Sportsponsoring250 Millionen Dollar für einen Golfer

Rory McIlroy steht vor dem Abschluss des größten Sponsoringvertrages der Sportgeschichte. Franz Beckenbauer bekam früher nur 50 Pfennig pro Tor. von Dominik Bardow und Sebastian Stier

Rory McIlroy bei einem Golfturnier in Hong Kong

Rory McIlroy bei einem Golfturnier in Hong Kong  |  © Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Eine Viertelmilliarde US-Dollar ist eine Menge Geld. Vor allem, wenn man es dafür erhält, ein kleines Logo auf dem Hemd zu tragen und den Golfschläger zu wechseln. Umgerechnet 191,5 Millionen Euro soll der Sportartikel-Hersteller Nike dem Golfer Rory McIlroy bieten, um die nächsten zehn Jahre das Häkchenlogo spazieren zu tragen. Wird der von amerikanischen Medien vermeldete Deal offiziell bestätigt, dann stellt der 23-jährige Nordire einen neuen Sponsoringrekord im Sport auf.

Bisher galt Tiger Woods als Rekordmann in Sachen Sponsoringeinnahmen. 1996 unterzeichnete er für 40 Millionen Dollar bei Nike, 2001 verlängerte er für 100 Millionen Dollar über fünf Jahre. In ähnliche Dimensionen stießen nur der Tennisprofi Roger Federer (geschätzte 100 Millionen Dollar über zehn Jahre von Nike), der Fußballspieler David Beckham (etwa 160 Millionen Dollar für ein lebenslanges Adidas-Sponsoring) und George Foreman vor. Der frühere Boxer strich 137,5 Millionen Dollar dafür ein, dass er den Amerikanern einen Grill anpries.

Anzeige

Der neue Rekord lässt Fragen über den Sinn und Unsinn des Sponsorings von Sportlern aufkommen. Seit Anbeginn des Profitums unter Athleten ist Gang und Gäbe, dass Unternehmen Unsummen nicht nur in Klubs und Mannschaften, deren Fortbestand, Popularität und teils auch Erfolg investieren, sondern auch in Sportler, deren Karriere jeden Moment vorbei sein könnte.

Michael Jordan setzte Maßstäbe

Dem Risiko zum Trotz sagt Pascal Schulte vom Branchen-Analysten Sport+Markt: "Der Vertrag macht aus Sicht von Nike durchaus Sinn. Golf ist vor allem in den englischsprachigen Ländern sehr beliebt, dort wird es sogar in Kneipen übertragen." Vor allem der US-Riese Nike ist immer wieder für rekordverdächtige Sponsorendeals gut, denn die haben den Konzern zur Weltmarke gemacht. In erster Linie dank Michael Jordan: Den Basketballer nahm das Unternehmen 1984 für die damals hohe Summe von 500.000 Dollar unter Vertrag, obwohl Jordan noch kein einziges Profispiel bestritten hatte.

Jordan gilt heute als einer der besten und bestvermarkteten Athleten der Geschichte und soll Nike etwa 2,6 Milliarden Dollar Umsatz eingebracht haben. Aktuell zahlen die Amerikaner LeBron James 90 Millionen Dollar über sieben Jahre. Der Basketballspieler kann sich seit Schulzeiten kaum vor Sponsoring-Anfragen retten. An der High School wurde er mit 18 Jahren gesperrt, weil er verbotenerweise zwei Trikots von einem Sportartikelgeschäft annahm.

Noch jünger war Franz Beckenbauer, als er seinen ersten Sponsor vorweisen konnte. Beckenbauers Opa zahlte ihm im Kindesalter für jedes Tor 50 Pfennig. Was anfänglich als kleiner Anreiz für den Enkel gedacht war, bereitete dem Opa bald Sorgen. Beckenbauer, zu Schülerzeiten noch nicht als Libero eingesetzt, schoss Tor um Tor. Von Gewissensbissen geplagt, weil er seinem Enkel soviel Geld zusteckt, annullierte Opa Beckenbauer die mündliche Absprache bald. Doch eine große Sponsoren-Karriere ward geboren.

Leserkommentare
    • june67
    • 10. Januar 2013 19:14 Uhr

    Wenn diese Summe wirklich wahr ist, dann gibt's Zuhause kein Nike mehr!

    Eine Leserempfehlung
    • cleteu
    • 10. Januar 2013 20:46 Uhr

    Das ist schlicht und einfach zuviel des Guten. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass so etwas für Nike verkaufsfördernd sein wird.

  1. Leistungsträger sollte sich so manch ein FDPler ein Beispiel nehmen.

    Patrick Döring hat beispielsweise rund 200 000 euro Nebenverdienst plus Diäten und Bezüge,macht insgesamt rund 500000 ---das heisst NEBENBEI ist dieser junge Golfer rund 50 mal fleissiger als Döring insgesamt,und das im Nebenjob.

    Wieso solche FDP ler von Leistung sprechen ist mir ein Rätsel.Welche Leistung?

  2. ...hier Unverhältnismäßigkeit sehen und natürlich wird im Bereich des Spitzengolfs ein Heidengeld rausgehauen (aber eben auch nur für diese überschaubare Gruppe von vielleicht 200 Personen).
    Aber: Laut Studien lohnen sich diese Ausgaben für Nike (und die anderen Firmen). Der sog. Tiger-Effekt auf die Umsätze von Nike betrugen demnach alleine für Golfbälle rund 6 Mio Dollar p.a. nur in den USA, da war der Rest der Welt oder die roten Poloshirts oder Schläger usw. noch gar nicht dabei.
    Vgl. http://www.cbsnews.com/8301-27054_162-57303451/the-tiger-effect-how-wood...

    • AntiW
    • 11. Januar 2013 11:57 Uhr

    Bei diesem Betrag muss Nike aber verdammmt viel mit ihm vorhaben...

  3. Ein Grund mehr keine Nikeprodukte zu kaufen

  4. rory scheint ein unglaubliches talent zu haben, gepaart mit sehr viel dedication (sorry, kenne das deutsche wort nicht). mit all dem vielen geld wird er sehr viele soziale projekte unterstützen und das ist doch toll! wer viel geld hat, hat sehr viele tolle möglichkeiten viel gutes zu tun! möchte die kritiker fragen welcher betrag wäre denn Eurer Meinung "gerecht"??

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service