Pep Guardiola : Der Goldschmied des modernen Fußballs
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Wie wird sich Guardiola mit Matthias Sammer verstehen?

Pep Guardiola bei seinem Abschied aus Barcelona © Josep Lago/AFP/Getty Images

Natürlich sind bei diesem Plan auch viele Fragen offen. Guardiola ist im Biotop Barcelona groß geworden, durchlief seit seinem vierzehnten Lebensjahr die Barca-Schule. Einen anderen Verein hat er als Trainer nicht kennengelernt. Wie sehr war er von seinen Spielern abhängig, etwa einem gewissen Lionel Messi? Wie sehr von seinem Trainerteam? Wie viel Trainer war in Barcelona überhaupt nötig? Wie wichtig ist der Unterbau? Bei allen Erfolgen und Verdiensten – die Nachwuchsabteilung der Bayern ist der von Barca gegenüber noch immer rückständig. Der aktuell älteste Jugendjahrgang beispielsweise gilt als durchschnittlich.

Eine weitere Frage: Kann Guardiola wichtige Transfers, kann er Stars integrieren? In Barcelona fand er solch idealen Bedingungen vor, dass er kaum Spieler kaufen musste. Als er 2009 Zlatan Ibrahimović verpflichtete, um taktisch flexibler zu werden, scheiterte der Plan ein Jahr später krachend. Erfolgreicher war Guardiola im Verkaufen von Stars, etwa Samuel Eto'o, Ronaldinho oder Deco. Ob er in München widerstandslos Bastian Schweinsteiger auf die Bank setzen oder Arjen Robben, der schon mal den Mitspieler übersieht, rauswerfen darf?

Bayern fehlt der letzte, kleine, riesige Schritt zur Weltspitze

Die größte Frage ist, ob die Bayern-Führung ihrem Trainer freie Hand lässt. Die Revolution wurde ja schon mehrmals ausgerufen, mit Jürgen Klinsmann, mit Louis van Gaal. Guardiolas Spielidee vom Ballbesitz ist der des FC Bayern, also der van Gaals, zwar ähnlich. Guardiola ist aber noch radikaler. Hält er daran fest, passt er sie an? Wie reagiert Hoeneß, wenn es in der Arena München keine Flanken mehr gibt, der Ball ins Tor getragen wird oder im Mittelfeld und Sturm nur noch die Kleinen spielen? Geht Tiki Taka mit Gomez?

In der Vergangenheit mussten Bayern-Trainer zudem politische Fähigkeiten an den Tag legen. Ottmar Hitzfeld gelang dies lange. Louis van Gaal gelang dies nicht. Weiß Guardiola, dass dem FC Bayern stets wichtig war, größer zu sein als sein Trainer? Wie wird die Chemie sein zwischen Guardiola und Karl-Heinz Rummenigge, wie wird er sich mit dem Sportvorstand Matthias Sammer verstehen? Nicht zuletzt ist Guardiola kein Muttersprachler.

Die Bayern suchten einen Trainer, der mit ihm den letzten, kleinen, riesigen Schritt zur Weltspitze gehen kann. Dazu, das spürten Hoeneß und Rummenigge, war Jupp Heynckes nicht in der Lage. Da darf man sich von dem vielen Lob nicht täuschen lassen, auch ein Champions-League-Gewinn im Mai würde das nicht ändern. Vieles deutet daraufhin, dass der FC Bayern diesen Trainer nun gefunden hat.

Barca ist der Maßstab. Als Barcelona zuletzt vor Guardiola das Champions-League-Finale gewann, 2006, saßen Xavi, damals immerhin 26 Jahre alt, und Iniesta, auch schon 22, zunächst auf der Bank. Sie waren wichtige, aber noch nicht die entscheidenden Spieler des Teams. Seit drei Jahren zählen sie beide regelmäßig zu den besten fünf Spielern der Welt. Mit Guardiolas Verpflichtung ist wahrscheinlicher geworden, dass die Weltelf in ein paar Jahren mit Thomas Müller, Toni Kroos, Philipp Lahm oder Javi Martinez bestückt sein könnte.

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Kommentare

52 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

Wohl wird sich hier zeigen,

was den Erfolg von Barca ausgemacht hat. Allein das Trainertalent oder die Spielertalente, von den finanzellen Ressourcen des FC Barca mal abgesehen.
Eigentlich würde ich vermuten, dass Guardiola ein neues System auf den FC Bayern anzubringen gedenkt. Anders kann ich mir gute Trainerqualitäten nicht denken. Wenn man sich die Spielerauswahl des FC Barca anschaut, dann sind das in der Regel kleine, quirlige Gestalten (nicht negativ gemeint), die in ihren körperlichen Eigenschaften bestimmte Spielweisen provozieren.
So, denke ich, sollte ein Trainings- und Spielmodell wohl auch auf andere Mannschaften von den Spielern und dessen 'Neigungen' her konstruiert werden. Die Bayern-Spieler sind ja nun keine unmodellierte Masse, also muss sich auf Gegebenheiten eingestellt und diese mittransportiert werden.

Ich bin gespannt und eigentlich war ich auch sehr enttäuscht, dass Guardiola von Barca weg ist. Insbesondere spannend ist ja, wie Barca sich weiterentwickelt.