Der Hamburger Amateurtrainer Dennis Mitteregger © Oliver Fritsch

Ehemalige Profis haben es noch immer leichter, ins Trainergeschäft einzusteigen. Lutz Hangartner, der Vorsitzende des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer, sagt: "Profis haben meist gute Beziehungen, die helfen beim Einstieg." Dahinter steckt auch der Glaube, dass ein Trainer mal selbst eine Ecke am Betzenberg getreten haben müsse. Sonst fehle ihm die Akzeptanz.

Dieser Glaube scheint im deutschen Fußball nach wie vor verankert zu sein. Schon beim Lizenzerwerb werden frühere Profis bevorzugt. Für die Fußballlehrer-Lizenz, die höchste Lizenz, die ein Trainer erwerben kann, vergibt der DFB pro Jahr fünfundzwanzig Plätze unter siebzig bis achtzig Bewerbungen. Bei der Aufnahmeprüfung wird, so Wilfried Wilkens, zu sehr darauf geachtet, ob einer kicken kann. Selbst bei der Amateurlizenz C ist das oft so. "Der DFB ist phlegmatisch", sagt er. "So schwer hat man es als Trainer nur in Deutschland und nur im Fußball", sagt Kohfahl. "Als Amateur Profi zu werden, ist für Trainer noch schwerer als für Spieler", sagt Mitteregger.

Zudem dauert der Erwerb einer Profilizenz, die Bedingung für einen Job ab der 3. Liga ist, ein Dreivierteljahr. Das können sich viele Berufstätige nicht leisten. Selbst formal genießen ehemalige Profis Vorteile durch den DFB: Wer mindestens sieben Jahre Vertragsspieler war, bekommt die Einstiegslizenz geschenkt. Dagegen zählt ein Sportstudium, wie es Mitteregger und Kohfahl abgeschlossen haben, nichts, obwohl es viele Elemente der DFB-Lizenz überbietet, etwa in der Trainingslehre, Anatomie oder Pädagogik.

Stipendium für Trainer

Der DFB merkt jedenfalls, dass er auf einen großen Talentpool verzichtet. Die Trainertalentsichtung auszuweiten, zählt der neue Sportdirektor Robin Dutt zu den Schwerpunkten seiner Arbeit, sagt der DFB-Ausbilder Markus Weidner: "Es gibt viele gute Trainer, die müssen wir finden." Der DFB hat zudem ein Stipendium in Höhe von 9.000 Euro für finanziell weniger privilegierte Fußballehrer-Absolventen eingeführt. Ein Anfang.

Natürlich ist es schwer zu sagen, ob ein guter Amateurtrainer auch ein guter Bundesligatrainer wird. Im Profifußball geht es auch viel ums Geschäft und um Politik, ein Trainer steht im Fokus von Fans und Medien. Aber das kann man lernen.

Viele Fußballer der aktuellen "Generation Kompetenz", die in Internaten und Förderstützpunkten groß wurden und viel früher mit moderner Methodik und Taktik konfrontiert werden, denken ohnehin in anderen Kategorien. Sie spüren: Denjenigen, die schnell vom Feld auf die Bank wechseln, fehlen oft wichtige Erfahrungen. Es braucht Übung, einer Gruppe von zwanzig Fußballern zwei Stunden Konzentration und Motivation abzufordern und dabei die eigene Autorität zu wahren. Manch Trainer aus den zwei Bundesligen wäre mit dieser Aufgabe ohne Assistenten wohl überfordert.

Dass man nicht selbst 300 Bundesligaspiele absolviert haben muss, um zu den Besten der Gilde zu zählen, belegen Christian Streich, Thomas Tuchel und Sascha Lewandowski. Auch sie hatten bis vor Kurzem keinen Namen, ihre Meriten haben sie in der Nachwuchsarbeit gesammelt. Das ist ein großer Fortschritt. Doch sind die drei intern rekrutiert, der Blick der Bundesliga bleibt also auf Freiburg, Mainz und Leverkusen beschränkt. Nicht auf dem Radar sind Standorte wie Oststeinbek und Eimsbüttel.