Mazola und seine Kumpel spielen heute noch genauso auf ihrem kleinen staubigen Platz vor dem Stadion. Im Township gibt es vieler solcher Jungengruppen, sie alle spielen ohne Anleitung, ohne Trainer. Wie vor sechs Jahren auch. Das teure Stadion ist zu einem klassischen "weißen Elefanten" geworden, wie nach Großereignissen ungenutzte Arenen genannt werden: Das Mbombela-Stadium steht an mindestens 350 von 365 Tagen im Jahr leer. Zuletzt waren die Betreiber stolz, dass die Arena für ein Konzert der vor 20 Jahren populären britischen Reggae-Gruppe UB40 und als Zielbereich für einen Halbmarathon genutzt wurde. Derzeit laufen Verhandlungen mit dem Rugbyteam aus dem 150 Kilometer entfernten Witbank. Die "Pumas" sollen ihre Heimspiele ins Stadion von Nelspruit verlegen. Vielleicht klappt es. Wenn nicht, bleibt die Stadt auch weiterhin allein auf den Unterhaltskosten von rund 450.000 Euro jährlich sitzen.

Und was ist mit der versprochenen Fußballentwicklung Südafrikas? "Wir sind auf dem Weg", sagt Danny Jordaan, 2010 Chef des südafrikanischen WM-Organisationskomitees. Zu Beginn des Afrika-Cups stellten Jordaan und Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke stolz den "Legacy Trust" vor, eine Ende 2010 ins Leben gerufene Stiftung zur nachhaltigen Fußballentwicklung Südafrikas. Rund 70 Millionen Euro vom Fifa-WM-Ertrag flossen damals in diesen Fonds, davon sind heute immer noch 45 Millionen übrig.

Hoffnung durch das Viertelfinale

Für 25 Millionen Euro kaufte Südafrikas Fußballverband gleich nach der WM Kleinbusse, Transporter und PKW, die an die regionalen Fußballverbände gingen. "Das Transportproblem war in einem so riesigen Land wie Südafrika entscheidend für die Hemmung der Entwicklung", sagt Jordaan. Ins Schlingern kommt der Funktionär, als er erklären soll, warum von dem Geld auch insgesamt 26 brandneue Edellimousinen an Funktionäre des südafrikanischen Fußballverbandes gingen. "Rund die Hälfte aller Mitglieder unseres Exekutivkomitees sind arbeitslos. Sagen Sie mir mal, wie die vernünftig für den Fußball arbeiten sollen, wenn sie kein Fahrzeug haben?", antwortet Jordaan.

5,5 Millionen Euro sollen jetzt aber tatsächlich in die Entwicklung der nationalen Fußballbasis fließen. Nachdem die drängendsten Aufgaben identifiziert wurden, soll in Trainer- und Schiedsrichterausbildung, den Aufbau einer U-13- und U-15-Liga, in den Mädchen- und Hallenfußball investiert werden. "Das ist auch dringend notwendig", sagt Michael Nees, ein deutscher Fußballexperte, der während der letzten vier Jahre als Entwicklungshelfer in Südafrika tätig war und bei der Ausbildung von Trainern und Schiedsrichtern geholfen hat. "Aber im Jugendfußball liegt noch einiges im Argen", fügt Nees hinzu. Seiner Meinung nach wäre es die beste Voraussetzung für eine positive Entwicklung, wenn die südafrikanische Nationalmannschaft Bafana Bafana endlich mal wieder positive Schlagzeilen produzieren würde. Der Anfang mit dem Einzug ins Viertelfinale des Afrika-Cups ist schon mal geschafft.

Am Sonntag wird im Stadion von Nelspruit das Viertelfinale Burkina Faso gegen Togo ausgetragen, auch ein Halbfinale findet noch vor Mazolas Haustür statt. Danach werden er und seine Freunde wohl wieder für lange Zeit die einzigen sein, die in der Township Mataffin dem Ball nachjagen.