Boxer Jürgen Brähmer"Jahrhunderttalent, was heißt das schon?"

Jürgen Brähmer galt einst als großes Boxtalent. Nach sportlichen Misserfolgen und drei Jahren im Gefängnis will er nun wieder nach oben. von Michael Rosentritt

Jürgen Brähmer

Jürgen Brähmer  |  © Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Jürgen Brähmer will keine Zeit verlieren. "Warum ich den Kampf gewinnen werde?", fragt er: "Na, weil ich der Bessere bin." Seine mitunter entwaffnende Direktheit hat Brähmer nicht eingebüßt. Da er die auch in seinen Fäusten hat, eilte dem Boxer einst der Ruf eines Jahrhunderttalents voraus. Einen gewissen Teil davon hat er eingelöst. Als Profi hat Jürgen Brähmer 38 seiner 40 Kämpfe gewonnen, davon 30 durch Knock-out. Und doch verirrte er sich zwischendrin. Brähmer setzte sein Talent auf der Straße ein. Endstation.

Wenn Jürgen Brähmer am Samstag in der Max-Schmeling-Halle Europameister Eduard Gutknecht herausfordert, geht es nicht nur um diesen ehrenwerten Titel und damit darum, noch einmal dahinzukommen, wo er schon einmal war. Sondern für Brähmer geht es auch darum, sich selbst zu beweisen, dass es sich gelohnt hat, sein Leben in die Hand genommen und grundlegend umgekrempelt zu haben.

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Die Geschichte von Jürgen Brähmer beginnt vor 34 Jahren in Stralsund, wo er als eines von sieben Kindern aufwächst. Als er elf ist, fällt die Mauer. 1992 wechselt er von der Leichtathletik zum Boxen. Dort wird er richtig Karriere machen. Von 100 Kämpfen als Amateur gewinnt er 95. Höhepunkt wird der Gewinn des Junioren-WM-Titels in Havanna – die Eintrittskarte zum Berufsboxen.

Die verheißungsvolle Zukunft kam nicht

Aus dem Natur- ist ein Jahrhunderttalent geworden. Als er 1999 beim Hamburger Universum-Stall einen Profivertrag unterzeichnet, scheint sein Weg geebnet. Das Gros der Fachleute sieht den kommenden Champion in ihm. Tatsächlich kann Brähmer fürchterlich gut boxen; er kann pendeln, er kann treffen, er verfügt über den nötigen Punch, und, noch wichtiger in der Welt der Gagen, Brähmer hat den gewissen Instinkt: Wenn sein Gegner wackelt, setzt er nach.

"Ja, ja, Jahrhunderttalent", sagt Uli Wegner, der Samstagabend in der Ecke des Titelverteidigers Gutknecht steht: "Was heißt das schon? Meistens ist gerade aus denen nie etwas geworden." Der 70-Jährige wird an Thomas Ulrich gedacht haben. Dem Spandauer wurde dereinst eine verheißungsvolle Zukunft vorhergesagt, daran aber ist er fast zerbrochen. Bei Brähmer liegen die Dinge anders, obgleich auch seine Karriere zwischenzeitlich in den Seilen hängt. Ab 2002 verbringt er drei Jahre in Haft. "Dass ich zweimal im Gefängnis saß, gehört zu meinem Leben", sagt Brähmer. Das sei alles lange her und nicht nur verdrängt, sondern auch verarbeitet.

Leserkommentare
    • beute2
    • 03. Februar 2013 12:31 Uhr

    hat sich der Schauspieler " Stürmchen" diesen Kampf angeschaut. Dann hätte er gesehen was für ein Jammersack von " Kämpfer " er ist. Bei diesen beiden konnte man zu recht sagen das sind Kämpfer.

    Eine Leserempfehlung

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