Pyrotechnik im Fußball : Die Ultras haben sich von der Masse entfernt
Seite 2/2:

Kollektivstrafen in Hannover

Das könnte sich ändern, falls der Deutsche Fußball-Bund (DFB) eine drastische Strafe verhängt. Der DFB-Kontrollausschuss hat Ermittlungen gegen die Frankfurter aufgenommen. Die Vorfälle von Leverkusen werden nun gemeinsam mit ähnlichen Aktionen der Frankfurter Fans im September in Nürnberg und im November in Düsseldorf verhandelt, in der Summe dürften die wiederholten Verfehlungen zu einer hohen Geldstrafe führen, eventuell sogar zu einem Geisterspiel. Nach Vereinsangaben kosten die Fans die Eintracht in dieser Spielzeut bereits eine sechsstellige Summe an Strafen, Sicherheitskosten und Einnahmeverlusten.

Mit drastischen Strafen oder dem Ausschluss einzelner Übeltäter scheint dem Problem nicht beizukommen zu sein. "Wir haben es hier mit einer Jugendbewegung zu tun. Wenn einer in der 12. Klasse ein Stadionverbot bekommt, dann adelt ihn das in der Schule", sagte Frankfurts Vorstand Heribert Bruchhagen einmal. "Wir brauchen kluge Lösungen. Ich muss aber auch zugeben: Ich selbst habe sie auch nicht." Ein Anfang wäre es wohl, wenn sich andere Fans von den Krawallsuchenden nicht nur im Internet distanzieren würden. "Man kann hingehen und denen seine Meinung sagen", meint Gabriel. "Und es wäre ein starkes Zeichen, wenn viele Fans den Block verlassen würden, wenn wieder Feuerwerkskörper aufs Spielfeld fliegen."

Einen gänzlich anderen Weg hat derweil Hannover 96 eingeschlagen: Die Niedersachsen setzen im Kampf gegen Pyrotechnik auf Kollektivstrafen. Hannover erhöhte am Montag für das Europa-League-Heimspiel gegen Anschi Machatschkala am 21. Februar die Eintrittspreise in zwei Fan-Blöcken um fünf Euro. "Mit dieser Maßnahme wollen wir ein Zeichen setzen, dass wir die Anwendung der verbotenen Pyrotechnik nicht akzeptieren", erklärte 96-Präsident Martin Kind: "Kollektivstrafen sind manchmal nötig."

Erschienen im Tagesspiegel

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

45 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Keine Pyrotechnik auf Großveranstaltungen

Ich wundere mich etwas über die sich reflexartig entladenden Erklärungsversuche, man dürfe Gewalt und Bengalos abrennen nicht in einen Topf werfen.

Offensichtlich lassen sich Begalos ja immer wieder als Wurfgeschosse missbrauchen, sodass sie in Großveranstaltungen niemals legalisiert werden dürfen. Aus ähnlichem Grunde gibt es Bier auch nur noch in Plastikbechern.

Natürlich ist es schade, dass gewisse Personen damit den Maßstab im negativen Sinne für alle anderen setzen. Dennoch bin ich grundsätzlich gegen Pyrotechnik, weil es bei Mißbrauch einfach zu viel Gewalt- und Verletzungspotential birgt. Der Silvestervergleich hinkt leider auch hinten und vorne, da im Stadion erst einmal nur Fußball geschaut wird. Für etwas anderes kauft man keine Karte. Wer zu Silvester auf der Straße rumrennt, lässt sich willens auf das Abrennen von Feuerwerk ein(für dass es ebenfalls gesetzliche Bestimmungen gibt, die aber wohl selten eingehalten werden) Für einen Stadionbesuch gilt das aus gutem Grunde nicht.

Den Artikel finde ich insgesamt ausgewogen. Die in Kommentaren bemängelte Indifferenz in der Wahrnehmung der "Ultra" - Szene greift der Artikel sehr gut auf, indem thematisiert wird, dass sich das Ultra Lager selber klarer Abgrenzen sollte von derartigen Feuerwerkern. Vielleicht würde dann auch nicht immer nur von "den Ultras" die Rede sein, wenn mal wieder Rauchschwaden durchs Stadion ziehen und Spiele unterbrochen werden.

Ich war lange auf der Seite der "Anhänger"

Aber Frankfurt geht zum Beispiel garnicht. Wenn die in einen Fremden Bahnhof einfallen, dann werden nicht nur sie abgeschottet, sondern JEDER Bahnkunde, der dummerweise gerade dort am Bahnhof ist wird in seienr Freiheit in Mitleidenschaft gezogen, weil er umwege in Kauf nehmen muss etc.

Das sind keine Fans mehr in meinen Augen, das sind schlicht assoziale Selstdarsteller!

Und da kommen wir zum Kollektiv, normalerweise sollte es der großen Gruppe der echten Fans ein leichtes sein diese Idioten aus den Blöcken raus zu bekommen. Da ist immer genug Polizei und Security samt Ordner. Einfach aufräumen. Denunzieren!! Und gut ist. Aber nein, es wird die Klappe gehalten und nix gemacht. Und genau deshalb sind Kollektivstrafen richtig in meinen Augen, der wenn nix macht, der macht auch nix dagegen. Und ist dadurch mit schuld an der Misere.

Ja die Frankfurter und ihr Problem mit ihren Ultras

Das Gewaltpotential dieser kleinen Gruppe ist jetzt ja schon seit längerem bekannt. Unter einer eigenen Polizeieskorte zum Stadion des Gegners (z.B. in Mainz), um andere Fans zu schützen, geht es bei denen anscheinend nicht mehr.

Jetzt bin ich Eintracht Fan seit über 40 Jahren, aber mit diesen Knallchargen habe ich so gar kein Berständnis.

Wie wäre es mit lautstarken "Ultras Raus" Rufen der friedlichen Fans, wenn dieser kleine Haufen von Krawallos das nächste mal zündelt.

Wenn diese Gruppe so auf Anerkennung von anderen Fans aus ist, könnte sich auf diese Weise doch was an deren asozialem Verhalten ändern?

Wenn man keine Ahnung hat...

Dafür dass Sie nicht regelmäßig ins Stadion gehen, lehnen Sie sich aber verdammt weit aus dem Fenster. Ich gehe seit 20 Jahren regelmäßig ins Stadion und habe auch schon eine Reieh von Auswärtsspielen besucht. Ich werde nie wie ein Schwerverbrecher behaldent, fühle mich nicht wie in einem Hochsicherheitstrakt, habe noch nie Pfefferspray abbekommen oder bin mit der Polizei aneinandergeraten. Aber Erfahrungen mit Bengalos habe ich vor vielen Jahren gemacht. Und ich muss sagen: Es mir so was von egal wie das aussieht. Nicht egal war es mir, dieses Magenesiumpulver einatmen zu müssen. Das allein ist sicherlich schon gesundheitsschädlich. Dafür brauch nicht erst irgendwelche Verbrennungen.