Tuvia Tenenbom und die Polizei bei einer Neonazi-Demo © Isi Tenenbom

Wie nimmt man 40 Kilo in einem Jahr ab? Das fragen mich viele, die meine kurze Anmerkung am Ende der letzten Kolumne gelesen haben.

Naja, wer diese Kolumne regelmäßig liest, müsste es wissen – es sei denn, er war zu sehr damit beschäftigt zu zählen, wie häufig ich in jedem Artikel das Wort Jude verwende.

Also, erster Tipp: Juden zu zählen macht nicht dünner. Tut mir leid.

Andere Dinge schon.

Möchten Sie wissen, was?

Das Wichtigste zuerst: gehen Sie auf keinen Fall zu einem "professionellen Abnehmspezialisten". Abnehmspezialisten verstehen in etwa so viel von Ihrem Körper wie Intellektuelle vom Geist verstehen: nix. Haben Sie diese Intellektuellen mal gesehen, wie sie in Räumen voller Bücher sitzen und geistreiche Dinge sagen, die kein menschlicher Verstand je nachvollziehen kann? Genau, und Körperspezialisten sind das Äquivalent zu den Intellektuellen: Niemand weiß, wovon sie reden, am wenigsten sie selbst. Sie raten einem, ekelhaftes Zeug zu essen, während sie selbst die guten Sachen essen. Hören Sie nicht auf sie, es sei denn, Sie sind überzeugter Masochist.

Was sollen Sie also tun?

Ganz einfach: Hören Sie auf sich selbst. Hören Sie auf Ihren Körper und erkennen Sie, wer Sie sind.

Wie man das erkennt?

Das ist leicht! Sie wissen es von ganz allein.

Zum Beispiel wissen Sie, dass Sie in einem Fitnessstudio, das 2.000 Kilometer entfernt liegt, nie im Leben häufiger als einmal in zehn Jahren trainieren werden. Das leuchtet sofort ein, oder?

Jetzt fragen Sie vielleicht, was kann ich tun, wenn das nächstgelegene Fitnessstudio sich direkt neben dem Mond befindet?

Nun, dann melden Sie sich eben nicht in einem Fitnessstudio an.

Stattdessen sollten Sie die Welt zu Ihrem Fitnessstudio machen.

Ja, das können Sie.

Betrachten Sie die Straßen und Wege in Ihrer Nähe als ein riesiges Fitnessstudio und gehen Sie los.

Nein, nicht joggen. Nicht laufen. Nicht einmal powerwalken. Es sei denn, Sie schwitzen gerne viel und genießen jede Minute. Ich für meinen Teil gehe gerne gemächlich: Ich sehe mir die Leute an, die mir begegnen, vor allem, wenn es schöne Damen sind, und sehe nach, ob die Straßen und Häuser in meiner Nachbarschaft noch an ihrem Platz stehen.

Dann gehe ich in Läden hinein und beschäftige mich dort: Ich frage die Verkäufer, ob Apples iPhone 27 bereits zu kaufen ist, diskutiere hochphilosophische Themen in der Konditorei und erkundige mich in exklusiven Buchhandlungen nach der genauen Adresse des örtlichen Rotlichtbezirks. Kurz gesagt: Ich vertreibe mir die Zeit und verliere dabei Kalorien und Gewicht.

Manchmal sagt mir mein Körper natürlich, dass ich nicht nur gehen, sondern mich auch einmal ein bisschen dehnen sollte. Wenn das passiert, höre ich auf meinen Körper. Letzte Woche lief ich zum Beispiel in eine Demonstration von Neonazis und hatte plötzlich das Bedürfnis, die Arme auszustrecken. Also machte ich, wie Sie es vielleicht von mir erwartet haben, den Hitlergruß. Wenn Sie wissen, wie es geht, vor allem in der Öffentlichkeit, kann das viele Kalorien verbrennen, und gleichzeitig werden Sie neue Freunde finden. Klar: Wenn die Polizisten in Deutschland Sie dabei beobachten, werden sie versuchen, Sie festzunehmen, aber das ist nicht so schlimm. Eigentlich ist es perfekt, denn dann haben Sie keine andere Wahl als zu rennen, und dabei werden Sie weitere Kalorien verbrennen.

Wenn Sie die Polizisten hinter sich gelassen haben, wird sich Ihr Magen Gehör verschaffen und um etwas zu Essen betteln.

Geben Sie nach!

Dies ist die wichtigste Lektion von allen: Wenn Ihr Magen eine Frikadelle will – so wie meiner – geben Sie ihm eine. Spielen Sie keine Spielchen mit Ihrem Magen. Geben Sie ihm nie diese grauenhafte, geschmacksarme Nahrung, zu der Ihnen die Spezialisten raten. Sollen die das doch essen. Nicht Sie. Und wenn Ihr Magen auch noch um Käsekuchen bittet, kommen Sie der Bitte nach. Genießen Sie den Käsekuchen!

Kann man essen, was auch immer man möchte, und trotzdem abnehmen?

Ja sicher!

Ihr Körper ist eine erstaunlich intelligente Maschine, komplexer als alles, was professionelle Intellektuelle je begreifen könnten – abgesehen von Ihnen.

Ihr Körper spricht nämlich ausschließlich zu Ihnen.

Hören Sie zu und gehorchen Sie.

Wenn Sie angefangen haben zu essen, wird Ihr Körper Ihnen ein Signal senden: "Vielen Dank!"

Und jetzt kommt der Trick: Sobald Sie das hören, stellen Sie sofort das Essen ein.