Fett wie ein Turnschuh / Fett wie ein Turnschuh : Abnehmen mit dem Hitlergruß
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Ich wog ungefähr so viel wie Gott

Ja, mehr gehört nicht dazu.

Wir nehmen zu, indem wir nicht auf unseren Körper hören, indem wir uns über das, was er sagt, hinwegsetzen und indem wir seine Bedürfnisse ignorieren.

Vor einem Jahr wog ich 147 Kilo. Das ist ungefähr so viel, wie Gott wiegt.

Tuvia Tenenbom

ist Autor, Essayist und Dramatiker. Er ist Artistic Director des Jewish Theater in New York und Autor des Buches Allein unter Deutschen: Eine Entdeckungsreise. Für ZEIT ONLINE schreibt er seit Dezember 2011 die Fitnesskolumne "Fett wie ein Turnschuh". Im November erscheint sein neues Buch Allein unter Juden: Eine Entdeckungsreise durch Israel.

Wissen Sie, wie ich so dick wurde? Ich habe nicht auf meinen Körper gehört.

Aber eines Tages ging es nicht mehr anders.

Es geschah – entschuldigen Sie meine Offenheit – auf der Toilette. Ich war so fett, dass ich mich kaum abputzen konnte. Und mir wurde klar: Wenn ich so weiter mache, kann mich irgendwann nicht einmal Siemens mehr abputzen. Was soll ich machen, ich persönlich rieche nicht gerne wie eine wandelnde Toilette.

Ich musste etwas tun.

Die Toilette, Sie ahnen es bereits, war nur eines meiner Probleme. Bei einem Gewicht von 147 Kilo waren meine Cholesterinwerte größer als die durchschnittliche Atombombe in Israel (Hallo Günter Grass, diese Zeile habe ich Ihnen zu Ehren geschrieben!). Ich bekam Diabetes. Und mein Blutdruck war hoch genug, um den schwersten Airbus damit anzuheben.

Weil ich keine andere Wahl hatte, fing ich an, auf meinen Körper zu hören: Ich aß alles, was meinen Magen dazu brachte, sich zu bedanken, und ich ging überall zu Fuß hin – kurz gesagt: ich verbrannte alle Kalorien, die ich am Tag zu mir nahm, und sogar noch mehr, und ich genoss jeden Augenblick.

Sie können das auch, wenn Sie nur wollen.

Nein, Sie müssen es nicht exakt genau so machen wie ich. Laufen Sie nicht herum und machen den Hitlergruß, es sei denn, Sie sind ein Ex-Intellektueller wie meine Wenigkeit. Wir machen manchmal verrückte Sachen, aber das ist Teil unseres Genesungsprozesses. In diesem Fall wurde ich, wenn Sie es wirklich wissen möchten, von der Polizei festgenommen – erst, weil sie mich für einen Nazi hielten, dann, weil sie mich für einen linken Unruhestifter hielten – und wurde erst wieder laufengelassen, als ich ihnen erklärte, dass ich eigentlich ein unverständlicher Intellektueller bin. Wenn Ihnen das zusagt, machen Sie es so wie ich. Wenn nicht, tun Sie es auf Ihre Weise.

Sie müssen auch keine Frikadellen und Käsekuchen essen. Wenn Sie lieber Fisch und Schwein mögen, greifen Sie dazu. Aber halten Sie die Ohren offen, denn "Vielen Dank" kommt meist sehr schnell.

Während ich dies schreibe, wiege ich 102,5 Kilo. Kein Diabetes, kein Cholesterin. Der erhöhte Blutdruck ist immer noch da – bei diesen Nazis fühle ich mich nicht besonders wohl – aber auch das wird sich bald stabilisieren. Glauben Sie an sich, haben Sie Vertrauen in sich und hören Sie auf sich selbst. Das ist das beste Fitness-Programm, das Sie je finden werden.

Und nicht vergessen: Zu zählen, wie oft ich in diesem Artikel "Jude" geschrieben habe, gilt nicht als Auf-sich-selbst-hören. Es sei denn, Sie sind ein beglaubigter Intellektueller.

Aus dem amerikanischen Englisch von Tobias Schnettler

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Körpersignale

Ich denke Sie hören nicht einfach nur auf Ihren Körper, sondern gleichzeitig auch auf Ihren Verstand.

Wenn man Zucker zu sich nimmt, schüttet der Körper schließlich auch Glückshormone aus und belohnt sich damit selbst.
Deshalb ist es auch eine Vernunftentscheidung, nicht das Erstbeste zu sich zu nehmen, worauf man gerade Lust hat, sondern sich an das Gesündere zu halten.

M.E.n. ist Appetit auch nur ein Körpersignal, und bei unserem Überfluss an Lebensmitteln, die auf Lange Sicht schädliche Auswirkungen haben können, ist es nicht gut diesem Körpersignal nachzugeben, sprich auf seinen Körper zu hören.