Fett wie ein TurnschuhAbnehmen mit dem Hitlergruß

Unser Fitnesskolumnist Tuvia Tenenbom hat in einem Jahr 40 Kilo abgenommen. Wie das? Er hört auf seinen Magen und geht überall spazieren, auch auf einer Neonazi-Demo. von Tuvia Tenenbom

Tuvia Tenenbom und die Polizei bei einer Neonazi-Demo

Tuvia Tenenbom und die Polizei bei einer Neonazi-Demo  |  © Isi Tenenbom

Wie nimmt man 40 Kilo in einem Jahr ab? Das fragen mich viele, die meine kurze Anmerkung am Ende der letzten Kolumne gelesen haben.

Naja, wer diese Kolumne regelmäßig liest, müsste es wissen – es sei denn, er war zu sehr damit beschäftigt zu zählen, wie häufig ich in jedem Artikel das Wort Jude verwende.

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Also, erster Tipp: Juden zu zählen macht nicht dünner. Tut mir leid.

Andere Dinge schon.

Möchten Sie wissen, was?

Das Wichtigste zuerst: gehen Sie auf keinen Fall zu einem "professionellen Abnehmspezialisten". Abnehmspezialisten verstehen in etwa so viel von Ihrem Körper wie Intellektuelle vom Geist verstehen: nix. Haben Sie diese Intellektuellen mal gesehen, wie sie in Räumen voller Bücher sitzen und geistreiche Dinge sagen, die kein menschlicher Verstand je nachvollziehen kann? Genau, und Körperspezialisten sind das Äquivalent zu den Intellektuellen: Niemand weiß, wovon sie reden, am wenigsten sie selbst. Sie raten einem, ekelhaftes Zeug zu essen, während sie selbst die guten Sachen essen. Hören Sie nicht auf sie, es sei denn, Sie sind überzeugter Masochist.

Was sollen Sie also tun?

Ganz einfach: Hören Sie auf sich selbst. Hören Sie auf Ihren Körper und erkennen Sie, wer Sie sind.

Wie man das erkennt?

Das ist leicht! Sie wissen es von ganz allein.

Zum Beispiel wissen Sie, dass Sie in einem Fitnessstudio, das 2.000 Kilometer entfernt liegt, nie im Leben häufiger als einmal in zehn Jahren trainieren werden. Das leuchtet sofort ein, oder?

"Fett wie ein Turnschuh"

Hantelschwingen und Bodypumpkurse boomen: Allein in Deutschland gibt es knapp 6.000 Fitnessstudios. Im Jahr 2011 trainierten dort erstmals mehr als sieben Millionen Menschen – mehr als der größte deutsche Sportverband, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Mitglieder zählt. Fast jeder zehnte Deutsche packt demnach seine Sporttasche und schwitzt an schwerem Gerät oder in Gymnastikkursen.

Wieso ist der Fitnesssport so erfolgreich? Was fasziniert die Menschen daran? Und wieso?

Die Fitness-Kolumne

Für unsere Kolumne Fett wie ein Turnschuh schicken wir den (noch) etwas korpulenten New Yorker Autoren Tuvia Tenenbom in die Welt der Fitten und Starken. Er lernt die Fitnessjünger kennen und nimmt ab. Alle zwei Wochen berichtet er auf ZEIT ONLINE von seinen Erlebnissen.

Jetzt fragen Sie vielleicht, was kann ich tun, wenn das nächstgelegene Fitnessstudio sich direkt neben dem Mond befindet?

Nun, dann melden Sie sich eben nicht in einem Fitnessstudio an.

Stattdessen sollten Sie die Welt zu Ihrem Fitnessstudio machen.

Ja, das können Sie.

Betrachten Sie die Straßen und Wege in Ihrer Nähe als ein riesiges Fitnessstudio und gehen Sie los.

Nein, nicht joggen. Nicht laufen. Nicht einmal powerwalken. Es sei denn, Sie schwitzen gerne viel und genießen jede Minute. Ich für meinen Teil gehe gerne gemächlich: Ich sehe mir die Leute an, die mir begegnen, vor allem, wenn es schöne Damen sind, und sehe nach, ob die Straßen und Häuser in meiner Nachbarschaft noch an ihrem Platz stehen.

Dann gehe ich in Läden hinein und beschäftige mich dort: Ich frage die Verkäufer, ob Apples iPhone 27 bereits zu kaufen ist, diskutiere hochphilosophische Themen in der Konditorei und erkundige mich in exklusiven Buchhandlungen nach der genauen Adresse des örtlichen Rotlichtbezirks. Kurz gesagt: Ich vertreibe mir die Zeit und verliere dabei Kalorien und Gewicht.

Manchmal sagt mir mein Körper natürlich, dass ich nicht nur gehen, sondern mich auch einmal ein bisschen dehnen sollte. Wenn das passiert, höre ich auf meinen Körper. Letzte Woche lief ich zum Beispiel in eine Demonstration von Neonazis und hatte plötzlich das Bedürfnis, die Arme auszustrecken. Also machte ich, wie Sie es vielleicht von mir erwartet haben, den Hitlergruß. Wenn Sie wissen, wie es geht, vor allem in der Öffentlichkeit, kann das viele Kalorien verbrennen, und gleichzeitig werden Sie neue Freunde finden. Klar: Wenn die Polizisten in Deutschland Sie dabei beobachten, werden sie versuchen, Sie festzunehmen, aber das ist nicht so schlimm. Eigentlich ist es perfekt, denn dann haben Sie keine andere Wahl als zu rennen, und dabei werden Sie weitere Kalorien verbrennen.

Wenn Sie die Polizisten hinter sich gelassen haben, wird sich Ihr Magen Gehör verschaffen und um etwas zu Essen betteln.

Geben Sie nach!

Dies ist die wichtigste Lektion von allen: Wenn Ihr Magen eine Frikadelle will – so wie meiner – geben Sie ihm eine. Spielen Sie keine Spielchen mit Ihrem Magen. Geben Sie ihm nie diese grauenhafte, geschmacksarme Nahrung, zu der Ihnen die Spezialisten raten. Sollen die das doch essen. Nicht Sie. Und wenn Ihr Magen auch noch um Käsekuchen bittet, kommen Sie der Bitte nach. Genießen Sie den Käsekuchen!

Kann man essen, was auch immer man möchte, und trotzdem abnehmen?

Ja sicher!

Ihr Körper ist eine erstaunlich intelligente Maschine, komplexer als alles, was professionelle Intellektuelle je begreifen könnten – abgesehen von Ihnen.

Ihr Körper spricht nämlich ausschließlich zu Ihnen.

Hören Sie zu und gehorchen Sie.

Wenn Sie angefangen haben zu essen, wird Ihr Körper Ihnen ein Signal senden: "Vielen Dank!"

Und jetzt kommt der Trick: Sobald Sie das hören, stellen Sie sofort das Essen ein.

Leserkommentare
  1. „wer diese Kolumne regelmäßig liest, müsste es wissen – es sei denn, er war zu sehr damit beschäftigt zu zählen, wie häufig ich in jedem Artikel das Wort Jude verwende.“

    Man braucht es nicht zu zählen, um zu erkennen, dass es schon ziemlich häufig ist.

    Stephen King hat einmal, um eine kurze Zusammenfassung seines nächsten Romans gebeten, folgendes geschrieben: plot plot plot boo! plot plot fuck plot boo! plot boo! boo!

    Tenenbom versucht sich offensichtlich an einer ähnlichen Formel: plot plot plot Jew! plot plot Nazi plot JJew! plot Nazi! Jew!

    Soweit ich weiß, hat er damit jedoch nicht annähernd den Erfolg von Stephen King. Selbst in Deutschland nicht - trotz des bemüht wirkenden Versuchs, einen „Skandal“ herbeizureden.

    15 Leserempfehlungen
  2. der selbe tote Gaul noch geritten?
    Er hat schon wieder "JUDE" gesagt.

    Herr Tenenbom ist einfach ein nicht mehr ganz so fetter aber immer noch hyperextrovertriert und aufgesetzt-überzogen-pseudoprovokant auf Jude machender Comedian aus USA, der MichaelMoore- oder Boratmäßig mit Dingen und Begriffen spielt, bei deren identischer Vermostung ein Einheimischer (gleich welcher Konfession) ziemlich verbale Prügel oder arg hochgezogende Nasen ernten würde.
    Na und? Er weiß dass ihm hier im Windschatten der Geschichte nichts passieren wird und er kann halt nichts anderes, das ist so ein bisschen wie bei Mario Barth und zu Hause ist die Masche ja auch schon abgelatscht.
    Also macht er hier weiter.

    6 Leserempfehlungen
    • Derdriu
    • 24. Januar 2013 16:06 Uhr

    Ich höre meistens auf meinen Körper und ich bin schlank. Wenn ich nicht auf ihn höre, geht es mir schlecht. Ganz einfach.

    Viele Menschen verlernen das, indem sie einfach immer zu viel essen- oder das falsche. Z.B. signalisiert der Körper wenn er Durst hat nur "Flüssigkeit bitte". Aber Flüssigkeit ist auch in Nahrung. Daher interpretieren viele "Donut" oder "Bubble Tea". Wasser hätte es auch getan...

    5 Leserempfehlungen
  3. Der Schreck saß tief, Mr. Tenenebom, als Ihr heftiger Gewichtsverlust bekannt wurde. Darum ein Rat: Gehen Sie nicht mehr zu Nazidemonstrationen, das machen nicht einmal deutsche Ex-Intellektuelle. Essen Sie einfach, wenn Ihr Körper schon "Vielen Dank" sagt, noch ein Stück Käsekuchen.
    Die Begründung: Wie schon in der Schule zu lernen war, entsteht Humor durch eine geglückte Mischung der Körpersäfte. Der Humor hat also seine Heimstatt im ganzen Körper. Je mehr Platz er vorfindet, desto besser kann er sich entfalten. In einem runden Körper entwickelt er sich einfach besser als in einem spitzigen, wo er leicht klaustrophob und humorlos werden könnte. Was aber will ein Humorist mit einem humorlosen Humor? Zaundürre Humoristen sind deshalb so wenig vorstellbar wie dünne Bässe.
    Beim proletarischen Witz ist es anders als beim noblen Humor. Der hat Platz in der Zungenspitze. Weswegen es auch schlechte Witze, aber keinen schlechten Humor gibt. Jedenfalls nicht in der Alltagssprache. Darum kann es durchaus magere Witzbolde geben. Sie aber sind Humorist und müssen auf Ihr Gewicht achten.
    Laden Sie Ihren Fitnesstrainer zu zehn Frikadellen oder zwölf Käsekuchen ein. Vielleicht schließt sich noch ein Kinobesuch mit einem Eimer Popcorn an. Dann können Sie wieder trainieren - oder spazieren gehen. Aber nicht bei Nazidemos!
    Sie sehen: Ihre Leser wollen nur Ihr Bestes!

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    http://www.karl-valentin....
    http://www.karl-valentin....

    Und dann auch noch deutsch, genauer bayrisch!
    "Was für ein Glück, dass Hitler nicht "Kräuter" hieß, soll Karl Valentin dazu gesagt haben." http://www.literaturkriti...

    • Sauzahn
    • 24. Januar 2013 16:50 Uhr

    Juden können abnehmen wenn sie gemächlich durch die Gegend gehen und aufhören wenn der Körper Danke sagt.
    (Christen höchstwahrscheinlich auch.)

    4 Leserempfehlungen
  4. unverschämt klingen, aber wer zum Teufel hat ein Interesse an solchen Dingen? Die Gewichtsprobleme eines Kolumnisten gehören zur Zeit nicht zu den Problemen die es auf diesem Planeten gibt. Diese Kolumne ist ungefähr so interessant wie ein einstündiges Feature über einen Traktor in der Lüneburger Heide.
    Sicherlich wird es Leute geben, die mir widersprechen und möglicherweise haben sie vielleicht recht.

    4 Leserempfehlungen
  5. Herr Tenenbom, ich habe eine Idee:

    Bewerben Sie sich doch einfach für das Dschungelcamp.

    Dort können Sie dann bei einheimischer diätischer Vollwert-Ernährung nicht nur ordentlich abspecken, sondern haben auch eine angemessene mediale Bühne, um Günter Grass das mit der israelischen Atombombe in aller Ruhe und detailliert zu erläutern.

    ;-)

    2 Leserempfehlungen
  6. vielleicht habe ich ja etwas zu hastig gelesen, aber haengengeblieben ist: T. geht erst in die Konditorei und dann ins Rotlichtviertel, jeweils um seinem Koerper zu geben, wonach der gerade verlangt. tut bestimmt gut, aber ob man davon abnimmt?

    Eine Leserempfehlung

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