Arne Friedrich : "Ich möchte lieber ohne Fußball leben als ohne meinen Glauben"

Wenn Arne Friedrich das Spielfeld betritt, dankt er Gott. Im Kolumnengespräch erzählt er von gemeinsamen Gebeten der Nationalelf und warum er nicht der Superchrist ist.
Arne Friedrich © Jochen Lübke/picture alliance/dpa

ZEIT ONLINE: Herr Friedrich, gibt es einen Fußballgott?

Arne Friedrich: Es gibt wahrscheinlich viele Fußballer und Fußballfans, die das unterschreiben würden. Ich glaube nicht, dass irgendeine höhere Instanz den Ausschlag gibt. Die Mannschaft, die am härtesten trainiert, am besten vorbereitet ist und die beste Tagesform hat, hat die größte Chance zu gewinnen. Ich glaube nur an einen Gott und das ist nicht der Fußballgott.

ZEIT ONLINE: Sie sind religiös?

Friedrich: Ja, ich bezeichne mich definitiv als Christ. Ich war schon in meiner Jugend oft in der Kirche, obwohl es da immer ziemlich langweilig war. Aber irgendetwas hat mich da immer wieder hingezogen. Es hat sich im Laufe der Zeit intensiviert.

ZEIT ONLINE: Sie könnten ohne Stotterer das Vater Unser aufsagen?

Friedrich: Das könnte ich. Obwohl ich nicht weiß, ob es wirklich wichtig ist, ob man das nun auswendig kann oder nicht. Ich habe durch den Glauben einen Anker im Leben, der mir Ruhe gibt, vor allem in schwierigen Situationen. Dafür bin ich sehr dankbar. Obwohl ich weit davon entfernt bin, ein Superchrist zu sein.

ZEIT ONLINE: Superchrist?

Friedrich: Viele brüsten sich mit ihrem Glauben und denken, sie seien dadurch automatisch bessere Menschen. Das möchte ich nicht. Ich sehe nicht auf andere Leute herab, nur weil sie nicht glauben. Darum geht es nicht im Christentum. Nur weil ich Christ bin, heißt das nicht, dass ich nicht in Versuchung geführt werden kann oder mal aus meiner Haut fahre. Im Prinzip bauen wir alle Mist, ob Christ, Muslim oder was weiß ich. Es geht um die Message des Glaubens, das ist mir sehr wichtig.

ZEIT ONLINE: Der Papst hat in der vergangenen Woche seinen Rücktritt angekündigt. Berührt Sie das?

Friedrich: Nicht wirklich. Es ist natürlich ein Weltereignis, weil es viele Katholiken gibt. Ich bin aber keiner, deswegen kann ich dazu auch gar nicht so viel sagen.

ZEIT ONLINE: Beten Sie vor Fußballspielen?

Friedrich: Ja, das tue ich. Ich knie nicht nieder oder so etwas, aber wenn ich auf das Spielfeld marschiere, danke ich Gott für die Gelegenheit, dass ich Fußballspielen kann. Das ist ja auch nicht selbstverständlich. Ich bete dafür, mein Bestmögliches geben und Spaß haben zu können. Und dafür, dass alle Spieler gesund wieder vom Feld kommen. Für drei Punkte bete ich nicht.

ZEIT ONLINE: Ist das verboten?

Friedrich: Ach was, jeder kann so viel und für was auch immer beten, wie er möchte. Ich möchte auch Spiele gewinnen, aber es gibt wichtigere Dinge im Leben. Das weiß auch der liebe Gott. Außerdem: Wenn alle 22 Spieler für einen Sieg beten würden, würde er ganz schön durcheinander kommen.

ZEIT ONLINE: Miro Klose bekreuzigt sich nach seinen Toren, Jerome Boateng hat die Jungfrau Maria auf dem Unterarm tätowiert. Auch Lukas Podolski, Mario Gomez, Bastian Schweinsteiger, Per Mertesacker, Joachim Löw und Oliver Bierhoff sind religiös. Dazu kommen mit Mesut Özil und Sami Khedira noch zwei praktizierende Muslime. Und das alles in einem doch sehr säkularisierten Land. Sind Fußballer besonders religiös?

Friedrich: Das weiß ich nicht. Aber ich finde es gut, dass sich die Spieler dazu bekennen. Glaube scheint ja nicht mehr modern. Wer spricht da schon noch drüber. Ich finde das sehr schade.

ZEIT ONLINE: War der Glaube in der Nationalmannschaft auch mal Thema?

Friedrich: Auf alle Fälle. Wir haben auch damals zum Beispiel mit Cacau des Öfteren zusammen gesessen und darüber gesprochen. Wir haben in der Bibel gelesen und füreinander gebetet. Auch bei der WM 2010.

ZEIT ONLINE: Gab es auch Konflikte zwischen den Konfessionen?

Friedrich: Überhaupt nicht. Da gab es überhaupt keine Konfrontation. So sollte es auch sein. Jeder soll daran glauben, woran er möchte. Jeder sollte jeden in Frieden leben lassen. Da geht es um Toleranz und Respekt. Wenn man überlegt, wie viele Kriege wegen des Glaubens geführt wurden und werden. Das ist das Schlimmste, was passieren kann. Auch für den Glauben selbst, weil er dadurch in Verruf kommt.

ZEIT ONLINE: Was ist Ihnen wichtiger: Der Fußball oder der Glaube?

Friedrich: Das ist eine ziemlich harte Frage, aber ich lege mich da gerne fest: Ich möchte lieber ohne Fußball leben als ohne meinen Glauben.

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Kommentare

37 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

taeglich beten?

Auch ein religioeser Mensch darf sich fragen, was das bringen soll. Ich denke Jesus freut sich ueber Menschen, die Gutes TUN, weit mehr als ueber Menschen die er staendig an der Strippe hat von wegen "er" solle mal wieder Gutes tun...

Wie man das anders sehen kann wird sich mir nie nie nie nie nie und niemals nicht erschliessen und ich vermute mal Jesus geht es ganz aehnlich.