Bundesliga-Rückschau : Ein #aufschrei geht durch die Bundesliga
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Ist Fürth mit dem Sieg auf Schalke dem Abstieg näher gekommen?

Worüber reden nach dem Spieltag alle?

Über die Totgesagten aus der Abstiegsgruft, vor allem die Spielvereinigung Greuther Fürth. Den letzten Sieg hatte sie vor achtzehn Spielen eingefahren, etwa zu der Zeit, als Wetten dass... ? noch von dem unbestechlichen Frank Elstner moderiert wurde. Seitdem bewarben sich die Fürther, wenn sie mal vor dem Tor aufkreuzten, regelmäßig um die Auszeichnung zum Pechvogel des Jahres. Nun gewannen sie beim Champions-League-Achtelfinalisten Schalke und verdüsterten die dortige Stimmung um Jens Keller. Den Sieg durch ein Tor in der 92. Minute feierten auch zwei Schalker Legenden: Gerald Asamoah, Mitglied der Schalker Elf des Jahrhunderts, der erstmals in der Arena für die Gegenseite auflief und von den Schalker Fans gefeiert wurde; und Mike Büskens, einer der 97er Eurofighter, der mit dem Sieg nicht die schlechteste Bewerbung für eine vielleicht bald neuzubesetzende Schalker Trainerbank abgab. Doch die Konkurrenz punktete dummerweise auch: Hoffenheim, Nürnberg und Düsseldorf siegten, Augsburg erkämpfte sich ein Remis in Wolfsburg. Von den Teams, die sich vor dem Spieltag in der unteren Tabellenhälfte fanden, verlor nur der VfB Stuttgart. Ist Fürth mit dem Sieg auf Schalke dem Abstieg sogar näher gekommen?

Wie verlief das Twitter-Spiel?

ZEIT ONLINE twittert mindestens ein Spiel jedes Spieltags live. Am Sonntagabend hat Oliver Fritsch die Partie Leverkusen gegen Dortmund live im Stadion verfolgt. Hier einige der Tweets. Alle Beiträge können Sie hier nachlesen.

zeitonlinesport Die Fans aus Leverkusen sind bereit: wie ich höre, Choreo mit 7000 Luftballons, rot und mundgeblasen
zeitonlinesport DAS war mal ein echter No-Look-Pass von Gündogan. Und nicht so ein Pseudoding wie es im Fernsehen oft heißt.
zeitonlinesport Stabiles WLAN selbst in der Mixed Zone. Auch das ist Leverkusen.
zeitonlinesport Welchen Milchbubi interviewen die Kollegen dort? Oh, das ist der Dortmunder Keeper!

Was machten die Frauen?

Ein #aufschrei ging an diesem Wochenende durch den Bundesliga-Fußball. Genau genommen sogar sechs. So oft nämlich durfte Christina Graf beim 1:5-Zweitligakick zwischen Jahn Regensburg und der Hertha aus Berlin ein Tor vermelden. Pünktlich zur großen deutschen Sexismus-Debatte war Graf damit die erste Frau, die live ein Bundesliga-TV-Spiel kommentierte. Das kann man erfreulich finden, oder peinlich. Zur Erinnerung: Wir schreiben das Jahr 2013. Und es war nur die Zweite Liga. Graf machte ihre Sache jedenfalls ordentlich. Die ehemalige Bundesligaspielerin setzte sich in einem öffentlichkeitswirksam inszenierten Casting gegen 1200 Mitbewerberinnen durch. Grafs Debüt erfolgte übrigens auf den Tag genau 40 Jahre, nachdem erstmals eine Frau eine Fußballsendung moderierte: Carmen Thomas, ja die. Bleibt zu hoffen, dass Christina Graf ein ähnliches Schicksal erspart bleibt.

Was war sonst noch wichtig?

Kevin Pezzonis bemerkenswerte Rückkehr nach Köln. Fast wäre es eines dieser Fußball-Märchen geworden. Vor einem halben Jahr trennte sich der FC von seinem Abwehrspieler, weil der von eigenen Fans mehrfach bedroht und eingeschüchtert wurde. Der Verein verpasste damit ein Zeichen gegen Gewalt, er beugte sich ihr sogar. Am Samstag kehrte Pezzoni mit seinem neuen Arbeitgeber Erzgebirge Aue zurück, und wie: Beim Stand von 0:1 gegen sein Team fliegt dem Abwehrspieler im Kölner Strafraum der Ball vor die Nase. Jene Nase, die einst ein Köln-Fan mittels Faustschlag brach. Pezzoni köpfte das 1:1, sein überhaupt erst viertes Tor in seinem Profileben. Erst in der Nachspielzeit schoss Köln den Siegtreffer, dennoch waren die Kölner irgendwie auch Verlierer. Zwar hing im Stadion ein "Sorry, Kevin"-Transparent, Pezzoni wurde trotzdem bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen. Nach dem Schlusspfiff, als sich Pezzoni bei den Gäste-Fans bedanken wollte, sprang gar ein Kölner Anhänger über die Bande und wollte Pezzoni an den Kragen. Ordner mussten ihn aufhalten. "Ich werde Köln auch in Zukunft nicht meiden, nur weil es hier ein paar Idioten gibt", sagte Pezzoni und zeigte, dass er der einzige Gewinner dieses Spiels war.

Was war das Zitat des Spieltags?

"Ich kann mich nicht erinnern, dass ein Manager so oft an der Linie war wie Matthias Sammer, der mich zudem verbal attackierte. Ich glaube nicht, dass der Trainer einer gegnerischen Mannschaft von unserem Manager schon einmal attackiert wurde. Dafür habe ich kein Verständnis."

(Der Mainzer Trainer Thomas Tuchel nach dem Spiel beim FC Bayern)

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Kommentare

30 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Weiblicher Kommentator

Die ehemalige Bundesligaspielerin setzte sich in einem öffentlichkeitswirksam inszenierten Casting gegen 1200 Mitbewerberinnen durch.

das war die Aktion, die wochenlang bei Sky rauf- und runtergelaufen ist, oder? Habe schon gedacht, die hätten niemand gefunden. So groß angekündigt und dann mucksmäuschenstill. Habe gestern und vorgestern Buli geguckt auf Sky und nichts davon mitbekommen...

Über "diesen Schuh"

...hätten wir überhaupt nicht reden müssen. Er wäre mir auch keine Zeile wert gewesen, wenn nicht vor dem schlichten und normalem Wort aufschrei dieses Zeichen gestanden hätte "#"

Kann es sein, dass wegen der Überschrift kein Wort über die Aktion des VFL Wolfsburg im Artikel stand? Wäre dann schon ein wenig unpassend.

Ein wenig mehr Respekt und Sensibilität schadet auch in einer Glosse nicht. Sie wissen doch am Besten, für welche Zielgruppe Sie schreiben.

Aber ich habe Ihre Antwort zur Kenntnis genommen. Vielen Dank dafür.

#Abschrei

Wenn man es genauer nimmt, ist alles was in den Zeitungen steht mehr oder weniger ein #Aufschrei. Nur dauert der eine etwas länger, der andere ist sehr kurz und ein weiterer (die dicken Fische) werden so lange durchgespült, bis es weh tut. Notwendig für einzelne Medien wäre ein #Abschrei. Heißt: Debatte beendet und wir verzichten auf weitere Ausbeutung des Themas. Ende.

Nee, nee

Das war ein Doppelposting, das als "nicht konstruktiv" bezeichnet wurde, nicht der Rede wert.

Lewa zum FCB? Täte weh, aber was will man machen? Dass er geht, steht für mich schon lange fest, Ausland wäre mir lieber gewesen, klar. Aus seiner Sicht aber nicht unbedingt ein unlogischer Schritt. Und man kann sich's ja auch schönreden: 2011 sind wir auch ohne ihn (bzw. nur als Barrios-Backup) Meister geworden, seine Quote Chancen/Tore ist nicht gerade berauschend, auch Sahin und Kagawa galten als unersetzlich und wurden doch gut kompensiert, Zorc/Watzke/Klopp hatten in den letzten Jahren ein gutes Händchen für ungeschliffene Juwelen, warum nicht diesmal wieder etc. pp.
Und warum sollte es zwischen BVB- und Bayernfans keine Gemeinsamkeiten geben? Ich bin sogar mit einer aus Ihrem Lager (und Lande) verheiratet.... So weit kann's gehen ;-)