Sobald es klick-klack macht und ich in der Bindung meiner Ski stecke, kommt dieses Gefühl: Ich bin frei! Ich bin draußen, an der frischen Luft, habe meistens einen wunderschönen Ausblick auf die Umgebung und freue mich, einen Berg runterfahren zu dürfen.

Mein Antrieb ist, die Schnellste zu sein. Mich reizt die Geschwindigkeit. Das war schon früher so, als ich drei Jahre alt war und das erste Mal auf Skiern stand, auf dem Hirschberg, unserem Hausberg in der Nähe von Kreuth. Ich weiß aus den Erzählungen von Oma und Opa, dass ich den Berg eigentlich von Anfang an immer nur gerade heruntergefahren bin. Ich bin wohl direkt auf den Parkplatz zugefahren, wo die ganzen Autos standen. Mein Opa hat mich dann immer noch aufgefangen. Ich war immer furchtbar sauer auf ihn, weil ich richtig Fahrt aufgenommen hatte und es so schön war.

Früher, bei meinen ersten richtigen Abfahrtsläufen hatte ich das ein oder andere Mal Angst. Aber wenn man ganz vorne mitfahren will, ist Angst hinderlich. Mittlerweile habe ich eine gewisse Routine und kenne die Strecken.

Wenn ich heute oben im Starterhaus stehe, denke ich an meine Skitechnik. Natürlich muss man körperlich gut drauf sein, aber am Ende werden die Rennen im Kopf entschieden. Es geht darum, sich nicht so viele Gedanken zu machen, sich nicht von irgendwelchen Nebensächlichkeiten ablenken zu lassen. Man muss auf den Punkt da sein, auch wenn alle Leute zuschauen und das Adrenalin im Körper ist. Genau in diesem Moment muss man seine Trainingsleistungen umsetzen oder noch einen draufsetzen, das macht einen guten Rennfahrer aus. Trainingsweltmeister gibt es in jeder Sportart.

Während des Rennens kann man nie so genau sagen, ob man nun schnell oder langsam unterwegs ist. Das sieht man erst im Auslauf beim Blick auf die Anzeigetafel. Es hat schon Läufe gegeben, da habe ich auf der Piste gedacht: Um Gottes Willen, war das schlecht! Und am Ende war ich doch vorne mit dabei. Umgekehrt genauso. Es bleibt immer eine Ungewissheit. Und manchmal ist man im Ziel völlig überrascht.

Eigentlich mag ich alle alpinen Disziplinen. Es gibt coole Abfahrten und wenn es im Slalom bei mir mal passt, habe ich auch dort gute Tage. Ich persönlich mag Riesenslalom am liebsten. Nicht nur, weil ich dort bisher am erfolgreichsten war. Es ist die schönste, reizvollste und dynamischste aller Disziplinen. Dadurch, dass die Abstände zwischen den Toren relativ klein und die Radien eng sind, wirken während eines Schwungs sehr hohe Kräfte auf einen. Da braucht man gutes Timing, muss den Schwung im richtigen Moment ansetzen.

Privat gehe ich nur noch selten Ski fahren, leider. Höchstens mal um Weihnachten oder Silvester herum, mit Freunden oder der Familie. Da lasse ich es dann auch mal gemütlich angehen, kehre in eine Hütte ein, trinke einen Tee oder Kaffee. Dann ist endlich mal kein Training. Auch das kann ich genießen.

Aufgezeichnet von Christian Spiller