Henni Nachtsheim "Klar finden es viele Ultras cool, mal die Fresse aufzureißen"
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"Leckt mich am Arsch mit eurem Scheiß!"

ZEIT ONLINE: Die Eintracht schreibt ja derzeit nicht nur sportliche Schlagzeilen. Die Ultras, oder Teile davon, man weiß es nicht genau, zündeln öfter mal herum. Mögen Sie die Jungs?

Nachtsheim: Man muss da wirklich aufpassen, wer wer ist. Es gibt auch Ultras, die entsetzt darüber sind. Mit ein bisschen Verstand kann man das ja selbst unter irgendwelchen revolutionären Gesichtspunkten nicht mehr gutheißen. Das ist nur noch krank. Man kann doch keine Feuerwerkskörper in einer Menschenmenge abschießen. Ich glaube auch nicht, dass das Eintracht-Fans sind, sondern irgendwelche Wichser, die sich reingeschlichen haben.

ZEIT ONLINE: Warum sagt denen dann niemand die Meinung, wenn es eine Minderheit ist?

Nachtsheim: Tja, eigentlich müssten das die Jungs rundherum, die das Scheiße finden, selber in die Hand nehmen, das stimmt. Das wäre das Gesündeste. Aber es ist derzeit natürlich extrem kompliziert, weil die Ultras mit diesem Sicherheitspaket nicht einverstanden und sowieso in so einer trotzigen Stimmung sind.

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ZEIT ONLINE: Können Sie diesen Trotz verstehen? Die ganze Debatte um das Sicherheitspaket war doch furchtbar hochgespielt, oder?

Nachtsheim: Ja, das finde ich auch. Die vermeintliche Anti-Haltung der Ultras ist viel harmloser als nach außen dargestellt. Da wird eine Art Möchtegern-Klassenkampf der Ultras konstruiert, der völlig an den Haaren herbeigezogen ist. Ist doch klar, dass es viele cool finden, mal gegen das Establishment zu sein und das auszuleben, was man in seinem täglichen Beruf nicht machen darf: die Fresse aufreißen.

ZEIT ONLINE: Provozieren DFB und DFL mit ihrer strikten Haltung gegen Pyrotechnik nicht genau solche Vorfälle? Was ist so schlimm, wenn vorne im Block ein paar Ultras mit ihren Bengalos wedeln, solange sie es nicht auf Spieler oder Fans werfen? Beim Skispringen neulich hat sich auch niemand aufgeregt.

Nachtsheim: Ich finde das auch nicht so extrem dramatisch. Aber man darf auch nicht unterschätzen, dass diese Dinger eine enorme Hitze erzeugen. Da braucht es am Besten einen Pyrotechniker, der das beaufsichtigt. Aber das ist im Moment nicht drin, weil Verbände und Ultras sich nicht über den Weg trauen. Außerdem würde es dann vielen keinen Spaß mehr machen.

ZEIT ONLINE: Wie kommen wir da raus? Als es um das Sicherheitspaket ging, haben sich auch viele normale Fans mit den Ultras solidarisiert. Jetzt scheint das Ganze zu kippen. Droht der Fanszene eine Spaltung?

Nachtsheim: Die Gefahr besteht. Die Schweigegeschichte im Dezember fand ich gut, das hat mich beeindruckt. Aber ich kenne viele, die momentan einfach nur noch genervt sind. Ich habe auch gemerkt, dass ich bei den Bildern von Leverkusen gedacht habe: Leckt mich am Arsch mit eurem Scheiß!


 

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Leserkommentare
  1. 1. IgkWiS

    Das Video kannte ich noch gar nicht.

    Danke für die kulturelle Bereicherung. Ein hessisches MustSee. Einfach nur Geil.

    • wawerka
    • 01. Februar 2013 17:39 Uhr

    ....ob bei den Monotones, bei Badesalz oder bei den "Strassenstars".

    Danke für das Interview

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