Pep GuardiolaDer Goldschmied des modernen Fußballs

Pep Guardiola ist ein Schöngeist, er veredelt Spieler und hat Erfolg. Mit ihm kann der FC Bayern den letzten Schritt zur Weltspitze machen. Doch geht Tiki Taka mit Gomez? von 

Pep Guardiola, Gentleman und Philanthrop

Pep Guardiola, Gentleman und Philanthrop   |  © Olivier Morin/AFP/Getty Images

Wäre Bayern München an der Börse notiert, der Aktienkurs würde heute deutlich steigen. Der Verein hat eine der bedeutendsten Figuren des modernen Fußballs engagiert: Pep Guardiola wird im Sommer sein Sabbatical-Jahr beenden und Bayern-Trainer. Uli Hoeneß sendet ein Signal an Roman Abramowitsch, an die Scheichs von Manchester und Paris, ein Signal an Europa.

Von 2008 bis 2012 war Josep Guardiola, der am Freitag 42 Jahre alt wird, verantwortlich für den FC Barcelona, die stilprägende Mannschaft des globalen Fußballs. Er hat den Romantikern dieses Sports viel gegeben, von Barcas Ballzirkulation, Kombinationsspiel und Spielfreude schwärmen die Ästheten. Das zentrale Element ist der Pass, der Flach- und Kurzpass, das Passnetz, das Spiel ohne Ball – und nicht die Physis.

Anzeige

Guardiola hat sein Team taktisch verfeinert wie ein Goldschmied. Er hat experimentiert, hybride Positionen im Sturm und in der Abwehr erfunden. Mit seinem fast perfekten Gegenpressing, der schnellen, intelligenten Ballrückeroberung in der Gegnerhälfte, hat Guardiola die Grenzen von Angreifen und Verteidigen aufgehoben.

Johan Cruyffs Schüler im Klub des Kaisers

Guardiola genießt zudem den Ruf des Schöngeists, des Philanthropen, des Gentlemans, der jedem Gegner Respekt entgegenbringt. Seine Priorität gilt dem Spiel, nicht dem Sieg mit allen Mitteln. Er pflegt das Kollektiv und gibt sich als Freund der Spieler. Es existieren viele Bilder, in der er von seiner Mannschaft vor Freude in die Luft geworfen wird. Der einzige Makel seiner Vita ist die Sperre wegen Nandrolon-Dopings in seiner aktiven Zeit im Jahr 2001, wovon er aber später freigesprochen wurde.

Guardiola veredelt Fußballer. Sergio Busquets führte er aus Barcelonas B-Elf in die Weltklasse, der 24-Jährige ist Welt- und Europameister. Talente, die den letzten Schliff brauchen, hat auch der FC Bayern: etwa David Alaba, dem die Ruhe am Ball abhanden geht, oder den 19-jährigen Emre Can, der beste Voraussetzungen mitbringt, aber keine Position beherrscht.

Vor allem war Guardiola stets erfolgreich. Vierzehn von neunzehn möglichen Titeln gewann er in vier Jahren, darunter zwei Mal die Champions League. Die anderen beiden Male scheiterte er nur knapp: ein Mal an einem isländischen Vulkan, der seinem Team die Anreise zur Plage machte, das andere Mal an einem unglücklichen Zufall, der dem FC Chelsea den Sieg ermöglichte.

Guardiola hat eine starke Mannschaft – Barcelona hat schon vor ihm die Champions League gewonnen – zur besten der Welt gemacht. Genau das ist seine Aufgabe in München. Der FC Bayern, das einzige deutsche Fußballschwergewicht, ist ein glanzvoller Verein mit regionaler Identität, darin den Katalanen ähnlich. Eine sportliche fehlt den Bayern, dem Klub des Kaisers. Die kann ihm nun Guardiola, der Schüler Johan Cruyffs, geben.

Leserkommentare
  1. Guardiola scheint nach allem, was man von außen wissen kann, der Richtige zu sein, um die von den Bayern seit langem gewünschte spielerische Perfektionierung zu schaffen.

    Dabei scheint mir die Frage, ob man mit Gomez tiki-taka spielen kann, falsch gestellt zu sein. Die Frage muss lauten, ob Guardiola ein auf die vorhandenen Spieler zugeschnittes System entwickeln kann, in dem sie so dominant und teils spektakulär auftreten können, wie es Barca in den vergangenen Jahren tat.

    Das, was Klinsmann so schön formuliert, aber nicht geschafft hat, macht doch den Spitzentrainer aus: jeden Spieler jeden Tag ein bisschen besser zu machen. Sich ein x-beliebiges Spielsystem abstrakt ausdenken und dann sehen, wo man die Spieler dazu her bekommt, kann nicht klappen. Ebensowenig, ein einmal entwickeltes erfolgreiches Konzept (wie bei Barcelona) einfach 1:1 anderswo zu versuchen.

    Im Idealfall existiert eine grundsätzliche Spielphilosophie, die dann aber je nach eingesetzten bzw. zur Verfügung stehenden Spielern - und natürlich auch dem jeweiligen Gegner - variiert wird.

    Warten mir mal ab, was dem guten Pep dazu einfällt - ich freu mich drauf!

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • carlp
    • 17. Januar 2013 15:48 Uhr

    Ich sehe das ähnlich, wie Käptn_Blaubär. Barca 1:1 und von heute auf morgen anzuwenden, würde das Scheitern bedeuten, weil der dazu nötige Umbruch den Widerstand der Vereinsführung provozieren würde. Aber Pep hat sich nicht ohne Grund den deutschen FCB ausgesucht: Ballbesitzfußball und (mittlerweile) Gegenpressing prägen bereits die Spielphilosophie der Mannschaft - kaum ein Team in Europa spielt barcelona-ähnlicher. Er wird daran anknüpfen und diesen Spielstil verfeinern, wenn er tatsächlich ein solch intelligenter Trainer ist, für den wir ihn halten.

    • AntiW
    • 17. Januar 2013 13:55 Uhr

    Naja man muss schon sagen, dass der Transfer keine schlechte Sache ist. Ob er aber auch das verspricht was sich jeder erhofft und zwar, dass die Bayern in die Fußstapfen des FC Barceonlas treten werden bezweifle ich.

    Aus folgenden Gründen:

    1. Das Kurzpass-Spiel wird den jungen Catalanen schon in der Jugend vermittelt. Dies entspricht nicht der deutschen Fußballerziehung bzw. der Fußballkultur.
    2. Pep war früher neben Puyol und Xavi selbst Spieler des FCBs. Er kannte die Mannschaft also im Detail perfekt. Hier in Bayern wird es anders.
    3. Die Spieler beim FCB sind eine Klasse für sich. Die meisten von ohnen spielen seit der Jugend miteinander und kennen sich in und auswendg. Jeder kannte des Anderen Laufwege. Das magische Auge… einen Ball gespielt zu bekommen, sich während der Annahme und der Ballkontrolle in der Bewegung über einen Schulterblick zu schauen wann der Teamkollege endlich startet zu laufen… das ist nur teilweise bei den Bayern vertreten.
    4. Das Konzept wäre gar nicht umsetzbar aufgrund von Spielern wie Gomez, der einfach nur die Bälle reinschiebt aber nie viel laufen oder Technik zeigen muss, weil er es sowieso nicht kann, oder einem Robben, der viel zu ego und stur ist, einem Riberry, der viel zu emotional ist.

    Pep muss sich neu orientieren und ein Kompromiss finden und sich anpassen bzw aus sich selber herausgehen weil er den FCB verkörpert

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    in Deutschland fighten vier bis fünf Mannschaten um den Meistertitel, wenn es gut läuft sogar mehr.
    Siehe Gladbach oder Frankfurt.

    Das ist in Spanien anders seit 2008/09 spiele Basrca und Real die Meisterschaft unter sich aus, mit bis zu 30 Punkten Abstand auf Platz 3.

    Das wird in Deutschland nicht so sein.

    Sollte Hoffenheim absteigen sind sichere Punkte auch nicht mehr da.

    Die Siegquote soll nach Meinung von Uli und anderen ja sicher bei 90 % und besser liegen.

    Es wird ein sehr viel härteres Stück Arbeit in München als in Barcelona.

  2. Mir ist klar dass die Zeit nicht das Nonplusultra des Sportjournalismus ist (und es auch gar nicht sein will), aber muss man sich 1 Jahr nach der Bild-Kampagne immer noch an der Medienhetze gegen Arjen Robben beteiligen?

    "Ob er in München widerstandslos Bastian Schweinsteiger auf die Bank setzen oder Arjen Robben, der schon mal den Mitspieler übersieht, rauswerfen darf?"

    Das ist einfach nur stumpfes Bashing, und schlichtweg falsch. Weder gibt es Anzeichen dafür dass Guardiola plant, Robben rauszuwerfen, noch übersieht Robben öfer als andere besser positionierte Mitspieler. Das sollte jedem klar sein, der regelmäßig Bayernspiele schaut. Da der Schreiber es offentlich nicht tut: Worüber man keine Ahnung hat, darüber sollte man lieber schweigen.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • SteB
    • 17. Januar 2013 14:19 Uhr

    Lesen Sie den Artikel doch noch einmal.
    Weder wird dort behauptet, Guardiola plane einen Rausschmiss von Robben, noch steht da, Robben übersehe seine Mitspieler ÖFTER als andere.
    Letztlich ist Robben doch nur ein Beispiel. Als Guardiola in Barcelona als Trainer begann, waren Ronaldinho und Eto'o absolute Stars. PG hat sie trotzdem aussortiert. Die Frage lautete: Macht er das in München ggf. auch? Und dann wurde ein Beispiel genannt. Und wenn es darum geht, in München die (namentlich) großen Stars zu benennen, stehen Ribbery und Robben nunmal vorne. Also ist die Frage valide, ob PG bei Bayern einen Robben rauswerfen WÜRDE (wenn er tatsächlich den Barcelona-Stil auf die Bayern übertragen möchte, könnte das m.E. sogar passieren, das ist aber meine persönliche Meinung). Und dass Arjen Robben gerne mal seine Mitspieler übersieht, können Sie nicht abstreiten (allein deswegen nicht, weil das vermutlich jeder Fußballer irgendwann einmal macht).

  3. in Deutschland fighten vier bis fünf Mannschaten um den Meistertitel, wenn es gut läuft sogar mehr.
    Siehe Gladbach oder Frankfurt.

    Das ist in Spanien anders seit 2008/09 spiele Basrca und Real die Meisterschaft unter sich aus, mit bis zu 30 Punkten Abstand auf Platz 3.

    Das wird in Deutschland nicht so sein.

    Sollte Hoffenheim absteigen sind sichere Punkte auch nicht mehr da.

    Die Siegquote soll nach Meinung von Uli und anderen ja sicher bei 90 % und besser liegen.

    Es wird ein sehr viel härteres Stück Arbeit in München als in Barcelona.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Ob das gut geht...?"
    • SteB
    • 17. Januar 2013 14:19 Uhr
    13. Robben

    Lesen Sie den Artikel doch noch einmal.
    Weder wird dort behauptet, Guardiola plane einen Rausschmiss von Robben, noch steht da, Robben übersehe seine Mitspieler ÖFTER als andere.
    Letztlich ist Robben doch nur ein Beispiel. Als Guardiola in Barcelona als Trainer begann, waren Ronaldinho und Eto'o absolute Stars. PG hat sie trotzdem aussortiert. Die Frage lautete: Macht er das in München ggf. auch? Und dann wurde ein Beispiel genannt. Und wenn es darum geht, in München die (namentlich) großen Stars zu benennen, stehen Ribbery und Robben nunmal vorne. Also ist die Frage valide, ob PG bei Bayern einen Robben rauswerfen WÜRDE (wenn er tatsächlich den Barcelona-Stil auf die Bayern übertragen möchte, könnte das m.E. sogar passieren, das ist aber meine persönliche Meinung). Und dass Arjen Robben gerne mal seine Mitspieler übersieht, können Sie nicht abstreiten (allein deswegen nicht, weil das vermutlich jeder Fußballer irgendwann einmal macht).

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Medienhetze"
  4. Und die guten Mitforisten sollten zunaechst einmal davon ausgehen, dass sich Pep das Bayernspiel, die Bayernfuehrung und die Bayernspieler sehr genau angeschaut hat bevor er diese Entscheidung getroffen hat. Er tat es sicher nicht fuer das Geld oder weil er keine Alternativen hatte sondern weil er wohl davon ueberzeugt ist in Muenchen erfolgreich arbeiten zu koennen. Ebenso sollte man der Muenchener Fuehrungsetage zugestehen, dass sie weiss was sie tut. Pep ist kein Van Gaal. Van Gaal hatte ihn in Barcelona sogar ausgemustert, um dann ein paar Jahre spater zu erleben wie Pep den Verein zur Weltkasse fuehrte.

    3 Leserempfehlungen
    • alkyl
    • 17. Januar 2013 14:33 Uhr

    Ich habe keine Ahnung, beschäftige mich nicht viel mit Fußball. Aber vor knapp drei Jahren las sich das in der Zeit noch ganz anders:

    http://www.zeit.de/sport/...

    Eine Leserempfehlung
  5. Das entscheidende in dem Artikel sind die letzten beiden Absätze. Bis dahin dachte ich: Hilfe! Was ist, wenn uns der Himmel auf den Kopf fällt? Der FCB hat den größten Fehler seiner Vereinsgeschichte gemacht! Bedenken, große Bedenken, allergrößte Bedenken....

    Vergessen Sie's! Allein schon die Frage: "Geht Tiki Taka mit Gomez?" ist auf Scholl-Niveau und somit gänzlich überflüssig. Sie stellt sich gar nicht. Sie könnte auch lauten: Was wäre Barca mit Gomez? Dann hätten sie nämlich endlich ein Stürmer und müssten nicht ohne spielen. Sie hätten jemanden, der die Vorlagen derjenigen, die sich so oft bis zur Torlinie nur durchdribbeln, verwertet. Gomez würde dort 40 Tore pro Saison schießen.

    Bayern wird nie ein Barca-Kopie sein, weil Barca Barca ist und Bayern Bayern. Kein Trainer kann einem Team eine Schablone überstülpen. Es ist immer eine Symbiose aus beidem: System und Mannschaft. Sepp Guardiola ist intelligent, er weiß das. Er weiß auch, dass Bayern eine äußerst talentierte Mannschaft ist, die in den letzten 3 Jahren 2x im CL-Finale stand. Aber dort spielt kein Messi. Es ist kompletter Schwachsinn, von Bayern Barca-Fußball zu erwarten. Der FCB hat eine der stärksten drei, vier Mannschaften Europas und Riesenpotential. Jetzt haben sie den begehrtesten Trainer der Welt dazu verpflichtet. Nicht mehr und nicht weniger. Für den Anfang nicht so schlecht! Rosige Aussichten, wie ich finde.

    11 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • cb81
    • 17. Januar 2013 17:59 Uhr

    Na, Herr Generaldirektor...Ihr Wunsch wurde erhört, Herr Fritsch antwortet. ;-)

    Herr Scholl hat immerhin bewirkt, dass der besagte Gomez nach der Kritik seine Laufrekorde aufstellt!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service