.000 Euro.

Die Zeit drängt. Die Arbeiten am Maracanã sollen im April abgeschlossen werden, die Übergabe des Stadions an den Fußball-Weltverband ist für den 28. Mai dieses Jahres vorgesehen. Beim Confed Cup im Juni finden in dem Stadion zwei Vorrundenspiele und das Finale statt. Die Vorfälle kommen für den Gouverneur auch deshalb ungelegen, weil sie die Diskussion um die umstrittene Privatisierung des Maracanã weiter anheizen. Nachdem der brasilianische Steuerzahler den Umbau des Stadions mit umgerechnet 350 Millionen Euro finanziert hat, soll das Maracanã an einen Multimillionär übergeben werden, der das Stadion dann für etwa 2,5 Millionen Euro im Jahr betreiben darf.

Nach der Polizeiaktion vom Wochenende geben sich die Hausbewohner erst recht kämpferisch. Der herbeigeeilte Pflichtverteidiger Daniel Macedo versprach, den Fall bis zum Obersten Gerichtshof zu bringen: "Die Idee ist nun, die Landesregierung dahin zu führen, dass sie ihr Vorhaben aufgibt und stattdessen das Museu do Índio erhält." Doch die Chancen stehen schlecht.

Die ersten Verlierer hat die Konfrontation schon. Die beiden Schreiner von der benachbarten Stadionbaustelle erlebten ihre böse Überraschung, als sie auf die Arena-Baustelle zurückkehrten. Dort wurde ihre Zugangsgenehmigung einkassiert und sie sofort entlassen.