Der Chef-Reformer des Fußball-Weltverbands Fifa hat Vorwürfe gegen europäische Funktionäre und gegen deutsche Vertreter erhoben. Der Schweizer Strafrechtler Mark Pieth sagte der Süddeutschen Zeitung, die Vorschläge für eine transparentere Organisation des Weltverbandes würden aus den Reihen der Uefa torpediert, und zwar von "allen Europäern, einschließlich Deutscher Fußball-Bund".

Reformen wie die Ethik-Prüfung neuer Komitee-Mitglieder oder eine Amtszeitbeschränkung werden demnach in Europa bekämpft. "Und dann lese ich Schlagzeilen wie: Uefa will mehr Reform. Im Gegenteil: Europa, die Uefa, die demontieren die Reform", sagte Pieth. Der gesamte Reformprozess drohe zu scheitern, Pieth bezeichnete die Lage als dramatisch. "Es besteht die Gefahr, dass die Fifa noch einmal zehn Jahre verliert", sagte er.

DFB-Chef Wolfgang Niersbach und sein Amtsvorgänger Theo Zwanziger wiesen die Anschuldigen zurück. "Die Vorwürfe von Professor Pieth sind für mich unverständlich", sagte Zwanziger. Niersbach sagte der  Frankfurter Allgemeinen Zeitung: "Von einer Blockadehaltung gegenüber Reformbestrebungen kann überhaupt keine Rede sein." Vielmehr habe ein Großteil der Reformvorschläge die Zustimmung der europäischen Verbände gefunden.

Pieth ist der Vorsitzende der "Unabhängigen Kommission für Governance". Das Komitee soll die Fifa von Korruption befreien. Scharfe Kritik übte der Jurist auch an der Ernennung von Michael Garcia als Chef der Ethikkommission. Pieth hatte ihn nicht auf diesem Posten haben wollen. Einzig politische Gründe hätten gegen den von ihm favorisierten Kandidaten, den Argentinier Luis Moreno Ocampo, gesprochen.