Pathos war gefragt in dieser Nacht, also gab Uli Hoeneß eine Deklaration ab: "Mit diesem Spiel haben wir die Vormachtstellung im deutschen Fußball zurück, die Verhältnisse sind geklärt." Seine Bayern hatten zwar bloß ein Heimspiel im Pokalviertelfinale gewonnen, dazu mit dem knappsten, minimalsten, puristischsten aller Ergebnisse. Doch das 1:0 spiegelt nicht ansatzweise die Geschichte wieder, die hinter dem Sieg gegen Dortmund steckt. Es war mehr als ein Sieg. Der FC Bayern hat sich von einem Stachel befreit, der lange in seinem Fleisch gesteckt hatte.

Bayern München ist seit Jahrzehnten gewohnt, breit auf dem Thron zu sitzen. Zwar landete immer mal wieder auch ein anderer oben, aber das ließ sich generös mit bayerischer Nachlässigkeit erklären. Seit Mitte der Neunziger vergingen keine zwei Jahre hintereinander ohne Bayern-Meisterschaft, kein Konkurrent konnte auf Dauer bestehen.

Dann kam aus dem Nichts Borussia Dortmund, gewann zwei Meisterschaften und einen Pokaltitel. Sechs Mal versuchten die Bayern, gegen die Borussia zu gewinnen, sechs Mal ging es schief. Darunter waren fünf Niederlagen nacheinander und ein 2:5 im Pokalfinale. Dortmund beherrschte den moderneren Fußball, Dortmund war erfolgreich.

Robbens lange vermisster Klassiker

In der Bundesliga-Tabelle dieser Saison sieht die Sache für die Bayern längst anders aus, siebzehn Punkte Vorsprung sind einmaliger Ausdruck der Dominanz. Aber im Dezember, beim bislang letzten Duell mit dem Rivalen, sprang für die Bayern nur ein Unentschieden heraus. Eine Meisterschaft ohne Sieg gegen den BVB wäre nur halb so viel wert. Diesmal musste Dortmund bezwungen werden.

Entsprechend stürzten sich die Bayern-Spieler in die Schlacht, hungrig, schnell, kämpferisch. Man sah Stürmer in der eigenen Hälfte grätschen. Man sah jederzeit anspielbare Mitspieler. Ging der Ball einmal verloren, jagten ihn alle, bis sie ihn verschlangen. Um die Dortmunder herum wimmelte es nur von Bayernbeinen, auch denen von Arjen Robben.

Robben hatte ja seine eigene Agenda. In der Vorsaison vergab er gegen Dortmund einen wichtigen Elfmeter. In dieser Spielzeit saß er oft auf der Bank, der FC Bayern gewann ohne nennenswertes Zutun Robbens. Zuletzt hatte man ihn entweder traurig oder wütend gesehen. Nach dem Spiel gegen Dortmund trommelte Robben vor Freude auf den Rasen. Diesmal schoss er das einzige Tor, es war sein Klassiker, den man schon oft, aber lange nicht mehr von ihm gesehen hatte: ein Schlenzer von halbrechts. Er sagte: "Ich bin 29 Jahre alt und träume noch immer von solchen Toren."