Bayern - Dortmund : Der FC Bayern macht sich breit auf seinem Thron

Dieses Mal trafen gar Hoeneß' Worte den Kern: Gegen die Allerweltsmannschaft des BVB erobert der FCB die Macht im deutschen Fußball zurück. Von Oliver Fritsch, München
Die Bayern nach dem Sieg gegen ihre Peiniger aus Dortmund © Christof Stache/Bongarts/Getty Images

Pathos war gefragt in dieser Nacht, also gab Uli Hoeneß eine Deklaration ab: "Mit diesem Spiel haben wir die Vormachtstellung im deutschen Fußball zurück, die Verhältnisse sind geklärt." Seine Bayern hatten zwar bloß ein Heimspiel im Pokalviertelfinale gewonnen, dazu mit dem knappsten, minimalsten, puristischsten aller Ergebnisse. Doch das 1:0 spiegelt nicht ansatzweise die Geschichte wieder, die hinter dem Sieg gegen Dortmund steckt. Es war mehr als ein Sieg. Der FC Bayern hat sich von einem Stachel befreit, der lange in seinem Fleisch gesteckt hatte.

Bayern München ist seit Jahrzehnten gewohnt, breit auf dem Thron zu sitzen. Zwar landete immer mal wieder auch ein anderer oben, aber das ließ sich generös mit bayerischer Nachlässigkeit erklären. Seit Mitte der Neunziger vergingen keine zwei Jahre hintereinander ohne Bayern-Meisterschaft, kein Konkurrent konnte auf Dauer bestehen.

Dann kam aus dem Nichts Borussia Dortmund, gewann zwei Meisterschaften und einen Pokaltitel. Sechs Mal versuchten die Bayern, gegen die Borussia zu gewinnen, sechs Mal ging es schief. Darunter waren fünf Niederlagen nacheinander und ein 2:5 im Pokalfinale. Dortmund beherrschte den moderneren Fußball, Dortmund war erfolgreich.

Robbens lange vermisster Klassiker

In der Bundesliga-Tabelle dieser Saison sieht die Sache für die Bayern längst anders aus, siebzehn Punkte Vorsprung sind einmaliger Ausdruck der Dominanz. Aber im Dezember, beim bislang letzten Duell mit dem Rivalen, sprang für die Bayern nur ein Unentschieden heraus. Eine Meisterschaft ohne Sieg gegen den BVB wäre nur halb so viel wert. Diesmal musste Dortmund bezwungen werden.

Entsprechend stürzten sich die Bayern-Spieler in die Schlacht, hungrig, schnell, kämpferisch. Man sah Stürmer in der eigenen Hälfte grätschen. Man sah jederzeit anspielbare Mitspieler. Ging der Ball einmal verloren, jagten ihn alle, bis sie ihn verschlangen. Um die Dortmunder herum wimmelte es nur von Bayernbeinen, auch denen von Arjen Robben.

Robben hatte ja seine eigene Agenda. In der Vorsaison vergab er gegen Dortmund einen wichtigen Elfmeter. In dieser Spielzeit saß er oft auf der Bank, der FC Bayern gewann ohne nennenswertes Zutun Robbens. Zuletzt hatte man ihn entweder traurig oder wütend gesehen. Nach dem Spiel gegen Dortmund trommelte Robben vor Freude auf den Rasen. Diesmal schoss er das einzige Tor, es war sein Klassiker, den man schon oft, aber lange nicht mehr von ihm gesehen hatte: ein Schlenzer von halbrechts. Er sagte: "Ich bin 29 Jahre alt und träume noch immer von solchen Toren."

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Kommentare

122 Kommentare Seite 1 von 14 Kommentieren

Ende letzter Saison?

Was soll denn Ende letzter Saison passiert sein?

Dass Bayern in dieser Saison ganz klar VOR Dortmund steht und im Grunde in allen Belangen besser ist, kann man kaum von der Hand weisen und trotzdem geht's, denk ich, mehr um die manchmal unnötigen Aussagen wie eines Hoeneß.
Natürlich weiß ich, dass auch noch einiges an Kalkül zugemischt ist, aber's ist und bleibt für mich meist unnötiger Kram. Wenn sowas aus Dortmunder Richtung käme und ich hoffe, dass ich aus meiner Erinnerung richtig wiedergebe, dass dies noch nicht passiert ist, fänd ich's genauso blödsinnig.
Voraussetzung meinerseits ist, dass die unbedarften Aussagen auch von Verantwortlichen innerhalb des Vereins kommen.
Fansaktionen sind nämlich immer so'ne Sache.

Seit mir nicht böse,...

nur bin ich der Meinung, daß dieses Theater, um die beiden Mannschaften, eine Etage zu hoch aufgehangen wird. Das war gestern ein sehr gutes Fußballspiel. Was man erkennen konnte war, daß die Bayern hoch motiviert waren, was man meiner Meinung nach vom BVB nicht gerade behaupten konnte. Der Sieg war verdient, keine Frage. Nun geht der Alttag weiter. Da werden wir sehen was er Wert war. Irgendwie traue ich dem Braten der Lobhudelei noch nicht. Ich hoffe aber das ich Unrecht habe, weil wir in Uefa-Wertung sonst nicht voran kommen!

Ich bin Ihnen nicht böse

und stimme Ihnen zu. Es wäre weitaus besser, wenn man siegt sich zu freuen und dann nach Haus zu gehen und sich auf das nächste Spiel angespannt zu konzentrieren immer in dem Bewußtsein, dass jede Serie auch mal zu Ende geht. Da ist auch sehr viel Psychologie im Spiel. Es kann aber auch sein, dass eine Hinterwaldmannschaft den Bayern ein Bein stellt und sie "sensationeller Weise" schlägt. Ein 1 zu 0 reicht. Und dann geht die Stolperserie los. Diese Wende kann jederzeit eintreten und sie tritt umso eher ein, je früher man sich auf einen Thron setzt, den es noch gar nicht gibt. Die Bayern denken, sie spielen in soliden Stadien, in Wirklichkeit kicken sie in einem Glashaus.