Brasilien 2014Zur Not wird die WM improvisiert

In 18 Monaten beginnt die WM in Brasilien. Auf den Stadienbaustellen ist davon noch nicht viel zu sehen. Die Fifa ist besorgt. von Sven Goldmann

Ein Graffiti an der Bahnstation Maracanã zeigt Fuleco, das WM-Maskottchen.

Ein Graffiti an der Bahnstation Maracanã zeigt Fuleco, das WM-Maskottchen.  |  © Christophe Simon/AFP/Getty Images

Wenn Besuch aus Deutschland kommt, erzählt Marcus Haase gern die Geschichte von Barack Obama. Wie der Präsident der USA nach Rio kam und dabei auch kurz beim Fußballklub Flamengo vorbeischaute. Er wollte gerade wieder in seinen Hubschrauber steigen, da trat die Klubpräsidentin nach vorn, schlüpfte aus einem über die offizielle Garderobe gestreiften Flamengo-Trikot und drückte es dem verblüfften Obama in die Hand: "Für Sie, Mr. President! Sie sind jetzt der neueste Flamengo-Zugang!"

Die auf ein paar Fotos festgehaltene Szene lief bei den brasilianischen Fernsehsendern rauf und runter. "In Berlin oder Washington wäre so etwas undenkbar", sagt Marcus Haase. "Sie hätten mal die Gesichter der Bodyguards sehen sollen!" Marcus Haase kennt sich aus mit den Regeln des Protokolls. Er hat bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland für das Organisationskomitee gearbeitet und vor drei Jahren sein Anwaltsbüro von Berlin nach Rio verlegt. Gerade erst hat Haase für Herthas einstigen Paradiesvogel Marcelinho die Rentenansprüche geklärt, und natürlich geht er oft zum Fußball, am liebsten zu Fluminense, dem ältesten Verein in Rio, er hat gerade zum 31. Mal die brasilianische Meisterschaft gewonnen.

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Aber genauso gern spaziert Haase am Wochenende über die Avenida Atlantica und beobachtet die Cariocas beim Futevôlei, einer brasilianischen Spielart des Beachvolleyballs, bei der der Ball mit allem, nur nicht der Hand berührt werden darf. Wer die brasilianische Hingabe zum Fußball verstehen will, kommt nicht vorbei an den zahl- und namenlosen Helden an den Stränden von Copacabana und Ipanema.

Zerbröselt durch Urin

In Rio ist Fußball nicht Religion, sondern noch ein bisschen mehr. Deswegen werden die kommenden beiden Jahre ja auch so spannend. Im Juli 2013 kommt der Papst zum Weltjugendtag und ein Jahr später der Rest der Welt zur Fußball-Weltmeisterschaft. Benedikt XVI. lädt zum Gebet an den Strand von Copacabana, wo Platz genug ist für die Jugend. Aber wohin soll ein Jahr später der Rest der Welt? Wer die Brasilianer in diesen Tagen dezent darauf hinweist, es sei doch mal an der Zeit, den Bau der Stadien für die WM auf die Reihe zu bringen, bekommt zu hören: Wird schon irgendwie gehen, ist doch noch Zeit, und zur Not improvisieren wir. Wie es die Senhora Presidente von Flamengo bei ihrem Date mit Barack Obama getan hat.

18 Monate vor dem Eröffnungsspiel in São Paulo ist noch keine der zwölf WM-Arenen komplett fertig. Die Mitte Dezember mit großem Brimborium begangene Eröffnung des Stadions von Fortaleza beschränkte sich auf einen symbolischen Anstoß der Staatspräsidentin Dilma Rousseff. Fußball ist dort bis heute nicht gespielt worden. Die in der vergangenen Woche offiziell fertig gestellte Arena in Belo Horizonte soll ab Februar bespielt werden. 

Das Maracanã in Rio de Janeiro, das berühmteste Fußballstadion der Welt, ist wie die Arena in Belo Horizonte schon fest für den Confed-Cup im Sommer 2013 eingeplant, die offizielle WM-Generalprobe. Seit gut zwei Jahren wird das zur WM 1950 errichtete Stadion umgebaut. Zerbröselt ist es unter anderem an den ungezählten Geschäften ungezählter Fans in Folge erhöhten Biergenusses in den Halbzeitpausen ungezählter Fußballspiele. Vom alten Maracanã bleibt nur die denkmalgeschützte Fassade. Eigentlich sollten die Arbeiten längst beendet sein, aber auf der Baustelle sieht es so aus, als würde es gerade erst losgehen. Allerlei Rippen fehlten im Oval, die unteren Tribünen existieren nur auf Computer-Animation, und das Dach – welches Dach?

Es baut sich nicht so leicht im Sommer von Rio. Gerade erst war ein Großteil der Stadt nach einem Energiekollaps 15 Stunden lang ohne Strom, der internationale Flughafen funktionierte zwei Stunden lang nur mit Notlicht. Im Schatten der Weihnachtsfeierlichkeiten wurde der auf den 28. Februar verschobene Eröffnungstermin für das Maracanã noch einmal verschoben – am 20. April soll alles fertig sein, großes brasilianisches Ehrenwort. Das erste Spiel findet vorsichtshalber erst am 2. Juni statt. Zur Einweihungsparty haben die Brasilianer sich die englische Nationalmannschaft eingeladen.

Leserkommentare
  1. ist zwar noch eine Baustelle - aber als ich im November 2012 dort war, hatte ich schon den Eindruck, dass dieses Stadion rechtzeitig fertig wird. Was allerdings nach meiner Beobachtung WIRKLICH ein Problem machen wird, sind die fehlenden Hotelkapazitäen in Porto Alegre. Wer die Spiele dort anschauen will, sollte sich ein Zimmer in Novo Hamburgo suchen, das mit der S-Bahn in etwa 40 Minuten erreicht werden kann.

    Antwort auf "GREMIO ARENA UND WM?"

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