Fett wie ein TurnschuhIch will schwarz sein
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"Kein 'Jude' wird erwähnt"

Der einzige Ort auf diesem Planeten, an dem ich mich sicher genug fühle, mein Innerstes zu offenbaren, ist das Fitnessstudio. Ein Fitnessstudio erinnert mich immer an einen Pferdestall. Dort fühle ich mich von der Herde geschützt, und das erleichtert es mir, mich zu öffnen.

Möchten Sie mit mir ins Fitnessstudio kommen und mein Geheimnis hören? Gut.

Willkommen bei Crunch in New York City. Crunch ist als "cooles" Studio bekannt geworden. Ich weiß nicht, ob das immer noch zutrifft, aber wir werden es überprüfen.

Bei Crunch zahlt man keine hohe Aufnahmegebühr, aber günstig ist es trotzdem nicht. "Mitglied" wird man für ein paar Cent, aber dann bringen sie einen dazu, sich bei verschiedenen Trainern anzumelden. Da ist ein junges Mädchen mit einem Trainer, der ihr das Boxen beibringt; sie glaubt, dass sie durch das Training zu Muhammad Ali wird. Nicht weit von ihr baut ein kleiner Mann mit Hilfe seines Trainers Muskeln auf; er will als Basketballer an den olympischen Spielen teilnehmen. Und dann komme ich: ich soll in einer Evaluationsstunde herausfinden, was ich einmal werden will, wenn ich groß bin.

"Fett wie ein Turnschuh"

Hantelschwingen und Bodypumpkurse boomen: Allein in Deutschland gibt es knapp 6.000 Fitnessstudios. Im Jahr 2011 trainierten dort erstmals mehr als sieben Millionen Menschen – mehr als der größte deutsche Sportverband, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Mitglieder zählt. Fast jeder zehnte Deutsche packt demnach seine Sporttasche und schwitzt an schwerem Gerät oder in Gymnastikkursen.

Wieso ist der Fitnesssport so erfolgreich? Was fasziniert die Menschen daran? Und wieso?

Die Fitness-Kolumne

Für unsere Kolumne Fett wie ein Turnschuh schicken wir den (noch) etwas korpulenten New Yorker Autoren Tuvia Tenenbom in die Welt der Fitten und Starken. Er lernt die Fitnessjünger kennen und nimmt ab. Alle zwei Wochen berichtet er auf ZEIT ONLINE von seinen Erlebnissen.

Ich setze mich neben meinen Trainer, einen Mann mit enormen Muskeln, die er unter einem engen T-Shirt versteckt.

Können Sie aufstehen und sich setzen?, fragt er mich.

– Sie wollen wissen, ob ich aufstehen und mich setzen kann?

Sozusagen. Ich will sehen, wie Sie es machen.

Ich stehe auf und setze mich, und er kommt zu dem Schluss, dass ich in der Verfassung bin, ihn zu bezahlen.

Wenn ich fragen darf, was genau möchten Sie erreichen?, fragt er.

– Sie meinen im Sinne eines Ziels?

Ja. Was ist Ihr Ziel?

– Ich will schwarz sein.

Der Mann weiß nicht, wie ihm geschieht. Er ist komplett fassungslos, denn ich habe ein wirkliches Tabu in diesem Land gebrochen und er weiß nicht, ob er lachen oder einen Psychiater rufen soll. Ich lasse ihn mit dieser Frage allein und probiere eine seltsam aussehende Maschine aus, die mich – soweit ich es beurteilen kann – in Michael Jackson verwandeln wird.

Mein Trainer fängt mich ab.

Nein, nicht diese Maschine! Die ist nicht für Sie!

– Nicht für weiße Männer?

Mein Trainer-Gutachter wirkt jetzt entspannter und bricht in lautes Gelächter aus. Der gesamte Stall sieht zu uns herüber, was meinen Trainer wieder ernst werden lässt. Er hält mir eine "Fitness"-Predigt.

Das Leben ist Bewegung. Was ist Hitze? Rennende Teilchen. Wenn sie nicht mehr rennen, haben wir eine Leiche.

– Tote weiße Männer?

Mann, Sie sind ja unglaublich!

Jetzt lacht mein Trainer noch lauter.

Normalerweise schaffe ich es, hier drin keine Miene zu verziehen. Aber bei Ihnen geht das nicht. Wer sind Sie?

Ich hoffe, mein deutscher Freund wird mit meinem Crunch-Artikel zufrieden sein. Kein "Jude" wird erwähnt. Doch dann kann ich ihn aus den Tiefen des Cyberlandes aufschreien hören: Musstest du unbedingt "schwarz" erwähnen?

Ich lasse ihn schreien. Ich schlendere träge durch die Straßen, fröhlich rauchend, und weiß, dass mich Den Haag nicht kriegen wird. Niemals.

Kurze Anmerkung: Im vergangenen Jahr habe ich 40 Kilo abgenommen und bin sogar meinen Diabetes losgeworden. Höchste Zeit, dass Sie, Sie bildschirmsüchtige Kreaturen ohne Stall, sofort Ihre Geräte abschalten und auf der Stelle rausgehen, um einen Powerwalk zu absolvieren! (Wenn Ihnen dabei ein "reicher" Raucher über den Weg läuft, vergessen Sie nicht, mich zu grüßen!)

Aus dem amerikanischen Englisch von Tobias Schnettler

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Leserkommentare
    • S.W.
    • 11. Januar 2013 10:14 Uhr

    zum Gewichtsverlust mit Spaß!

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Herr Tenenbom, Sie sind mein Vorbild :) Den Weg liebgewordene und über Jahre mit viel Genuss erarbeitete Bestandteile sozusagen abzugeben, habe ich noch vor mir. Nach Fas(t)nacht gehts los, wäre immerhin temporär passend. Ein Vorher Foto habe ich dieser Tage geschossen - mal sehen, wie das Nachher aussieht. Drücken Sie mir die Daumen.

    • Pyr
    • 11. Januar 2013 10:30 Uhr

    Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke, die Redaktion/mo.

  1. Danke Herr Tenenbom :-)

    3 Leserempfehlungen
    • footek
    • 11. Januar 2013 11:22 Uhr

    der Beweis, dass man als übergewichtiger Sozialneurotiker Hoffnung haben kann "Normalgewicht " zu erlangen. Stellt sich nur die Frage ob Gewicht und Neurose in irgendeinem Zusammenhang stehen? ich hoffe für Ihre Mitmenschen, dass sich geringes Gewicht nicht umgekehrt proportional zur Neurose verhält. Halten Sie uns weiter auf dem Laufenden!

    via ZEIT ONLINE plus App

    Eine Leserempfehlung
  2. 5. Shaft!

    Wie muss Ich mir das vorstellen?

    In etwa so:

    http://www.youtube.com/wa...

    oder so:

    http://www.youtube.com/wa...

    ^^

    PS: Wehe, das wird hier gelöscht!! GRRRR!!
    Auf Satire wird mit Satire geantwortet!!! ;)

    Eine Leserempfehlung
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    Nope, Sie müssen sich das SO vorstellen:

    http://www.youtube.com/wa...

    • Rychard
    • 11. Januar 2013 11:51 Uhr

    feel? I feel black! Ok, let's do it! Where is the bass, man? SNAP - World Power

  3. 7. Shaft

    Nope, Sie müssen sich das SO vorstellen:

    http://www.youtube.com/wa...

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Shaft!"
  4. Ohh Yesss! ;)

    Honey Bunneyheyhey!!

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