Amelie Kober beim Weltcup in Telluride, USA © Oliver Kraus/Fis

Das Snowboarden war meine erste eigene Entscheidung. Ich war zehn Jahre alt und bin vorher Skirennen gefahren. Aber ich hatte da nicht allzu viel Spaß dran, weil die anderen Eltern oft ehrgeiziger waren als die Kinder. Meine Eltern haben mich immer unterstützt. Sie haben mich überall hingefahren – und mir auch ein Snowboard gekauft.

Der Gedanke, dass Snowboarder cooler sind als Skifahrer, spielte in diesem Alter natürlich noch keine Rolle. Ich habe dann auch schnell erkannt, dass Hip-Hop, Drogen und Spaß nur Klischees sind. Das gab es vielleicht ganz am Anfang mal, vor 25 Jahren und dann auch eher in der Freestyle-Szene, in der ein Shaun White ja auch berühmt wurde. Ich habe jedenfalls noch nie gekifft.

Professionelles Snowboarding ist genauso ein Leistungssport wie Skifahren. Klar, der ein oder andere hört auch Musik vor seinem Lauf, aber Party Animals gibt es bei uns nicht. Ich war wie die Skifahrer auf einem Sportgymnasium, wir hatten ähnliche Trainingspläne. Es gibt regelmäßige Dopingkontrollen. Mittlerweile müssen wir Athleten auf die Stunde genau angeben, wann wir wo für Kontrollen erreichbar sind.

Ich bin natürlich überzeugte Snowboarderin. Zwar fahre ich auch ab und zu Ski, aber an das Snowboardgefühl kommt das nicht ran. Es ist viel, viel dynamischer. Snowboarden ist ein unvergleichlich schönes Gefühl, dass man mit keinem anderen Sportgerät haben kann: Die Geschwindigkeit, das Kurvengefühl, der Schnee, die Natur, und im Wettkampf der direkte Kampf Mann gegen Mann oder Frau gegen Frau, weil wir ja parallel starten! Ich fahre auch gerne Motorrad, das ist auch schön, aber auf dem Berg habe ich irgendwie ein direkteres Gefühl.

Snowboarden gehört für mich so sehr zum Leben, dass ich bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver sogar schwanger an den Start gegangen bin. Ich war im dritten, vierten Monat und mir war von mehreren Ärzten bestätigt worden, dass ein Start kein Risiko für das Kind ist. Ich wurde vor Ort auch sehr gut betreut und fühlte mich jederzeit gut aufgehoben. Nachdem ich dann im Viertelfinale ausgeschieden bin, habe ich allerdings auf das Platzierungsrennen verzichtet.

Mittlerweile ist der Kleine zwei und wir waren auch schon zusammen auf der Piste. Allerdings haben wir mit Skiern angefangen, da es für ihn momentan noch einfacher ist.

Aufgezeichnet von Christian Spiller