René Adler"Manchem Profi sind fünf Grad minus zu kalt"

René Adler ist ein Ehrgeizling, seine Umwelt strengt das oft an. Im Gespräch redet er von bequemen Profifußballern und wie er selbst beim Golfen seine Freundin verärgert. von 

René Adler: "Ich mag es, mich zu quälen und zu schinden."

René Adler: "Ich mag es, mich zu quälen und zu schinden."  |  © Jörn Pollex/Bongarts/Getty Images

ZEIT ONLINE: Ein Boxer sagte mal, sein Willen stecke in seiner Faust? Wo steckt Ihrer, Herr Adler?

René Adler: Der Willen ist eine Sache des Geistes, der Körper folgt nur. Was nützt einem das schnellste Auto, wenn man es nicht fahren kann? Verorten kann ich meinen Willen aber beim besten Willen nicht. Die Vorstellung, er könnte in einem Körperteil stecken, ist lustig.

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ZEIT ONLINE: Wie zeigt sich denn überhaupt Willen im Sport?

Adler: Ständig, im Spiel, im Training. Der hilft einem, den inneren Schweinehund zu überwinden. Mir fallen bei dem Stichwort immer andere Sportarten ein. Schauen Sie sich doch mal an, wie Leichtathleten, Radfahrer, Ruderer, Turner an ihre Grenzen und darüber hinaus gehen! In meiner Zeit auf dem Sportgymnasium in Leipzig hab ich Schwimmerinnen kennengelernt, die waren vielleicht zwölf Jahre alt. Die zogen um sieben Uhr vor der Schule ihre Bahnen, jeden Morgen. Manchmal sogar um sechs Uhr. Mich hat das fasziniert und beflügelt.

ZEIT ONLINE: Mir hat das immer gefehlt. Ist ein starker Willen Voraussetzung, um Leistungssport zu betreiben?

Adler: Ich kenne so viele Talente im Fußball, die nicht oben angekommen sind. Aber auch mancher Profi ist nicht bereit, alles zu geben. Dem sind dann fünf Grad minus zu kalt. Ich will das gar nicht verurteilen. Die Menschen sind nun mal verschieden, und es gibt kein Gesetz, das vorschreibt, alle Reserven auszuschöpfen. Ein mittelmäßiger Bundesligafußballer zu sein, ist keine Schande. Es gibt ein Recht auf Faulheit – das ich allerdings nicht für mich beanspruche.

ZEIT ONLINE: Sind Sie ein Ehrgeizling?

Adler: Meine Motivation kommt von innen. Ich mag es, mich zu quälen und zu schinden. Ich will besser werden. Doch ich weiß, es ist ein schmaler Grat zwischen Ehrgeiz und Verbissenheit. Ich spreche aus Erfahrung. Heute kann ich meinen Willen besser in Bahnen lenken. Dann sag ich mir zu mir: Bleib mal locker! Lockerheit ist wichtig, im Leben und im Fußball.

ZEIT ONLINE: Machen Sie mehr als der Trainer vorgibt?

Alles außer Fußball

Alles außer Fußball ist die Kolumne von René Adler, Thomas Hitzlsperger und Arne Friedrich. Einmal im Monat geben wir während der Bundesliga-Saison einem das Wort. Sie sollen und wollen nicht das Tagesgeschäft kommentieren, klassische Fußballerkolumnen gibt es genug. Alles außer Fußball ist der Versuch, Fußballer Fußball als gesellschaftliches Phänomen betrachten zu lassen. Hier finden Sie alle Gespräche.

Alles über Fußball

Als Pendant zu den Kolumnengesprächen mit Fußballern sprechen wir in der Serie Alles über Fußball mit einem Prominenten aus Politik, Wirtschaft oder Kultur über ihre Beziehung zum Lieblingssport der Deutschen.

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Adler: Das Training mit der Mannschaft ist nur das Rahmenprogramm. Darüber hinaus muss jeder Spieler sein Ergänzungstraining machen. Für mich heißt das: Kraftraum, also Fitness, Schnellkraft, Radfahren, Stabilisierungsübungen, Präventivtraining. Als Tormann brauche ich Athletik. Aber ich habe inzwischen gelernt zu dosieren. Früher wollte ich immer mehr, mehr, mehr, immer Druck, Druck, Druck. Das war blind und verbissen und hat wahrscheinlich zu meiner Verletzung geführt. Heute kenne ich meinen Körper. Übrigens stellte Oliver Kahn am Ende seiner Karriere mit Erschrecken fest, dass man auch mit weniger, aber gezielterem Training mehr erreichen kann.

ZEIT ONLINE: Fehlt der Nationalmannschaft oder gar der gesamten aktuellen "Generation Internat" der Willen? Man hört immer von mangelnder Siegermentalität.

Leserkommentare
  1. Ehrgeiz ist im Grunde eine gute Sache. In der richtigen Dosierung bringt er den Ehrgeizling in Schule, Studium und Beruf nach vorne. Für einen Profi ist er gar eine elementare Grundvoraussetzung für den Erfolg.

    Aber Vorsicht: Wer zu sich zu hohe Ziele steckt, kann an ihnen scheitern. Der Grat zwischen Erfolg und Enttäuschung ist folglich sehr schmal. Auch ist der Weg vom Ehrgeizling zum Außenseiter nicht allzu weit. Rene Adler lässt im Interview auch durchblicken, dass ihn seine Umwelt ob seines (zu hohen?) Ehrgeizes nicht immer positiv sieht.

    Also Rene: Immer schön die Balance halten und beim Golfen nicht übertreiben! :)

  2. wird es, wie allen Südländern, im Winter zu kalt in der Bl sein....

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