Rassismus in IsraelDie antimuslimischen Fußballfans aus Jerusalem

Feuer im Vereinsbüro und rassistische Chöre – weil erstmals ein Muslim für den israelischen Klub Beitar spielt, protestiert ein Teil der Fans. Von Rico Grimm, Jerusalem von 

Fans von Beitar Jerusalem während des Spiels gegen Bnei Sakhnin

Fans von Beitar Jerusalem während des Spiels gegen Bnei Sakhnin  |  © AFP/Getty Images

Barak Weiss ist künstlerischer Leiter des Tel Aviver Jazzfestivals. Er und ein junger Fan liefern sich den ersten Zweikampf beim Aufeinandertreffen der Fußballklubs Beitar Jerusalem und Bnei Sakhnin. Eine Stunde vor Anpfiff debattieren sie, am Rande des Stadions, von einem Gitter getrennt. Weiss hat dort eine kleine Kundgebung organisiert, mit gelben Ballons und lachenden Kindern. Auf einem Plakat steht: "Jerusalem für immer tolerant". Dem Fan passt das nicht, er fühlt sich verunglimpft: "Warum protestiert ihr gegen uns, wenn doch alle anderen Fußballklubs genauso sind wie wir?", fragt er.

Weiss ist Mitglied in einer Aktivistengruppe, die sich in ganz Israel gegen Rassismus einsetzt. Sie wolle mit der "echten, toleranten Stimme des Judentums" sprechen, sagt er. Zum Stadion von Beitar Jerusalem sind er und seine Mitstreiter zum zweiten Mal in einem Jahr gefahren. Beim ersten Mal protestierten sie gegen die Fans von Beitar, die in einem nahegelegenen Einkaufszentrum palästinensische Arbeiter attackiert hatten, heute gegen deren rassistische Sprechchöre.

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Beitar Jerusalem fällt immer wieder durch den Rassismus einer kleinen Gruppe von Fans auf. Noch nie in der 65-jährigen Klubgeschichte lief ein arabischer Spieler für Beitar auf. Ein Fakt, den die kleine, extrem antiarabische Fangruppe La Familia mit Stolz verteidigt. Beim vorigen Spiel rief sie "Kein Einlass für Araber" und "Beitar rein für immer". Zur Strafe hat die Liga für das Spiel am vergangenen Sonntag die Osttribüne gesperrt. Gegner ist Bnei Sakhnin, der Favorit vieler palästinensischer Israelis.

700 schwer bewaffnete Sicherheitskräfte

1,6 Millionen, also zwanzig Prozent der israelischen Bürger sind arabischstämmig. Seit 1948 sind 3 Millionen Menschen aus den verschiedensten Kulturen nach Israel eingewandert. Im Land angekommen, bildeten sie zum Teil stark abgeschottete Gruppen. Dies spiegelt sich in den Anhängerschaften der Fußballteams. Es gibt eher palästinensische Teams wie Bnei Sakhnin, Mannschaften wie Hapoel Tel Aviv, die von den tendenziell eher linken, privilegierten Juden westeuropäischen Ursprungs favorisiert werden, oder Beitar Jerusalem, das eine starke Gefolgschaft unter den orientalischen Juden hat.

Beitars Ultra-Vereinigung La Familia will vor allem gegen Arkady Gaydamak protestieren, den jüdisch-russischen Besitzer von Beitar Jerusalem. Der hatte vor ein paar Wochen zwei Tschetschenen für den Klub engagiert, Zaur Sadayev und Gabriel Kadiev. Beide sind Muslime. La Familia drohte. Am vergangenen Freitag legte ein Unbekannter Feuer im Büro des Vereins. Niemand kam zu Schaden, aber die beiden neuen Spieler werden nun rund um die Uhr von einem Personenschützer begleitet.

Selbst der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die Tat als rassistisch und unwürdig verurteilt. Gaydamak, verurteilter Waffenhändler, Millionär und Träger des französischen Verdienstordens, will sich von dieser kleinen Fangruppe aber nicht die Klubpolitik diktieren lassen.

Die Situation vor dem Stadion ist angespannt. 700 schwer bewaffnete Sicherheitskräfte sind im Dienst, Pferde, Sturmgewehre. Die Polizei hat ein Tischlein am Rande des Stadions aufgestellt, an dem sie für alle sichtbar die Personalien von Unruhestiftern aufnimmt und Platzverweise erteilt.

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf relativierende und pauschalisierende Beiträge und beziehen Sie sich auf das Artikelthema. Danke, die Redaktion/ds

    3 Leserempfehlungen
    • trabbi
    • 11. Februar 2013 18:13 Uhr

    [...]

    Rassismus ist in Israel Gang und Gäbe. Die Palästinenser sind dabei die größten Opfer, aber bei weitem nicht die einzigen. Es trifft auch Juden, wenn ihre Vorfahren aus dem falschen Land kamen. Im weiteren Sinne trifft es zahlreiche weitere Minderheiten.

    Gekürzt. Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde bereits entfernt. Danke, die Redaktion/ds

    15 Leserempfehlungen
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    und das Abschotten gegen eine bestimmte Gruppe, beziehungsweise der Hass gegen bestimmte Gruppen wird durch eine Bedrohung von aussen begünstigt.
    Als Israeli sollte man sich in den meisten arabischen Ländern nicht zu erkennen geben. Es wäre lebensgefährlich. Seit Jahrzehnten werden Israelis in Israel Opfer von Attentätern, der Staat ist nur von Feinden umgeben. Die Feinde werden mehr und nicht weniger.
    Rein menschlich ist es nachvollziehbar, dass in einem solchen Szenario Hass auf Menschen entsteht die durch eine ihrer Eigenschaften, sei es Glaube oder Herkunft, zu den Anderen zu gehören scheinen.
    Das ist schade, aber so tickt der Mensch

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen und Unterstellungen. Danke, die Redaktion/ls

    • Andre T
    • 12. Februar 2013 7:00 Uhr

    Zu dem Rassismus von Europaeischen Juden gegen alle anderen Juden empfehle ich "Wir sehen aus wie der Feind: Arabische Juden in Israel" von Rachel Shabi

    Die Fifa hat vor Jahren die Verhältnisse in der Israelischen Liga als "sehr rassistisch" eingestuft, damals auch bezogen auf die Anfeindungen gegen Schwarze, nur ist das Thema halt selten in unseren Medien wiederzufinden

  2. und das Abschotten gegen eine bestimmte Gruppe, beziehungsweise der Hass gegen bestimmte Gruppen wird durch eine Bedrohung von aussen begünstigt.
    Als Israeli sollte man sich in den meisten arabischen Ländern nicht zu erkennen geben. Es wäre lebensgefährlich. Seit Jahrzehnten werden Israelis in Israel Opfer von Attentätern, der Staat ist nur von Feinden umgeben. Die Feinde werden mehr und nicht weniger.
    Rein menschlich ist es nachvollziehbar, dass in einem solchen Szenario Hass auf Menschen entsteht die durch eine ihrer Eigenschaften, sei es Glaube oder Herkunft, zu den Anderen zu gehören scheinen.
    Das ist schade, aber so tickt der Mensch

    13 Leserempfehlungen
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    • lm.80
    • 11. Februar 2013 20:00 Uhr

    > von Attentätern, der Staat ist nur von Feinden umgeben. Die
    > Feinde werden mehr und nicht weniger.

    Klar! Aber der Hauptgrund dafür liegt an israelisch-amerikaner Politik, nicht an den muslimischen Ländern.

    • scoty
    • 11. Februar 2013 18:31 Uhr

    " Selbst der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die Tat als rassistisch und unwürdig verurteilt "

    Im Fußball ist der Ministerpräsident zumindestens fair.

  3. einen Artikel von Tuvia Tenenbom.

    5 Leserempfehlungen
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    • gooder
    • 11. Februar 2013 18:55 Uhr

    So wurden z.B. Fußballspieler des jüdischen Klubs TuS Makkabi Berlin zu Opfern von rassistischen und antisemitischen Beleidigungen, als sie gegen den Berliner Club Hürtürkel spielten.Desweiteren beleidigten Fans des 1.FC Kaiserslautern den israelischen Profi Itay Shechter.
    Tuvia Tenenbom würde diese Vorfälle vermutlich aber ganz anders bewerten, als die Vorfälle in Jerusalem.

    Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Die Redaktion/kvk

    Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Die Redaktion/kvk

  4. Und dieses Land erwartet, dass man sie in keinster weise kritisiert?

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    • JThaler
    • 11. Februar 2013 20:02 Uhr

    Nein, tut es nicht.
    Das deutsch-israelische Verhältnis ist ein besonderes. Das heißt erstens, nicht, dass Israel erwartet, nicht kritisiert zu werden und zweitens, hat sich Israel dieses besondere Verhältnis nicht "einfach mal so" ausgesucht.

    Statt konkreter Diskussion des Artikelthemas, Unterstellungen als Sprungbrett, Israel als Staat gesamt wieder mal eins auszuwischen. Nach dem Motto: "Da haben wir es mal wieder. Und so ein Staat..."

    Kritisieren Sie doch den Anti-Arabischen Rassismus. Das tun die Menschen in Israel, wie es im Artikel steht, nämlich selbst.
    Der Artikel ist hier deutlich darum bemüht, zu differenzieren. In der Diskussion sollte das auch so sein.

    • eras
    • 11. Februar 2013 20:48 Uhr

    "Und dieses Land erwartet, dass man sie in keinster weise kritisiert?"

    Und Sie fühlen sich für diese Kritik zuständig? Beitar Yerushalayim ist ein hässlicher Club, keine Frage. Und die absurden Ausflüchte des Managements, dass in den Jahrzehnten des Bestehens dieses Clubs nie einen arabischen Spieler verpflichtet hat (nur soviel zur Antirassismus-Rhetorik der Clubverantwortlichen) ist wenig glaubhaft.

    Aber dass ausgerechnet Deutsche sich dafür zuständig fühlen, einen Club in Israel zu kritisieren, halte ich für vorsichtig formuliert etwas seltsam. Es ist ja nicht so, dass man vor der eigenen Haustür nichts zum Kehren findet.

    Gerade jemand wie Sie, aus dem Bergischen Land, braucht da nur einmal um die Ecke zu schauen. NRW ist in Sachen rechtsradikaler Fans ein Brennpunkt. Zum Beispiel der deutsche Meister Dortmund, wo Fans gerne mal Solidaritätsbanner für eine verbotene, neonazistische Organisation oder die Reichskriegsflagge präsentieren. Hinzu kommen noch Gladbach, Fortuna Düsseldorf, der MSV Duisburg, Alemania Aachen und Oberhausen. Alle diese Clubs sind für offen auftretende, rechtsradikale Fans bekannt (http://www.wdr.de/tv/west...).

    Also: Solange wir in Deutschland derartige Auswüchse nicht in den Griff bekommen, empfiehlt es sich, beschämt den Mund zu halten - anstatt sich ausgerechnet über rassistische Auswüchse in Israel zu echauffieren...

    Durfen "wir Deutsche" wenigstens die Rassisten von Lazio Rom kritisieren, oder seht uns das auch nicht zu?

    • gooder
    • 11. Februar 2013 18:55 Uhr

    So wurden z.B. Fußballspieler des jüdischen Klubs TuS Makkabi Berlin zu Opfern von rassistischen und antisemitischen Beleidigungen, als sie gegen den Berliner Club Hürtürkel spielten.Desweiteren beleidigten Fans des 1.FC Kaiserslautern den israelischen Profi Itay Shechter.
    Tuvia Tenenbom würde diese Vorfälle vermutlich aber ganz anders bewerten, als die Vorfälle in Jerusalem.

    3 Leserempfehlungen
  5. Die Juden sind doch ein eigenartiges Volk. Da gibt es seit einhundert Jahren moslemischen Terror und Krieg gegen sie - und im Ergebnis gibt es den "Rassismus einer kleinen Gruppe von Fans". Nach all den Vorfällen in Nahost, nach den unverholenen Todesdrohungen aus dem Iran, Palästina, dem Irak Husseins, nach dem Vernichtungsversuch von 1948 etc. gäbe es in jedem anderen Land die fürchterlichsten Pogrome, aber bei den Juden reagiert nur "eine kleine Gruppe" normal. Haben Juden ihre Opferrolle über die Jahrtausende hinweg so verinnerlicht, dass sie ihre Feinde nicht einmal mehr hassen können?

    10 Leserempfehlungen
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    Das ist wohl ne rhetorische Frage, denn wenn man die jüngsten Ergebnisse für rechtsradikale, antiarabische Parteien, die Schikanen gegen die Palästinenser und den Hass der Siedler und jüdischen Fundamentalisten nicht nur in den besetzten Gebieten sieht.
    Zum Glück gibt es unter den Israelis immer noch besonnene und tolerante Kräfte, aber in der Regierung sitzen diese (noch) nicht.

    • Traxxo
    • 11. Februar 2013 19:59 Uhr

    @SanPaolo

    Werter SanPaolo,

    Sie sollten einmal die Analyse von Walt (Harvard University) und Mearsheimer (University of Chicago) lesen. Dort wird, unter Anderem, ausführlich beschrieben was die Israelis den Palis angetan haben. Landraub, Vertreibung, Mord und Todschlag waren und sind an der Tagesordnung.

    Sie sollten am besten Seite 8 und ab Seite 17 lesen. Ich hoffe Sie verstehen dann was dort unten eigentlich geschieht.

    Die Analyse finden Sie übrigens (übersetzt) hier. http://dpg-netz.de/downlo... - das original über Google.

    Danach sind Sie in der Lage klarer zu sehen.

    Man muss sich immer wieder fragen, wie wir zu so verschiedenen Auffassungen kommen. Sind wir schlecht informiert oder wollen wir nicht sehen? Der Beitar Fussballklub war immer ein bisschen rechtslastig. Aber das könnte möglicherweise auch in anderen Ländern und Klubs passieren. Aber von einem hundertjährigem muslimischen Terror zu sprechen ist einfach Geschichtsfälschung. Die Staatsgründung Israels bedeutete die Vertreibung hundertausender von Palästinensern, eine immer noch bestehende militärische und vormünderische Besetzung, sowie die ungehemmte Fortsetzung des illegalen Siedlungsbaus. Als Unterdrücker braucht man keinen Hass, sondern neigt dazu die Arroganz der Macht zu geniessen.

    • pascot
    • 11. Februar 2013 23:14 Uhr

    Entfernt. Verzichten Sie auf die Verbreitung kruder Theorien. Die Redaktion/mak

    Duie Juden sind kein Volk,
    sondern eine Religionsgemeinschaft!

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Israel | Jerusalem | Rassismus | Benjamin Netanjahu | Stadion | Gesang
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