Bundesliga-RückschauHoffenheim scheitert an der getackerten Nase

Sascha Mölders wird Augsburgs Grasnarben-Poet, Fürth und Gladbach entdecken die Jugend. Und die Bayern vermiesen Heynckes das Jubiläum. Alles Wichtige zum 23. Spieltag von 

Wer spielte wie gegen wen?

Greuther Fürth – Bayer Leverkusen 0:0
Borussia Mönchengladbach – Borussia Dortmund 1:1
FC Schalke 04 – Fortuna Düsseldorf 2:1
FC Bayern München – Werder Bremen 6:1
Hannover 96 – Hamburger SV 5:1
FSV Mainz 05 – VfL Wolfsburg 1:1
FC Augsburg – 1899 Hoffenheim 2:1
VfB Stuttgart – 1. FC Nürnberg 1:1
SC Freiburg – Eintracht Frankfurt 0:0

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Augsburg gegen Hoffenheim. Nicht wegen der Spieler der TSG, die inzwischen so leblos wirken wie die Sinsheimer Innenstadt nach 20 Uhr. Die Gewinner des Spieltags waren die Augsburger, die mit einem 2:1-Sieg den Relegationsplatz reservierten und wie schon in der vergangenen Saison offenbar erst zur Rückrunde merken, dass sie auch Fußball spielen können. Allen voran Sascha Mölders: "Unrunder als ein dreieckiges Rad", nennen die 11 Freunde den Spielstil des Augsburger Stürmers, diese Unwucht, mit der er durch den gegnerischen Strafraum rudert und zur Not auch per Knie oder mit dem Allerwertesten ins Tor trifft. Ein Spieler, der mangelnde Ästhetik mit unbändigem Kampfeswillen kompensiert und damit seine Mannschaft beflügelt. Gegen Hoffenheim zog er sich eine blutende Wunde auf der Nase zu, wurde am Spielfeldrand minutenlang getackert. Eine Auswechslung kam nicht infrage: "Ich hatte ja was an der Nase, nicht an den Füßen", sagte Mölders nach dem Spiel. Mit einem übergroßen Pflaster auf dem Kolben sah er aus wie ein russischer Preisboxer auf dem Rummel. Und er schmiss sich gleich wieder in den Ring, köpfte zunächst übers Tor und setzte schließlich zum Knock-out an: Sein neunter Saisontreffer bedeutete das entscheidende 2:0. Wenn der Fußball Geschichten schreibt, ist Mölders ein Grasnarben-Poet. Sascha Mölders ist der einzige Stürmer der Liga, der noch weiß, wie man in den Dreck fällt und trotzdem Tore schießt. Und wenn's unbedingt sein muss, kann er es auch ganz elegant.

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Freiburg gegen Frankfurt. Auf dem Papier spielten zwei Anwärter auf den Champions-League-Qualifikationsplatz gegeneinander, immerhin der Tabellenfünfte gegen den Vierten. Der erfrischend-unbekümmerte Aufsteigerfußball der Eintracht traf auf die defensiv exzellent gestreichelten Freiburger. Mit viel Wohlwollen könnte man das 0:0 als "taktisch geprägt" oder wenigstens "umkämpft" zusammenfassen. Abgesehen von den ersten starken zehn Minuten der Eintracht und der Freiburger Zwischenoffensive schienen beide Teams ängstlich angesichts der Vorstellung, in der nächsten Saison möglicherweise gegen Real Madrid oder Manchester United spielen zu müssen. Freiburgs Sportdirektor Dirk Dufner hatte ja schon vorher gewarnt: Zweimal habe der SC im Europapokal gespielt, beide Male sei er anschließend abgestiegen!

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Wer stand im Blickpunkt?

Die Jugend. Borussia Mönchengladbach stellte gegen den Meister aus Dortmund erstmals den 19-jährigen Amin Younes in die Startelf. Younes ließ die Ausfälle von Patrick Herrmann und Juan Arango fast vergessen. Der Gladbacher Nachwuchskicker führte die meisten Zweikämpfe seines Teams und – noch wichtiger – schoss seinen ersten Bundesligatreffer, den 1:1-Endstand. Younes war nicht der einzige, der an diesem Spieltag von sich reden machte. Bei Dortmund feierte der Ungar Balint Bajner seinen Einstand, Schalke wechselte beim 2:1-Erfolg gegen Düsseldorf zum zweiten Mal den erst 17-jährigen Zehntklässler Max Meyer ein. Auch bei Greuther Fürth setzt man neuerdings auf die Jugend. Kein Wunder, ist Interimstrainer Ludwig Preis doch eigentlich für die U23 des Clubs verantwortlich. Gegen Bayer Leverkusen schickte er die jüngste Startelf der Vereinsgeschichte auf den Platz, darunter auch den Debütanten Johannes Geis und Startelf-Neuling Thomas Pledl. Mit Erfolg: Mit einer der besten Saisonleistungen sicherten sich die Franken am Ende einen Punkt gegen eine müde Werkself und zeigten, dass die vielzitierte Erfahrung im Abstiegskampf vielleicht doch nur was für Daabschwädzer ist.

Leserkommentare
    • SteB
    • 25. Februar 2013 11:04 Uhr

    Guter Mann!
    Ich vermisse ihn noch immer bei RWE, er ist hier unvergessen. Aber ich gönne ihm seinen Erfolg. Kickt so ein kleines Stück Essen doch in der Ersten Liga... :-)
    Und vielleicht kommt er ja irgendwann wieder nach hause.

    2 Leserempfehlungen
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    ...Sascha Mölders mich äusserlich irgendwie an "Wesley Crusher" aus "Star Trek TNG" erinnert, finde ich den Mann auch höchst sympathisch.

    Und er wirkt engagierter als ganz Hoffenheim zusammen.

  1. liebe(r) eike kühl...

    sehr schöne berichterstattung, besonders über das spiel bayern gegen bremen
    das meine ich ganz unironisch

    2 Leserempfehlungen
  2. sehr amüsant..... aber jede Serie geht mal zu Ende....

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    ..welche serie meinen sie?
    sie....sie...glauben doch jetzt wirklich nciht, dass dortmund oder sonst wer die bayern noch....ok, ich schreib jetzt mal nicht mehr weiter...träumen ist ja bekanntlich erlaubt

  3. ..welche serie meinen sie?
    sie....sie...glauben doch jetzt wirklich nciht, dass dortmund oder sonst wer die bayern noch....ok, ich schreib jetzt mal nicht mehr weiter...träumen ist ja bekanntlich erlaubt

    • Buzi
    • 25. Februar 2013 14:02 Uhr

    Die Spieltagsrückschau bringt mich jedes Mal zum lachen. Klasse!!

    Eine Leserempfehlung
  4. ...Sascha Mölders mich äusserlich irgendwie an "Wesley Crusher" aus "Star Trek TNG" erinnert, finde ich den Mann auch höchst sympathisch.

    Und er wirkt engagierter als ganz Hoffenheim zusammen.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Sascha Mölders"
  5. Wesley Crusher? Dieser Schattenparker an der Steuerkonsole? Da muss wohl eine Verwechslung vorliegen. Denny Crane würde eindeutig den stolzen Krieger Lieutenant Worf bevorzugen. Nach dem Spiel soll der Klingone Mölders zum Hoffenheimer Torwart Folgendes gesagt haben: "Die Erinnerung an dich singt in meinem Blut!"

    2 Leserempfehlungen
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    • lxththf
    • 25. Februar 2013 19:28 Uhr

    gerade sah ich ein Interview mit Lahm und da wurde mir völlig bewußt, warum Ihre Bayern manchmal etwas unsympathisch rüberkommen "Wir wollen Meister werden und das ist auch unserer Anspruch". Der erste Teil des Satzes ist völlig ok, aber es klingt einfach viel sympathischer, wenn man sagt "Wir wollen Meister werden, denn der Anspruch des Vereins ist es immer um den Titel zu kämpfen".

    • lxththf
    • 25. Februar 2013 19:28 Uhr

    gerade sah ich ein Interview mit Lahm und da wurde mir völlig bewußt, warum Ihre Bayern manchmal etwas unsympathisch rüberkommen "Wir wollen Meister werden und das ist auch unserer Anspruch". Der erste Teil des Satzes ist völlig ok, aber es klingt einfach viel sympathischer, wenn man sagt "Wir wollen Meister werden, denn der Anspruch des Vereins ist es immer um den Titel zu kämpfen".

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    Wo ist das Problem? Den Unterschied zu Ihrem Formulierungsvorschlag, müssen Sie mir schon genauer erklären. Verzeihen Sie, aber das ist doch Pfennigfuchserei. Soll sich Lahm lächerlich machen, in dem er sagt: "Wir wollen oben mitspielen..."? Ich halte es vielmehr für verlogen und offensichtlich Teil eines Marketingkonzeptes, wenn der tollste Doublegewinner aller Zeiten und zweifache Meister in Folge doch glatt behauptet, er wolle nicht unbedingt Meister werden. Wer's glaubt, wird selig. ... Aber ich wollte ja eigentlich meinen Fikus gießen...

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