Wäre Bayern München an der Börse notiert, der Aktienkurs würde heute deutlich steigen. Der Verein hat eine der bedeutendsten Figuren des modernen Fußballs engagiert: Pep Guardiola wird im Sommer sein Sabbatical-Jahr beenden und Bayern-Trainer. Uli Hoeneß sendet ein Signal an Roman Abramowitsch, an die Scheichs von Manchester und Paris, ein Signal an Europa.

Von 2008 bis 2012 war Josep Guardiola, der am Freitag 42 Jahre alt wird, verantwortlich für den FC Barcelona, die stilprägende Mannschaft des globalen Fußballs. Er hat den Romantikern dieses Sports viel gegeben, von Barcas Ballzirkulation, Kombinationsspiel und Spielfreude schwärmen die Ästheten. Das zentrale Element ist der Pass, der Flach- und Kurzpass, das Passnetz, das Spiel ohne Ball – und nicht die Physis.

Guardiola hat sein Team taktisch verfeinert wie ein Goldschmied. Er hat experimentiert, hybride Positionen im Sturm und in der Abwehr erfunden. Mit seinem fast perfekten Gegenpressing, der schnellen, intelligenten Ballrückeroberung in der Gegnerhälfte, hat Guardiola die Grenzen von Angreifen und Verteidigen aufgehoben.

Johan Cruyffs Schüler im Klub des Kaisers

Guardiola genießt zudem den Ruf des Schöngeists, des Philanthropen, des Gentlemans, der jedem Gegner Respekt entgegenbringt. Seine Priorität gilt dem Spiel, nicht dem Sieg mit allen Mitteln. Er pflegt das Kollektiv und gibt sich als Freund der Spieler. Es existieren viele Bilder, in der er von seiner Mannschaft vor Freude in die Luft geworfen wird. Der einzige Makel seiner Vita ist die Sperre wegen Nandrolon-Dopings in seiner aktiven Zeit im Jahr 2001, wovon er aber später freigesprochen wurde.

Guardiola veredelt Fußballer. Sergio Busquets führte er aus Barcelonas B-Elf in die Weltklasse, der 24-Jährige ist Welt- und Europameister. Talente, die den letzten Schliff brauchen, hat auch der FC Bayern: etwa David Alaba, dem die Ruhe am Ball abhanden geht, oder den 19-jährigen Emre Can, der beste Voraussetzungen mitbringt, aber keine Position beherrscht.

Vor allem war Guardiola stets erfolgreich. Vierzehn von neunzehn möglichen Titeln gewann er in vier Jahren, darunter zwei Mal die Champions League. Die anderen beiden Male scheiterte er nur knapp: ein Mal an einem isländischen Vulkan, der seinem Team die Anreise zur Plage machte, das andere Mal an einem unglücklichen Zufall, der dem FC Chelsea den Sieg ermöglichte.

Guardiola hat eine starke Mannschaft – Barcelona hat schon vor ihm die Champions League gewonnen – zur besten der Welt gemacht. Genau das ist seine Aufgabe in München. Der FC Bayern, das einzige deutsche Fußballschwergewicht, ist ein glanzvoller Verein mit regionaler Identität, darin den Katalanen ähnlich. Eine sportliche fehlt den Bayern, dem Klub des Kaisers. Die kann ihm nun Guardiola, der Schüler Johan Cruyffs, geben.