Doping-DebatteDoping freigeben? Ja, jetzt und kontrolliert!

Nur ein radikaler Wechsel hilft: Gert G. Wagner widerspricht dem Philosophen G. Gebauer und fordert die Freigabe von Doping und die Pflicht eines Medikamentenpasses. von Gert G. Wagner und Edward Castronova

Blutproben für den Dopingtest

Blutproben für den Dopingtest  |  © Valentin Flaurad/Reuters

Dieser Text ist Ausgangspunkt für das erste Philosophische Armdrücken mit Gunter Gebauer. Der Ökonom Gert G. Wagner wird am Donnerstag im Berliner Veranstaltungsraum von ZEIT ONLINE die Reaktionen auf seinen Text diskutieren und gegen Gebauer antreten. Gebauer ist Sportphilosoph und tritt für ein Dopingverbot ein. Seinen Text zur Debatte lesen Sie hier.

Wer Doping bekämpfen will, etwa um der Jugend ein Vorbild zu bieten, muss sich den Kern des Problems klarmachen. Dazu gehören nicht nur die medizinischen, juristischen und pädagogischen Dimensionen, sondern vor allem die Ziele und Anreize, die Hochleistungssportler haben. Deswegen können auch Ökonomen und Sozialwissenschaftler etwas dazu sagen und zur Lösung des Problems beitragen.

Unter den Begriff Doping fallen, so glauben die Doping-Gegner, "künstliche Maßnahmen zur Steigerung der Leistung eines Sportlers". Die Leistung beruhe dann nicht auf Talent, Disziplin und Trainingsfleiß. An dieser Stelle beginnt bereits der Irrglaube: Warum sind Unterschiede in der Sportausrüstung, etwa bei der Qualität der Schuhe, erlaubt, aber Medikamente und andere Maßnahmen der ärztlichen Kunst nicht? Schuhe sind ja nicht Teil des menschlichen Körpers und trainieren kann ein Sportler sie auch nicht.

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Auch die Trainingsmöglichkeiten unterscheiden sich zum Beispiel in armen und reichen Ländern. Schlechtes Training muss also nichts mit Faulheit zu tun haben. Warum werden diese Ungerechtigkeiten hingenommen, nicht aber Ungleichheiten bei Medikamenten und Therapien?

Die offizielle Antwort lautet: Weil Doping die Gesundheit der Athleten schädigt. Stimmt, aber Hochleistungstraining ist per se nicht unbedingt gesund. Von offenkundig ungesunden Regeln und extremen Leistungsanforderungen etwa beim Turnen oder Gewichtheben ganz zu schweigen. Warum nun darf oder soll ein Athlet seinen Köper durch exzessives Training und brutalen Wettkampf schädigen, nicht aber durch Doping?

Die Antwort der Sportfunktionäre und Sportwissenschaftler lautet: Weil das Doping-Verbot zu den Regeln des Sports gehört, haben Wettkämpfer sich daran zu halten. Basta. Nur Dank seiner vollkommenen Regelhaftigkeit eignet sich der Wettkampfsport als pädagogisches Vorbild. Basta. Aber bewiesen ist das nicht.

Nicht nur deshalb ist ein hier und dort gefordertes Anti-Doping-Gesetz nicht zu Ende gedachter pädagogischer Aktionismus.

Leserkommentare
    • lxththf
    • 26. Februar 2013 16:02 Uhr

    es wird immer zeitiger gedopt und die Folgen davon kann man dabei wunderbar bei ehemaligen DDR-Leistungssportlern betrachten (es gab dazu eine sehenswerte Ausstellung im zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig).
    Das schlimme daran ist, dass es doch dann bereits beim Nachwuchs freigegeben wird, sich vielleicht sogar mehr Sportler finden und diejenigen, die sich dagegen entscheiden chancenlos und abgeschlagen sein werden, denn der Wettkampferfolg ist für viele Athleten die Existenzgrundlage.
    Es ist sehr interessant, dass dieses Thema diskutiert wird, aber bei diesem Thema werde ich persönlich meine Meinung nicht ändern. Doping ist eben nicht einfach nur ein Turnschuh, denn dieser hat keine schädlichen Langzeitfolgen. Auch der Vergleich zwischen den Trainingsbedingungen zwischen armen und reichen Ländern/Athleten ist berechtigt und auch dafür wäre ein finanzieller Ausgleich über den jeweiligen Dachverband diskutabel.
    Aber ich würde nichts an den eigentlich Parametern des Sports ändern. Sportler haben diesen Vorbildcharakter und warum sollten dann z.B. Schüler davor zurückschrecken sich vor Klassenarbeiten mit Medikamenten vollzupumpen, damit sie fokusiert Prüfungen bestehen?
    Der Sport hat eine hohe moralische Verpflichtung und leider sind sich viele Sportler dem nicht bewußt. Umgekehrt sollte der gesellschaftliche Erfolgsdruck auf Athleten gesenkt und nicht so gute Leistungen akzeptiert werden.

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    das wir dann das Problem kiegenwarum man nicht auch für Kallsnarbeiten oderleistungstest im Sport unterriche mal schnell was einwerfen sollte, ab besten natürlich ganau das was das grosse Vorbild auch nimmt.

    Aber nicht nur das ein anderes Probem ist dann, das immer noch der der verbotene Dopingmittel nimmt einen unfairen Vorteil hat, und sich nun mal auch mit einer Buchführung der erlaubten Supstansen nicht nachweisen löst wer illegales macht. Man könnte dann nur viel mehr legale mittel laut buch verordnen aber dennoch illegale Mittel nehemn. Da es ja jetzt schon so ist das die neusten Dopingmittel kaum nachweisbar sind, sind sie dann auch mit buch und erlaubten Dopingmitteln kaum nachweisbar.

    Wer jetzt Dopt wird auch in einen system mit legalen und illegalen Supstensen zu den wirksamsten greifen auch wenn die illegal sind. Es ist zu viel Geld in Umlauf in diesen Geschäftsfeld als das irgentwer dort vor fälschen der Medikamentenbücher zurückschrecken würde.

    Und würden Leue dafor zurückschreken, hätten wir kein Dopingproblem. Vor den buch wo man unterschreiben muss das man nicht gedopt ist würden dann imme wieder Leute Gewissensanfälle haben und den Wetkampf abbrechen.

    aber in der realität hält sie Unterschrifen udn Bücher schon lange nicht mehr auf. Also ein Sinnloser Vorschlag der die Grentze nur noch mehr verwischt und NAchweise aufgrund von legaler Substancen im Blut nur erschweren würde.

  1. 3. Kamel

    Das sind Argumente.... wie eine Nadel die sich selbst, samt Kamelkutsche durchs Öhr zieht!

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  2. "In den Medikamenten-Pass sind alle Medikationen und Therapien einzutragen. Und wem nachgewiesen wird, dass er etwas nicht eingetragen hat, der wollte sich offensichtlich einen Vorteil verschaffen, und wird deswegen bestraft."

    Und der Unterschied zu heute wäre welcher?

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    im Menschen und auch bei Tieren führen.
    In vielen Fällen greift der Körper durch Doping auf die autonomen Leistungsreserven zurück. Er verbraucht also Energie, die zur Aufrechterhaltung der organischen Funktionen erforderlich sind. Das sind dann die Fälle, wo Sportler einfach während des Wettkampfes tot umfallen, weil Organe einfach ihre Funktion einstellen.
    Deshalb kein Doping. Im übrigen ist es dringend erforderlich, da Staatsanwälte sich die Funktionäre im Sport greifen, die im Rahmen der Dopingkontrollen keine saubere Arbeit abliefern.

    • jojocw
    • 26. Februar 2013 16:10 Uhr

    um eine Chance zu haben. Doping wäre die Voraussetzung für Erfolge.

    Denn man schaut ja beim Gewinn nicht in den Doping/Medikamentenpass, sondern der erste hat gewonnen fertig, egal was in seinem Pass steht.

    Beim Radsport haben am Ende fast alle gedopt, weil sie sonst keine Chance hatten.

    Man muss konsequent kontrollieren und härter sanktionieren.

    Alles andere wäre pervers.

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    • gquell
    • 26. Februar 2013 18:09 Uhr

    Ich kenne einige Sportler aus dem Kraftsportbereich, die gedopt hatten. Allen gemeinsam war, daß sie den leichten Weg gehen wollten. Sie waren einfach nicht bereit, ihren Sport wirklich konsequent zu betreiben.
    Sie sind dann lieber den einfacheren Weg gegangen, sie haben gedopt. Das Ergebnis waren gute Leistungen. Dummerweise leben einige von denen heute nicht mehr, sie starben an Herzerkrankungen. Es mag sein, daß die Dopingmittel kurzfristig nicht schaden - aber langfristig.

  3. "Warum sind Unterschiede in der Sportausrüstung, etwa bei der Qualität der Schuhe, erlaubt, aber Medikamente und andere Maßnahmen der ärztlichen Kunst nicht."

    Diese Argumente ziehen nun gar nicht. Mit den Doping-Toten des Radsports ließe sich - zynisch gesagt - ein kleiner Friedhof anlegen. Wegen des Tragens minderwertiger Sportschuhe dagegen kam noch kein Athlet ums Leben. Wer die Grenzen für Doping ausweiten will, muss damit rechnen, dass genau an diesen erweiterten Grenzen erneut Überschreitungen geprobt werden. So ginge das bis ins Unendliche weiter.
    Nein, in diesem Disput heißt der Sieger Günter Gebauer durch K.o. in der ersten Runde!

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  4. Früher hatten die Sportler sich des Dopings zu enthalten. Jetzt sollen sie darüber Buch führen? Und alle werden ganz, ganz ehrlcih sein, niemand wird das Aller- Aller- Allerneueste vor den anderen haben? Weil alle jetzt plötzlich vor Ethik triefen? Und gaanz ehrlich sind?
    Nein. Nur die Reichsten werden es sich erlauben können. Nur die finanzkräftigsten "Sportvereine" setzen sich heute schon durch. Es ist eine Frage des Geldes.
    Also müssen wir, Normalbürger, dafür sorgen, dass man mit Sport und WErbung nicht mehr so viel Geld verdienen kann. Dann ist Doping auch kein so großes Problem mehr.

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  5. Dopingprohibition wie jetzt führt zu einem florierendem Schwarzmarkt und exorbitante Gewinne der Produzenten von Epo und Co, ganz legal und nebenbei auch Sponsoren des Sports. Die Freigabe von Doping würde die Gewinne von Pharmaunternehmen deutlich reduzieren, diese sind die einzigen Gewinner des Systems, die Sportler nur Mittel zum Zweck, deshalb Sponsoring.
    Der Sportler , der mit und über seinem Körper Geld verdient muss sichtbar vor Augen haben was er tut und sich bewusst dafür entscheiden, sonst endet Leistung am Pranger der Gewinne der Pharmaindustrie.

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    "Dopingprohibition wie jetzt führt zu einem florierendem Schwarzmarkt und exorbitante Gewinne der Produzenten von Epo und Co..."

    "Die Freigabe von Doping würde die Gewinne von Pharmaunternehmen deutlich reduzieren, diese sind die einzigen Gewinner des Systems..."

    Als ob der böse Pharmakonzern A in seinen Labors das illegale Dopingmittel Ultradop 250mg zusammenmischen und dann großangelegt auf dem Schwarzmarkt vertreiben würde.

    Viele Dopingmittel sind völlig normal zugelassene Medikamente, die unter Umgehung der Rezeptpflicht illegal beschafft und dann missbräuchlich verwendet werden. Kein Pharmaunternehmen stellt spezielle Dopingmittel her. Und der Anteil der für solche Zwecke missbrauchten Medikamente an der Gesamtproduktion dürfte verschwindend gering sein.

    Die großen Gewinner beim Doping sind nicht die Pharmakonzerne, sondern Zwischenhändler auf dem Schwarzmarkt, korrupte Ärzte und nicht zuletzt eben die gedopten Sportler, die an der Spitze des Eisbergs Millionen verdienen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Telekommunikation | Doping | Medikament | Sportfunktionär | Sportler | Therapie
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