Basketball-BundesligaDer Basketball sucht ein zweites Bayern München

Vom Erfolg des FC Bayern beflügelt, wirbt die Basketball-Liga um weitere große Standorte. Dabei bleiben kleinere Vereine schon jetzt auf der Strecke. von 

Kleiner Mann, großer Fan: Bastian Schweinsteiger beim Handshake mit dem Bayern-Spieler Jared Homan

Kleiner Mann, großer Fan: Bastian Schweinsteiger beim Handshake mit dem Bayern-Spieler Jared Homan  |  © Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Am Wochenende könnte sich Ungeheuerliches ereignen. Uli Hoeneß, der Präsident des FC Bayern München, spielt mit dem Gedanken, zum ersten Mal seit 34 Jahren ein Fußballspiel seines derzeit so erfolgreichen Vereins zu verpassen. Der Grund: Gleichzeitig treten die Bayern-Basketballer im Spitzenspiel gegen Bamberg an.

Hoeneß' Liebe zum Korb bringt derzeit einiges durcheinander. Die deutsche Basketball-Bundesliga (BBL) schiebt sich ins Rampenlicht. Es gibt mehr Zuschauer, mehr Sponsorengelder, mehr Leute, die über Basketball reden. Auch weil Bastian Schweinsteiger ab und an im Basketball-Jersey in der ersten Reihe sitzt. "Wir können Uli Hoeneß dankbar sein", sagt Jan Pommer, der BBL-Geschäftsführer.

Anzeige

Pommer hätte gerne mehr Bayern Münchens. Deshalb fährt er durchs Land und wirbt für seinen Sport. In Hamburg verhandelt er derzeit mit einem neuen Team, im vorigen Jahr wurde er nach eigenen Angaben bei den Bayern-Konkurrenten Borussia Dortmund, Schalke 04 und Hamburger SV vorstellig. "Wir haben informiert, wie das Projekt FC Bayern funktioniert", sagt Pommer.

Klassischer Konflikt

Die Aktivität des Basketball-Manager passt zu seiner "Vision 2020", die er vor gut zwei Jahren ausgerufen hat: Die Bundesliga soll Europas stärkste Liga werden. Noch ist Deutschland ein Schwellenland des Basketballs, ein Sieg in der Euroleague, dem höchsten europäischen Wettbewerb, ist außer Sicht, selbst eine Finalteilnahme. Um das zu ändern, will Pommer ran an die großen Standorte, ran an die Fußballer, ran ans große Geld.

Dabei entsteht der klassische Konflikt, der unvermeidbar scheint, wenn eine Sportart professionalisiert wird. Es ist der Konflikt zwischen Geld und Tradition. Wie kann man die Großen umgarnen, ohne die Kleinen zu vernachlässigen? Wofür darf man den Erfolg opfern? Und wie geht man mit jenen um, die auf der Strecke bleiben?

In den vergangenen fünf Jahren haben sich die Budgets der achtzehn Erstligisten im Schnitt etwa verdoppelt. Die BBL hat höhere Standards durchgesetzt, Mindestbudgets von einer Million Euro pro Jahr eingeführt, den Kauf teurer LED-Anzeigen für Werbebanden angeordnet und größere Hallen für mindestens 3.000 Zuschauer bauen lassen.

Doch die Ökonomisierung hat eine Kehrseite. Der Abstand zwischen der Ersten und Zweiten Liga (Pro A) ist so groß wie in keinem anderen großen Mannschaftssport. Die wenigsten Zweitligisten können die Lizenzvorgaben der BBL erfüllen. Manche Vereine wollen gar nicht erst aufsteigen, obwohl sie sich sportlich qualifiziert haben. Der deutsche Basketball verliert dadurch an Vielfalt.

Selbst Erstligisten übernehmen sich. Die Gießen 46ers meldeten in dieser Spielzeit nach nicht mal drei Monaten Insolvenz an. Sie konnte zwar verhindert werden, doch der Verein musste seine zwei besten Spieler verkaufen und reist nun als Kanonenfutter durch die Liga. 2009 gingen die Köln 99ers insolvent. Der Bundesliga-Absteiger BG Göttingen stand im Mai 2012 kurz vor der Pleite.

Leserkommentare
  1. Im Basketball kündigt sich eine Art Hoffenheim-Syndrom wie im Fußball an. Finanzkraft steht Tradition gegenüber. Im Falle des FC Bayern ist dieser populistische Vorwurf vieler Basketballfans vollkommen realitätsfern. Man muss sich nur mal die Namensgebung der einzelnen Vereine anschauen und kommt nicht umhin festzustellen, dass der FC Bayern eigentlich der einzige ist, der keinen Sponsornamen trägt.

    Der FCB besitzt eine Basketballabteilung seit 1946, war 1954 und 1955 Deutscher Meister und spielte stets in den oberen Ligen mit. Vor drei Jahren hat man sich in einer Mitgliederbefragung entschlossen, die Basketballabteilung nach einer Anschubfinanzierung durch die Fußballer auf einen neuen Weg zu schicken, auf dem man sich aber auf Dauer selbst tragen muss. Dieser Fall ist in keinster Weise mit Kunstprodukten zu vergleichen, wie sie bei Projekten anderer Fußballbundesligisten gegeben wären.

    Bayern pusht mit seinem Namen die gesamte Liga, alle profitieren. Jeder der Vereine aus kleineren Städten wie Crailsheim oder Kirchheim hätte seine Existenzberechtigung in der BBL. Die Realitäten im Profisport sind aber leider so, dass die finanzielle Basis den Ausschlag gibt. Basketball als Trendsportart hat eine Zukunft in den Großstädten. Pascal Roller will in Hamburg eine BBL-Mannschaft etablieren. Warum nicht, lasst ihn machen. Aber dann bitte nicht mit Wildcard und Bundesligaticket, sondern brav unten anfangen.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Tradition und Namensgebung, d.h. Namenssponsoren, schließen sich nicht aus.

    Ein Blick in die Tabelle genügt zudem um festzustellen, dass München, Quakenbrück, Trier, Hagen, Bremerhaven, Bayreuth, Weißenfels allesamt keinen Namenssponsor haben.

  2. denn der Sport leidet wie viele andere unter der Ignoranz der Fernseh-Verantwortlichen, insbesondere der Banausen bei ARD und ZDF. Dort kommt eben erst einmal Fußball, dann noch einmal Fußball, dann ein bisschen Biathlon und Formel 1.

    Um die Restaufmerksamkeit streiten sich dann Handball, Eishockey, Basketball, Leichtathletik und einige andere, wobei Basketball auch da eher hinten liegt. Selbst bei Jugendlichen, wo der Sport zu Michael Jordans Zeiten noch angesagt war.

    Um wirklich von den Leuten bemerkt zu werden, müssen einfach Erfolge her. So wie in Berlin 1995. Da brach nach dem Korac-Cup-Erfolg ein richtiger Boom aus, von dem Alba bis heute zehrt.

    Und für solche Erfolge braucht man eben auch ein bisschen Geld. Ich finde Teams wie Kirchheim ja auch sympathisch, aber mit ihrer 1500-Zuschauer Halle ist das Potential dort eben begrenzt. Es ist schon richtig, dass sich Basketball aus dem Schulsporthallen-Mief verabschiedet hat.

    Und zuletzt: Die Basketball Bundesliga hat 18 Plätze. Selbst wenn Hamburg, Hannover und zwei andere Städte noch Teams anmelden würden, bleibe noch Platz für Orte Kleine. Der Aufstieg muss natürlich weiterhin möglich sein.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    käme, wenn anstatt irgendwelcher Nachtnacktclips das ehemalige deutsche Sportfernsehen in der Nacht die NBA Spiele zeigen würde, oder zumindest täglich eine Magazin wie "Inside NBA" wieder ins Programm nehmen würden und Frank Buschmann würde sich sicher auch freuen.
    Warum war Basketball zu Jordans Zeiten in Dtl. so beliebt? Weil es wirklich jeder sehen konnte und intensiv darüber berichtet wurde, aber der aktuelle Hype ist nunmal, wie völlig richtig festgestellt wurde leider nur der Fußball und so sehr ich diese Sportart liebe, so sehr nervt mich manchmal ihre Omnipräsenz.

    Und was die BBL betrifft. Sie ist eben noch nicht sonderlich spektakulär und noch immer hoffe ich auf ein Engagement von Nowitzki, denn das würde dem Sport die Aufmerksamkeit brinen, die er eigentlich verdient.

  3. Warum ist man bei Bayern München nicht konsequent und kauft den Bambergern einfach die gesamte Mannschaft mitsamt Trainer ab? Warum nicht mit Bayern I gegen Bayern II spielen und in alle TV Kanäle gewinnbringend übertragen?

    Vielerorts ist der Stadionbesuch heute schon ein Wanderzirkus und mehr Werbung als Sportevent mit dem Geld durch das Fernsehen verdient wird.

    Bayern München hat sich die "Geschäftsidee Sport" am konsequentesten verinnerlicht. Ob sich mit Wanderzirkus einer (meist von dem direkten Konkurrenten) abgekaufter Spielerschar auf Dauer die selben Emotionen wie mit herkömmlichen Sportwettkämpfen verbinden lassen?

    Wenn die Menschen mal beginnen zu spüren, welch hohle Hülsen ihnen für teures Geld präsentiert werden und wie passiv sie als Konsumenten gemacht worden sind, wird die in Gang gekommene "Inflation des Eventsports" zur Bildung einer "Spekulationsblase" führen und platzen wie ein Börsentraum....

  4. Tradition und Namensgebung, d.h. Namenssponsoren, schließen sich nicht aus.

    Ein Blick in die Tabelle genügt zudem um festzustellen, dass München, Quakenbrück, Trier, Hagen, Bremerhaven, Bayreuth, Weißenfels allesamt keinen Namenssponsor haben.

    Antwort auf "Traditionsvereine"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie haben Recht, der FC Bayern ist nicht der einzige Club, der einen sponsorenfreien Namen hat, ich muss mich da berichtigen. Die in der BBL weit verbreitete Unsitte, den Sponsor in den Namen zu integrieren, stößt dennoch sauer auf.

    Sicher, dies ist den ökonomischen Zwängen der kleineren Vereine geschuldet, dennoch behindert es aus meiner Sicht die Identifikation der Fans mit ihrem Club. Diese Unsitte ist auch beim Eishockey eingerissen. Man muss sich zum Spaß auch mal die Namen österreichischer Fußballclubs anschauen. Hier ist auch zu besichtigen, wie dies die Entwicklung des Sportes insgesamt letztlich behindert.

    Im Basketball herrscht zwar ohnehin eine andere Fankultur als im Fußball, wo es in Deutschland längst Aufstände gegen solche Namensgebungen gegeben hätte. Trotz der wirtschaftlichen Zwänge sollte man in diesem Punkt trotzdem versuchen, gewisse Extreme der Kommerzialisierung zurückzudrehen.

  5. Sie haben Recht, der FC Bayern ist nicht der einzige Club, der einen sponsorenfreien Namen hat, ich muss mich da berichtigen. Die in der BBL weit verbreitete Unsitte, den Sponsor in den Namen zu integrieren, stößt dennoch sauer auf.

    Sicher, dies ist den ökonomischen Zwängen der kleineren Vereine geschuldet, dennoch behindert es aus meiner Sicht die Identifikation der Fans mit ihrem Club. Diese Unsitte ist auch beim Eishockey eingerissen. Man muss sich zum Spaß auch mal die Namen österreichischer Fußballclubs anschauen. Hier ist auch zu besichtigen, wie dies die Entwicklung des Sportes insgesamt letztlich behindert.

    Im Basketball herrscht zwar ohnehin eine andere Fankultur als im Fußball, wo es in Deutschland längst Aufstände gegen solche Namensgebungen gegeben hätte. Trotz der wirtschaftlichen Zwänge sollte man in diesem Punkt trotzdem versuchen, gewisse Extreme der Kommerzialisierung zurückzudrehen.

    Antwort auf "Tradition"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Eine extreme Kommerzialisierung findet man im Basketball eher an anderer Stelle. Die Namenssponsoren sind alle regional verwurzelt und in Fällen wie Alba Berlin untrennbarer Teil der Marke.

  6. Eine extreme Kommerzialisierung findet man im Basketball eher an anderer Stelle. Die Namenssponsoren sind alle regional verwurzelt und in Fällen wie Alba Berlin untrennbarer Teil der Marke.

    Antwort auf "Namensgebung"
  7. Als HSV Fan würde ich ein Engagement beim Basketball mehr als seltsam finden. Wir haben schon jetzt nicht die Kohle um mit Bayern im Kerngeschäft zu konkurrieren. Jetzt sollen wir unser Kerngeschäft finanziell weiter schwächen - und zwar erheblich - um in zwei Ligen gegen den Krösus chancenlos zu sein? Nein das klingt nicht nach einem überzeugenden Konzept.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    der nicht einmal Geld für seine Fußball-Frauen hat, wäre Basketball auch sicher nicht das richtige.

    Nein, von Bayern, wo Hoeneß offenbar Feuer gefangen hat, mal abgesehen, finde ich auch, dass Basketballclubs besser alleine bleiben sollten. Aber in Hamburg könnte sich ein Bundesligateam sicher durchsetzen. Mit Johanneum Hamburg und Rist Wedel hat die Stadt ja auch eine gute Basketball Tradition.

  8. Erstmal sollte man vielleicht alles richtig einordnen. Basketball (die Beko BBL)profitiert nur ganz gering von Fernseheinnahmen usw. Ohne Namenssponsoren geht es einfach nicht, da die Einnahmen der einzelnen Clubs zu gering sind. Basketball ist nun einmal eine Randsportart, da wird sich auch in Zukunft nichts dran ändern.

    Kleine Vereine, wie z.B. Gießen, haben ihr Potenzial ausgeschöpft. Da geht einfach nicht mehr viel nach oben. Große Standorte mit mehr EInzugspotenzial sind immer zu begrüßen.

    Die Basketballabteilung des FCB finanziert sich übrigens mittlerweile selbst, das sollte man noch erwähnen.

    Zum Schluss zum HSV-Fan. Der HSV hat mit der ganzen Sache nichts zu tun!

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    im Artikel steht dass der BBL mensch beim HSV vorstellig geworden ist, also hat "mein" Verein wohl was damit zu tun...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Bayern | München | Uli Hoeneß | Bundesliga | FC Bayern München | Fußball
Service