Franchise-TeamsDer Namensirrsinn im US-Sport

Jazz bei den Mormonen, Lakers in der Wüste? In den USA werden komplette Mannschaften in andere Städte verkauft. Kommerz geht vor Identifikation – und Sinn. von Dominik Bardow

Kobe Bryant von den Los Angeles Lakers

Kobe Bryant von den Los Angeles Lakers  |  © Harry How/Getty Images

Es gibt eine gute Nachricht für die Basketballfans im Nordwesten der USA: Die Seattle SuperSonics sind bald wieder da. Die Mannschaft war über 40 Jahre eine feste Größe in der NBA und hierzulande in den Neunzigern beliebt dank des deutschen Profis Detlef Schrempf. 2008 siedelte die Profiliga das Team nach Oklahoma um. Die Sportinteressierten im US-Bundesstaat Washington trauerten ihrem Team fünf Jahre lang hinterher, doch nun winkt das Comeback: Die Besitzer der Sacramento Kings stimmten einem Verkauf des kalifornischen Teams an eine Investorengruppe aus Seattle zu, die die Sonics wiederbeleben will.

Die schlechte Nachricht: Die Sonics wären nicht mehr die Sonics, auch wenn sie wie geplant den alten Namen wieder annehmen. Denn die Vereinsgeschichte samt des Meistertitels 1979 sind damals mit in den Süden gezogen und gehören nun offiziell dem Nachfolgeverein Oklahoma City Thunder. So ist Schrempf, der mit den Sonics 1996 das NBA-Finale erreichte, Nummer 14 in der ewigen Punkterangliste der Thunder, obwohl er nie in Oklahoma spielte.

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Solche Absurditäten gehören zu den Eigenheiten des nordamerikanischen Franchisesystems, das aus europäischer Sicht nur schwer zu verstehen ist. In den großen Sportligen im Basketball, Eishockey, Baseball und American Football gehören die Teams Eigentümern und Unternehmen. Sie sind Lizenznehmer der Liga, etwa so wie bei einer Filiale einer Fastfoodkette. Jeder Franchisenehmer bekommt das Exklusivrecht, ein Team in seiner Region anzubieten, das sie auch weiterverkaufen können. Auf- und Abstiege gibt es nicht, dafür müssen schon mal Teams umziehen oder die Liga verlassen, wenn der Standort wirtschaftlich nicht mehr rentabel ist. Sinken die Zuschauerzahlen und TV-Einschaltquoten, müssen Fans um den Fortbestand ihres Teams bangen, als ginge es um den Klassenerhalt. Und zieht ein Team weg, hoffen sie auf eine Neugründung wie auf einen Aufstieg. Kommerz geht eben vor Identifikation.

Die Kings waren schon in Rochester, Cincinnati, Kansas City...

Oft geht es dabei auch um Streitereien zwischen Kommunen und Klubs um die Finanzierung neuer Spielstätten, wie sie auch in Europa bekannt sind. In Seattle wollte der Bundesstaat nicht den Umbau der Basketball-Arena finanzieren, also verkauften die Eigentümer das Team an Geschäftsleute aus Oklahoma. Ein ähnliches Problem haben nun die Sacramento Kings: Ihre Halle ist mit 17.317 Plätzen die kleinste der Liga und renovierungsbedürftig, aber in der 450.000-Einwohnerstadt sind private und öffentliche Geldgeber kaum zu finden. Einen Umzug nach Anaheim in den Speckgürtel von Los Angeles konnte man noch verhindern, die Verlegung nach Seattle wohl nicht mehr. Die Kings haben Erfahrung mit Umzügen: In ihrer fast 60-jährigen Geschichte durchliefen sie Stationen in Rochester, Cincinnati, Kansas City und eben Sacramento. Wie viele Vereine wanderten sie im Laufe der Jahrzehnte von Osten nach Westen, als neue Flugverbindungen weitere Distanzen zwischen Spielorten erlaubten.

Dabei werden Teams nicht immer umbenannt, sondern nehmen oft ihre Teamnamen mit auf Reisen, auch wenn er im neuen Ort nicht mehr viel Sinn ergibt. Die Los Angeles Lakers etwa waren bis 1960 in Minneapolis ansässig. Im Bundesstaat Minnesota, dem Land der 10.000 Seen (englisch: Lakes) ergab der Name Lakers noch Sinn, nach dem Umzug ins staubtrockene Los Angeles eher weniger.

Leserkommentare
  1. So einfach ist das mit dem kommerzialisierten US-Sport aber auch nicht. Im Gegensatz zu Europa kann man im US-Basketball nämlich auf Dauer keine Titel kaufen - dafür sorgt einerseits das Draftsystem, das den schwächsten Teams die besten Talente beschert, und andererseits die Deckelung der Gehälter, die dafür sorgt, dass sich nicht eine Handvoll Teams alle Superstars sichern.
    Das sorgt für viel mehr Qualitätsrotation, und kann dafür sorgen, dass ein schwaches Team ganz plötzlich stark ist - wie vor ein paar Jahren die Celtics nach der Verpflichtung von Garnett - oder ein starkes plötzlich schwach - wie damals die Bulls, als Jordan, Pippen und Rodman in kürzester Zeit aufhörten. Danach gabs ein paar miese Jahre, dann gings wieder aufwärts. Genauso wird es den Celtics bald ergehen.

    Außerdem zeigen die Beispiele des Mavericks-Titels, bei dem diese nur einen ganz großen Star hatten, (Nowitzki) vor ein paar Jahren und der momentane Misserfolg der Lakers trotz 2 ganz Großen (Kobe Bryant und Dwight Howard), dass Taktik und Mannschaftsspiel auch in der NBA entscheidend sein können.

    Das wirkt einerseits willkürlich, aber andererseits wirkt es dem Der-Teufel-macht-immer-auf-den-dicksten-Haufen-Prinzip entgegen, das sich so wunderbar im europäischen Fußball zeigt.

    5 Leserempfehlungen
    • Moika
    • 30. Januar 2013 17:21 Uhr

    Das sind - oder besser - so sind eben die USA. Da geht es ums Geld, ums große Geld. In diesem Umfeld zu verursuchen, irgendwo Ethik und Moral zu verorten, ist gleichsam sinnlos.

    Wenn nicht einmal fortgesetzte Massaker an Kindern und Jugendlichen eine dafür mitverantwortliche Industrie zum Nachdenken und einhalten stimmen kann - kann es der Sport bestimmt nicht.

    Eine Leserempfehlung
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    So einfach ist das mit dem kommerzialisierten US-Sport aber auch nicht. Im Gegensatz zu Europa kann man im US-Basketball nämlich auf Dauer keine Titel kaufen - dafür sorgt einerseits das Draftsystem, das den schwächsten Teams die besten Talente beschert, und andererseits die Deckelung der Gehälter, die dafür sorgt, dass sich nicht eine Handvoll Teams alle Superstars sichern.
    Das sorgt für viel mehr Qualitätsrotation, und kann dafür sorgen, dass ein schwaches Team ganz plötzlich stark ist - wie vor ein paar Jahren die Celtics nach der Verpflichtung von Garnett - oder ein starkes plötzlich schwach - wie damals die Bulls, als Jordan, Pippen und Rodman in kürzester Zeit aufhörten. Danach gabs ein paar miese Jahre, dann gings wieder aufwärts. Genauso wird es den Celtics bald ergehen.

    Außerdem zeigen die Beispiele des Mavericks-Titels, bei dem diese nur einen ganz großen Star hatten, (Nowitzki) vor ein paar Jahren und der momentane Misserfolg der Lakers trotz 2 ganz Großen (Kobe Bryant und Dwight Howard), dass Taktik und Mannschaftsspiel auch in der NBA entscheidend sein können.

    Das wirkt einerseits willkürlich, aber andererseits wirkt es dem Der-Teufel-macht-immer-auf-den-dicksten-Haufen-Prinzip entgegen, das sich so wunderbar im europäischen Fußball zeigt.

    Der Grund ist vielmehr die Kommerzialisierung. Wenn in Europa Teams als Franchise-Partner , also auf Deutsch als Unternehmen ohne "soziale Verwurzelung", antreten würden und nicht als Vereine mit zusätzlichem Breitensport-Auftrag, dann sähe das hier genauso aus.
    Denn was hält z.B. deutsche Vereine am Ort? Die Verankerung im Breitensport, auf dessen Basis der Spitzensport überhaupt erst entstanden ist, wohingegen er in Amerika quasi auf dem Reißbrett unternehmerischer Ideen aufgebaut wurde.

  2. 3. NBA...

    Und gleich kommt wieder jemand, der von amerikanischem Albtraum, fehlender Ethik und Moral daherredet.
    Jeder Anlass ist anscheinend billig genug, um auf den USA herumzuhacken.

    Das was jetzt passiert, kommt immer mal wieder vor. Die Eigentuemer der Kings sind knapp bei Kasse und wollen das Team verkaufen. In Seattle gibt es eine Gruppe von Leuten, die Geld fuer eine Arena zusammenbekommen haben und gern wieder ein Team in die Stadt holen moechten. So entsteht dieses Namens-Durcheinander.
    Klar wird in der NBA mit viel Geld um sich geworfen. Wem das alles nicht passt, kann sich immer noch College-Basketball anschauen. Oder die deutsche BBL. Basketball in diesen Ligen ist aber fuer mich genauso spannend wie Eisstockschiessen...

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  3. ... für fast 100 Millionen Euro nach Madrid wechselt und Ibrakadabra in Paris 11 Mio. pro Jahr ohne Werbeeinnahmen verdient, geht´s im biederen Fussball-Europa nicht ums große Geld oder was? In der NBA gibt es wenigstens den Salary-Cap.

    Hochgradig undifferenziert dieser Artikel, plumpes USA-Bashing!

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