Das Statement auf der Internetseite der Ultras Frankfurt ist knapp und schlicht. Da die "allgemeine Einstellung zu Pyrotechnik" der Gruppe bekannt sei, wolle man auf langwierige Ausführungen verzichten. "Wir möchten aber alle Eintrachtfans darüber informieren, dass das Zünden von Böllern, das Schmeißen von Bengalos und das Abschießen von Leuchtspur, insbesondere auch noch auf Spieler, nicht unsere Unterstützung findet", endet die Erklärung. Am Samstag, als Frankfurter Fans im Bundesligaspiel in Leverkusen Feuerwerkskörper durchs Stadion schossen und aufs Spielfeld warfen, sah das noch anders aus: Viele der Zuschauer im Eintracht-Block hinter der großen "Ultras"-Fahne schienen sich am Spektakel zu erfreuen, auch als das Spiel für sieben Minuten unterbrochen werden musste. Dem Aufsteiger droht nun eine harte Strafe – und den Urhebern der Pyro-Aktion einiger Gegenwind in der eigenen Fanszene.

Im offiziellen Eintracht-Internetforum erstellte ein User am Samstagnachmittag kurz nach der Aktion im Leverkusener Stadion ein Thema mit dem Titel "Die Bengalo-Zündler in unserem Block kotzen mich an!", bis Montagabend gab es fast 2000 Kommentare dazu. Nicht wenige der Schreiber richten sich dabei gegen die Unruhestifter und werfen ihnen vor, dem Verein Schaden zuzufügen. "Wir begrüßen, dass es viele Fans gibt, die die Vorfälle in Leverkusen ablehnen, auch viele Ultras", sagte ein Klubsprecher dem Berliner Tagesspiegel. "Wir haben versucht, einen Dialog mit allen Fans zu führen, aber erreichen offensichtlich nicht alle. Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir an diese Leute herankommen."

Laut Michael Gabriel, dem Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte, kann Eintracht Frankfurt das Problem mit immer wieder negativ auffallenden Teilen der Anhängerschaft nicht alleine lösen. "Der Verein braucht die Unterstützung der Fans", sagt der Fanexperte. "In den letzten Jahren haben sich Eintracht-Fans abseits der Ultras aber zu selten zu Wort gemeldet." Für Gabriel gab es keinen erkennbaren Grund für die Pyrotechnik-Exzesse in Leverkusen. "Ich vermute, dass es einen internen Anlass gegeben hat, der nichts mit der aktuellen Diskussion im deutschen Fußball oder dem laufenden Spiel zu tun hatte", sagt Gabriel. "Da stehen eigene Interessen im Vordergrund – und nicht die des Vereins oder der Fanszene als Ganzem."

Genau diese Geisteshaltung wird Ultra-Fans nicht nur in Frankfurt vorgeworfen. Vielerorts haben sich Ultrafans weit von der Masse der Stadiongänger entfernt. Inzwischen scheint sich eine zaghafte Gegenbewegung zu organisieren: Als Schalker Ultras im November im Heimspiel gegen die Frankfurter Bengalische Feuer zündeten, wurden sie dafür von einem Großteil der übrigen Zuschauer ausgepfiffen. "Die Ultras brauchen die Bestätigung der restlichen Fanszene. Wenn sie die zu verlieren drohen, steigt die Chance, dass sie sich respektvoller und vorsichtiger verhalten", sagt Gabriel. "Ich bin überzeugt, dass sich die Situation auch in Frankfurt zum Konstruktiv-Positiven wenden kann."

Oft wiegt allerdings die Solidarität und das Wir-Gefühl in einer Fanszene schwerer als die Abneigung gegen einzelne Krawallmacher, besonders bei Auswärtsspielen. Von einer Selbstreinigung scheint die Szene in Frankfurt bei aller Kritik im Internet allerdings noch weit entfernt, zu groß ist die Begeisterung für Pyrotechnik und den zweifelhaften Ruhm als selbst ernannter "Randalemeister". Michael Gabriel wertet das Feuerwerk vom vergangenen Sonnabend auch nicht als Alleingang einer kleinen Schar Unverbesserlicher: "Es greift zu kurz, wenn man das auf 15 bis 20 Leute reduziert, das Problem ist größer. Bei den Ultras Frankfurt finden viel zu viele solche Aktionen gut."