Pyrotechnik im FußballDie Ultras haben sich von der Masse entfernt

Nach den Zündeleien vom Wochenende bekommen die Frankfurter Ultras Widerstand aus der eigenen Fanszene. Vielerorts scheinen sich erste Gegenbewegungen zu organisieren. von 

Eintracht-Fan mit Pyrotechnik in Leverkusen

Eintracht-Fan mit Pyrotechnik in Leverkusen  |  © Marius Becker/picture alliance/dpa

Das Statement auf der Internetseite der Ultras Frankfurt ist knapp und schlicht. Da die "allgemeine Einstellung zu Pyrotechnik" der Gruppe bekannt sei, wolle man auf langwierige Ausführungen verzichten. "Wir möchten aber alle Eintrachtfans darüber informieren, dass das Zünden von Böllern, das Schmeißen von Bengalos und das Abschießen von Leuchtspur, insbesondere auch noch auf Spieler, nicht unsere Unterstützung findet", endet die Erklärung. Am Samstag, als Frankfurter Fans im Bundesligaspiel in Leverkusen Feuerwerkskörper durchs Stadion schossen und aufs Spielfeld warfen, sah das noch anders aus: Viele der Zuschauer im Eintracht-Block hinter der großen "Ultras"-Fahne schienen sich am Spektakel zu erfreuen, auch als das Spiel für sieben Minuten unterbrochen werden musste. Dem Aufsteiger droht nun eine harte Strafe – und den Urhebern der Pyro-Aktion einiger Gegenwind in der eigenen Fanszene.

Im offiziellen Eintracht-Internetforum erstellte ein User am Samstagnachmittag kurz nach der Aktion im Leverkusener Stadion ein Thema mit dem Titel "Die Bengalo-Zündler in unserem Block kotzen mich an!", bis Montagabend gab es fast 2000 Kommentare dazu. Nicht wenige der Schreiber richten sich dabei gegen die Unruhestifter und werfen ihnen vor, dem Verein Schaden zuzufügen. "Wir begrüßen, dass es viele Fans gibt, die die Vorfälle in Leverkusen ablehnen, auch viele Ultras", sagte ein Klubsprecher dem Berliner Tagesspiegel. "Wir haben versucht, einen Dialog mit allen Fans zu führen, aber erreichen offensichtlich nicht alle. Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir an diese Leute herankommen."

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Laut Michael Gabriel, dem Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte, kann Eintracht Frankfurt das Problem mit immer wieder negativ auffallenden Teilen der Anhängerschaft nicht alleine lösen. "Der Verein braucht die Unterstützung der Fans", sagt der Fanexperte. "In den letzten Jahren haben sich Eintracht-Fans abseits der Ultras aber zu selten zu Wort gemeldet." Für Gabriel gab es keinen erkennbaren Grund für die Pyrotechnik-Exzesse in Leverkusen. "Ich vermute, dass es einen internen Anlass gegeben hat, der nichts mit der aktuellen Diskussion im deutschen Fußball oder dem laufenden Spiel zu tun hatte", sagt Gabriel. "Da stehen eigene Interessen im Vordergrund – und nicht die des Vereins oder der Fanszene als Ganzem."

Genau diese Geisteshaltung wird Ultra-Fans nicht nur in Frankfurt vorgeworfen. Vielerorts haben sich Ultrafans weit von der Masse der Stadiongänger entfernt. Inzwischen scheint sich eine zaghafte Gegenbewegung zu organisieren: Als Schalker Ultras im November im Heimspiel gegen die Frankfurter Bengalische Feuer zündeten, wurden sie dafür von einem Großteil der übrigen Zuschauer ausgepfiffen. "Die Ultras brauchen die Bestätigung der restlichen Fanszene. Wenn sie die zu verlieren drohen, steigt die Chance, dass sie sich respektvoller und vorsichtiger verhalten", sagt Gabriel. "Ich bin überzeugt, dass sich die Situation auch in Frankfurt zum Konstruktiv-Positiven wenden kann."

Oft wiegt allerdings die Solidarität und das Wir-Gefühl in einer Fanszene schwerer als die Abneigung gegen einzelne Krawallmacher, besonders bei Auswärtsspielen. Von einer Selbstreinigung scheint die Szene in Frankfurt bei aller Kritik im Internet allerdings noch weit entfernt, zu groß ist die Begeisterung für Pyrotechnik und den zweifelhaften Ruhm als selbst ernannter "Randalemeister". Michael Gabriel wertet das Feuerwerk vom vergangenen Sonnabend auch nicht als Alleingang einer kleinen Schar Unverbesserlicher: "Es greift zu kurz, wenn man das auf 15 bis 20 Leute reduziert, das Problem ist größer. Bei den Ultras Frankfurt finden viel zu viele solche Aktionen gut."

Leserkommentare
    • naja8
    • 22. Januar 2013 11:34 Uhr

    Gewalt liegt nicht nur vor, wenn jemand geschlagen oder getreten wird! Durch die über 2000 Grad heißen Bengalos können andere Fans schwere Verbrennungen erleiden. Und selbst wenn dies durch viel Glück nicht passiert, so atmen doch zahlreiche andere Menschen die extrem giftigen Dämpfe ein (übrigens auch bei Rauchbomben). Das stellt eine Körperverletzung dar, auch wenn man nicht sofort zusammenbricht oder blutet.
    Wir reden hier von Straftaten.

    Im übrigen ist es Quatsch, immer von DEN FANS zu sprechen oder andererseits bei Ausschreitungen zu betonen, die Gewalttäter sind KEINE FANS. Natürlich sind das auch Fans.
    Aber es gibt nicht DIE FANS.
    Gerade bei Ultra-Statements wird gerne berichtet, was die Meinung DER FANS wäre. Die Ultras hätten das vielleicht gerne, aber sie stehen nicht für alle Fans!!!
    Gerade bei der Diskussion um das Sicherheitspapier war das extrem auffällig, und es wurde deutlich, dass viele keine Ahnung hatten was eigentlich Inhalt des Papieres ist.

    Ich gehe vielleicht nicht zu jedem Spiel, aber bin ich nicht trotzdem auch Fan? Habe ich nicht das Recht meine Meinung zu sagen? Und die ist: Stimmung gibts auch ohne Pyrotechnik! Die Ultras sollten sich nicht so wichtig nehmen und so tun, als gäbe es ohne sie gar keine Stimmung mehr! EINIGE Ultras machen mit ihrem Verhalten mehr kaputt als sie glauben. Viele feiern oft eher sich selbst als die Spieler. Fussball ist nur ein Spiel!
    Ich spreche da mit Sicherheit nicht für alle Fans, aber ich denke doch für einige!!!

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    • lxththf
    • 22. Januar 2013 12:41 Uhr

    nur möchte ich darauf verweisen, dass es z.B. an Silvester auch niemanden interessiert und auch kein Faß aufgemacht wird, sowohl wegen Bengalos, wie auch anderweitigen Feuerwerk. Das erscheint mir immer ein wenig Doppelmoralistisch. Im Übrigen gibt es Länder und Ligen, in denen das ohne Probleme unter Auflagen (Sicherheit ist wichtig) durchgeführt werden kann. Norwegen oder Dänemark, ich kann es aber nicht genau sagen, seien genannt. Die Pyrodebatte ist ein ausgesprochen modernes Phänomen, denn als z.B. Lautern 98 Meister wurde, brannten bei jedem Heimspiel Fackeln. Auch bei anderen Klubs. Und auch damals waren die Fackeln heiß und nicht löschbar.
    Im Bezug auf die Fans. Ja, die Ultras (ich pauschalisiere kurz) nehmen sich extrem wichtig und genau das macht sie auch etwas unsympathisch, aber wie war denn die Stimmung z.B. in München? Langweilig. Dortmund ohne Süd? Langweilig und das kann man beliebig so fortführen. Die Geraden in den Stadien müssen permanent animiert werden. Das macht sie nicht zu besseren oder schlechteren Fans, denn am Ende leiden alle mit ihrem Verein, ob Fan, ob Ultra, oder derjenige, der alle paar Wochen ein Spiel im Fernsehen sieht, aber Stimmung in den Stadien ist auch wichtig.
    Leider wird viel zu wenig über gute initiativen Seitens der Ultras berichtet.
    Die Schweigeaktion hat gezeigt, wie ein Stadionbesuch ohne Ultras wäre und darum sollte man sich genau überlegen, ob man sich das wünscht.

    von "die Ultras" spricht, aber einzelne Störenfriede/Gewalttäter meint und gleichzeitig anprangert das von "den Fans" gesprochen wird, wenn man z. B. "die Ultras" meint, ist das in meinen Augen recht vielsagend;-)

    • bowie
    • 22. Januar 2013 11:12 Uhr

    Was ich nicht verstehe ist die andauernde Gleichsetzung von Pyrotechnik und "Fußballgewalt" - sogar in der Tageschau.

    Fußballfans werden teilweise wie Aussätzige und Schwerverbrecher behandelt. Sippen- und Beugehaft sind usus.

    Schade, dass die ZEIT auf den Zug der Ahnungslosen aufspringt, die ein Sicherheitslevel fordern, der im Alltag nirgendwo sonst gegeben ist.

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    • naja8
    • 22. Januar 2013 11:34 Uhr

    Gewalt liegt nicht nur vor, wenn jemand geschlagen oder getreten wird! Durch die über 2000 Grad heißen Bengalos können andere Fans schwere Verbrennungen erleiden. Und selbst wenn dies durch viel Glück nicht passiert, so atmen doch zahlreiche andere Menschen die extrem giftigen Dämpfe ein (übrigens auch bei Rauchbomben). Das stellt eine Körperverletzung dar, auch wenn man nicht sofort zusammenbricht oder blutet.
    Wir reden hier von Straftaten.

    Im übrigen ist es Quatsch, immer von DEN FANS zu sprechen oder andererseits bei Ausschreitungen zu betonen, die Gewalttäter sind KEINE FANS. Natürlich sind das auch Fans.
    Aber es gibt nicht DIE FANS.
    Gerade bei Ultra-Statements wird gerne berichtet, was die Meinung DER FANS wäre. Die Ultras hätten das vielleicht gerne, aber sie stehen nicht für alle Fans!!!
    Gerade bei der Diskussion um das Sicherheitspapier war das extrem auffällig, und es wurde deutlich, dass viele keine Ahnung hatten was eigentlich Inhalt des Papieres ist.

    Ich gehe vielleicht nicht zu jedem Spiel, aber bin ich nicht trotzdem auch Fan? Habe ich nicht das Recht meine Meinung zu sagen? Und die ist: Stimmung gibts auch ohne Pyrotechnik! Die Ultras sollten sich nicht so wichtig nehmen und so tun, als gäbe es ohne sie gar keine Stimmung mehr! EINIGE Ultras machen mit ihrem Verhalten mehr kaputt als sie glauben. Viele feiern oft eher sich selbst als die Spieler. Fussball ist nur ein Spiel!
    Ich spreche da mit Sicherheit nicht für alle Fans, aber ich denke doch für einige!!!

    Wenn man die giftigen Dämpfe eines bengalischen Feuers einatmen muss und darüber hinaus noch der Gefahr ausgesetzt wird, dass ein geworfenes „Bengalo“ inmitten von Menschen landet und diesen möglicherweise schwerste Verbrennungen zufügt, dann ist das für mich Gewalt.

    Ich wundere mich etwas über die sich reflexartig entladenden Erklärungsversuche, man dürfe Gewalt und Bengalos abrennen nicht in einen Topf werfen.

    Offensichtlich lassen sich Begalos ja immer wieder als Wurfgeschosse missbrauchen, sodass sie in Großveranstaltungen niemals legalisiert werden dürfen. Aus ähnlichem Grunde gibt es Bier auch nur noch in Plastikbechern.

    Natürlich ist es schade, dass gewisse Personen damit den Maßstab im negativen Sinne für alle anderen setzen. Dennoch bin ich grundsätzlich gegen Pyrotechnik, weil es bei Mißbrauch einfach zu viel Gewalt- und Verletzungspotential birgt. Der Silvestervergleich hinkt leider auch hinten und vorne, da im Stadion erst einmal nur Fußball geschaut wird. Für etwas anderes kauft man keine Karte. Wer zu Silvester auf der Straße rumrennt, lässt sich willens auf das Abrennen von Feuerwerk ein(für dass es ebenfalls gesetzliche Bestimmungen gibt, die aber wohl selten eingehalten werden) Für einen Stadionbesuch gilt das aus gutem Grunde nicht.

    Den Artikel finde ich insgesamt ausgewogen. Die in Kommentaren bemängelte Indifferenz in der Wahrnehmung der "Ultra" - Szene greift der Artikel sehr gut auf, indem thematisiert wird, dass sich das Ultra Lager selber klarer Abgrenzen sollte von derartigen Feuerwerkern. Vielleicht würde dann auch nicht immer nur von "den Ultras" die Rede sein, wenn mal wieder Rauchschwaden durchs Stadion ziehen und Spiele unterbrochen werden.

    Aber Frankfurt geht zum Beispiel garnicht. Wenn die in einen Fremden Bahnhof einfallen, dann werden nicht nur sie abgeschottet, sondern JEDER Bahnkunde, der dummerweise gerade dort am Bahnhof ist wird in seienr Freiheit in Mitleidenschaft gezogen, weil er umwege in Kauf nehmen muss etc.

    Das sind keine Fans mehr in meinen Augen, das sind schlicht assoziale Selstdarsteller!

    Und da kommen wir zum Kollektiv, normalerweise sollte es der großen Gruppe der echten Fans ein leichtes sein diese Idioten aus den Blöcken raus zu bekommen. Da ist immer genug Polizei und Security samt Ordner. Einfach aufräumen. Denunzieren!! Und gut ist. Aber nein, es wird die Klappe gehalten und nix gemacht. Und genau deshalb sind Kollektivstrafen richtig in meinen Augen, der wenn nix macht, der macht auch nix dagegen. Und ist dadurch mit schuld an der Misere.

  1. 10. Mythos

    Da scheinen ja einige wahnsinnige Angst zu haben, ein Stadion zu betreten, bei all der Gewalt.

    Dabei ist ein Stadionbesuch sicherer als ein Spaziergang durch die Stadt. 1,8 Verletzte pro Spieltag in deutschen Stadien hat die ZIS-Studie ergeben (1. und 2. Liga, nationale und internationale Pokalwettbewerbe). 1,8 Verletzte pro Spieltag! Und leider werden wir so schnell nicht erfahren, wie die Zahl aussähe ohne überzogenen Pfeffersprayeinsatz der Polizei.

    Und ja, ich weiß: es ist nur noch eine Frage der Zeit bis jemand mal ein Kind anzündet (wo hab ich das bloß schonmal gesehen?)...

    Weniger Hysterie wäre angebracht.

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    Mit Ihrer erwähnten Studie haben sie völlig Recht. Wenn man überlegt wie viele Verletzte es (ich glaube es war 2011 oder 2012) bei der Pfefferaktion in Hannover : FC Bayern gab, wo auf VERDACHT auf Pyro der Block halt einfach mal unter Pfefferbeschuss geraten ist (ich glaube es waren 400 Verletzte will mich aber nicht festlegen).

    Das ist die andere Seite der Medaille...die aber leider niemanden interessiert.

    • CoMiMo
    • 22. Januar 2013 15:02 Uhr

    [...]Und ja, ich weiß: es ist nur noch eine Frage der Zeit bis jemand mal ein Kind anzündet (wo hab ich das bloß schonmal gesehen?)...[...]

    Angezündet nicht, aber aus dem Leib geprügelt haben die Fußballfans schon mindestens eines. Und die damals junge Frau ist beglückt darüber, dass sie seitdem keine Kinde mehr bekommen kann.

    Herzlichen Glückwunsch Fußballfans!
    Widerwärtiges Gesocks!

    Wie witzig, dass sich die Ultraszene immer darauf beruft. Als ob die Polizisten ein persönliches Interesse daran hätten, sich jede Woche zu prügeln.

    Im Übrigen verstößt Pyrotechnik gegen ein Verbot und wer sich Verboten nicht fügt, muss halt die Konsequenzen tragen. Man könnte sich ja auch politisch dagegen wehren, aber auf die Idee kommt irgendwie kein Ultra.

    • lxththf
    • 22. Januar 2013 11:17 Uhr

    denn wie im Artikel selbst geschrieben wird, gibt es nicht "die Ultras". Das größte Problem der Vereine, des DFB und der Medien ist, dass genau dieser Begriff zu wenig differenziert wird und man genau darum nicht immer die richtigen Stellschrauben findet. H.Bruchhagen spricht es an. Zum Teil sind diese Ultras eine Jugendbewegung, 16,17,18Jährige, die sich beweisen wollen,anders sein wollen etc. und da muss man vielleicht auch z.B. als Stadt hinterfragen, läuft denn alles richtig an unseren Schulen. Ein anderer Teil sind alteingesessene Ultras, die ihren Verein einfach unterstützen möchten.
    Jemand auf Schalke hat es schön zusammengefasst, nach den Ultras Raus Rufen. Jahrelang unterstützten viele Ultragruppen ihren Verein mit Choreos, Bengalos waren früher erlaubt und Gang und Gebe, Plakaten, Auswärtsreisen, Gesängen usw. An das alles haben wir uns nicht nur gewöhnt, wir feiern es auch medial "die tollen Dortmundfans, und die Superschalkefans und die besten findet man eh in Kaiserslautern, und erst die St. Paulianer". Man feiert da aber nicht "die Fans" sondern schlicht die Stimmungsmacher und die sitzen in den Kurven und nennen sich Ultras und es ist extrem bitter, dass immer wieder einige wenige, die breite Masse in Verruf bringen.
    Ganz wichtig wäre es,wirklich eine differenzierte Übersicht über die einzelnen Ultragruppen und Bewegungen zu haben, denn solange es bei der friedlichen Unterstützung im Rahmen der Gesetze bleibt sind sie ein wichtiger Bestandteil der Stadionkultur

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  2. Wenn man die giftigen Dämpfe eines bengalischen Feuers einatmen muss und darüber hinaus noch der Gefahr ausgesetzt wird, dass ein geworfenes „Bengalo“ inmitten von Menschen landet und diesen möglicherweise schwerste Verbrennungen zufügt, dann ist das für mich Gewalt.

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    Antwort auf "Pyrotechnik = Gewalt?"
    • bowie
    • 22. Januar 2013 12:31 Uhr

    Ich bin überzeugt davon, die Verletzten durch Pyrotechnik lassen sich an einer Hand abzählen - ganz im Gegensatz zu den Verletzten durch unverhältnismäßige Polizeigewalt bei Spielen.

    Was hinzukommt: Wäre Pyrotechnik nicht verboten, müsste man das auch nicht im dichtesten Gedränge heimlich zünden. Sicherheit wäre gegeben. siehe u.a. hier: http://www.pyrotechnik-le...

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    genau so darf man z.B. auch nicht bei roter Ampel über eine Kreuzung fahren.

    Nur weil dies verboten ist, verhalten Sie sich aus Trotz ja nicht anders.

    Auch wenn es bestimmt recht interessant anzuschauen wäre, wie sich Verkehrsteilnehmer vorsichtig an eine Kreuzung rantasten, und diese bei Nichtgefährdung eines anderen Verkehrsteilnehmers trotz Rot freudestrahlend überqueren, wenn dieses Verhalten toleriert werden würde.

    Also ich finde, dass diese Gängelung deutscher Verkehrsteilnehmer sofort ein Ende finden sollte, und fordere hiermit alle Ultras auf entsprechende Abwehrmaßnahmen zu ergreifen, um uns normale Bürger von dieser Fessel zu befreien.

    • bonner
    • 22. Januar 2013 15:06 Uhr

    Was soll das? Wollen Sie ein Fußballspiel sehen oder sich selbst belustigen?

    Wenn Sie unbedingt Bengalos werfen wollen, warum tun Sie das nicht zu Hause im Garten? Mag sein, Ihre Nachbarn finden Sie dann ganz toll...das wollen Sie doch, oder?

  3. ...wieso Medien und auch jeder der sonst so als NICHT-Ultra über das Thema redet, immer so tut als seien das Tiere, die nichts anderes wollen außer Stress und nen Stadion abfackeln. Ich bin selbst KEIN Ultra, gehe nichtmal wirklich oft in ein Stadion (mir sind die Preise viel zu teuer und ich lasse mich ungerne behandeln wie nen Schwerverbrecher und beobachten wie in nem Hochsicherheitstrakt)...finde persönlich Bengalos ein super Stimmungsmacher und sieht einfach klasse aus. JA es ist gefährlich, aber es gibt xfach soviele Verletzte pro Saison durch Pfefferspray welches oft falsch oder unverhältnissmäßig eingesetzt wird....darüber spricht aber kaum einer...außerdem wirken die Knüppeljungs der Polizei auch alles andere als deeskalierend...und ich betone erneut ich bin KEIN Ultra...nichtmal regelmäßiger Stadiongänger.

    Ich habe letztens noch alte Bundesligaspiele geschaut (10 Jahre alte Spiele ca.) und da wurden Bengalos angezündet...es hat weder der Kommentator noch die anderen Zuschauer irgendwas gesagt oder gepfiffen. Seit gewisse Medien das Thema so hochpushen sind die Jungs, ohne die mal ganz nebenbei erwähnt keine Stimmung in nem Stadion wäre, die übelsten Gewaltverbrecher.

    Ich hatte bisher bei meinen (wenn auch in geringer Anzahl) Stadionbesuchen, jedenfalls nie Angst in einem Stadion...unangenehm war nur die Behandlung der Sicherheitsleute (auch nicht immer, aber das ist so das einzig negative woran ich mich errinern kann)

    Grüße

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  4. Freier Autor

    Auch ich muss Ihnen da widersprechen. Zumindest, was das Verhalten der Ultras und der Zuschauer in Frankfurt betrifft, und nur das kann ich über einen Zeitraum von ca. 20 Jahren beurteilen. Dieses Verhalten hat sich gravierend verändert, weg von einer auf die Situation hin angepassten Reaktionen, wie sie früher völlig normal war, hin zu einem Dauergesang, der unabhängig davon da ist, ob jetzt der Gegner gerade einen Eckstoß hat oder die eigene Mannschaft. Darüber hinausgehende Reaktionen haben zumeist etwas mit dem Schiedsrichter zu tun. Und das nervt ungemein. Und deswegen auch unterscheide ich streng die Ultras und die Fans in den Kurven. Das ist nicht dasselbe. Die Ultras feiern, und das ist mit Sicherheit auch zu einem großen Teil denjenigen zuzuschreiben, die sie ausgrenzen, sich selbst permanent als die wahren Fans. All diese Choreografien und Gesänge empfinde ich nicht in erster Linie als Anfeuerung, sondern als narzisstische Gesten. Und es sind natürlich auch Machtgesten. Kurz: Wenn ich in der Commerzbankarena in diesem dauergutgelaunten Lärm sitze, wünsche ich mir oft das zugige, weite, unüberdachte Waldstadion mit seinen unkomfortablen Stehrängen zurück, in dem man einfach nur Fußball gucken durfte und nicht Teil eines Events war.

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    Antwort auf "Zu ihrem 1. Punkt"
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    • lxththf
    • 22. Januar 2013 15:10 Uhr

    Sie bestätigen die These. Die Stimmung kommt aus den Kurven und da muss man nochmal unterscheiden zwischen Ultras und der Kurve als solche (vielleicht habe ich das nicht deutlich genug zum Ausdruck gebracht, aber genau das ist das Problem, der oft mangelnden Differenzierung).

    Ich finde, dass wir uns die Sache viel zu einfach machen, gerade mit dem SingSang. Vor 2006 war das anders, dann kam die WM, es kam der Hype, es kam das Event und nun beschweren wir uns? Medial werden Spiele als Event vermarktet (erinnert sei an das "Finale Dahoam") und dass sich Gruppen bilden, die in dieser Entwicklung die Möglichkeit sehen, sich zu profilieren ist dann nicht verwunderlich, sondern nur die logische Konsequenz. Ultras sind auch eine Folge der Kommerzialisierung des Fußballs und wir alle tragen auf unterschiedliche Art dazu bei.

    Dann gibt es jedoch auch Vereine, in denen Ultras immer mehr Mitspracherecht fordern und allein da werden Grenzen überschritten. Erinnert sei nochmals an München und die "Koan Neuer, Mia ham Kraft" Kampagne. Es gibt weitere ähnliche Beispiele (Dresden wurde genannt, Leipzig ebenso und viele andere).

    Und dann bleibt noch immer der Gesellschaftliche Kontext, die Jugendbewegung, provozieren, die "älteren" schockieren, angeben, prahlen, Testosteronüberschuss und blutleere im Hirn. Es gibt viel zu viel, was man dabei bedenken muss, als dass man es nur auf "die Ultras versauen die Stimmung" herunterbrechen kann. Damit macht man es sich viel zu einfach...

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