All das wirkt befremdlich. Erst recht, da der Altrektor der Kommission auch ein Zeitzeugengespräch verweigerte. "Nicht zielführend", beschied Jäger knapp.

Die Wissenschaftler hatten ihr Begehr mit dem "hochpolitischen Umfeld" begründet, in dem die Freiburger Sportmedizin agierte. Mit dem hat auch Oberstaatsanwalt Frank Erfahrung. Schon in den achtziger Jahren ermittelte er gegen Armin Klümper. Zwar nur wegen Abrechnungsbetrugs. Aber damals erlebte er, wie sich mit "dem Doc" solidarisierte, was Rang und Namen hatte im Spitzensport: Fußballer wie die Hoeneß-Brüder, Turn-Weltmeister Eberhard Gienger oder Fecht-Olympiasiegerin Anja Fichtel. Kurz nach dem Urteil gegen ihn wurde Klümper bei einem Empfang von Prominenz aus Landes- und Sportpolitik hofiert. Das habe ihn, sagte Frank, "erstmals für ein bestimmtes Klima sensibilisiert".

Vielleicht ist dem Breisgauer Klima auch die jüngste Reaktion auf die Vorwürfe der Paoli-Kommission zuzurechnen. "Sachlage eindeutig: Keine Hinweise auf ‚Manipulation’ des Arbeitsauftrags durch Altrektor Jäger". So konterte die Universität am Mittwochabend. Pikanterweise wird als Beleg ein Schreiben von Jäger zitiert, dessen angebliches Gewicht die Kommission bereits entkräftet hat. Dass die Universität dergleichen beiseite wischt, macht das Zerwürfnis perfekt.

Der aktuelle Rektor Schiewer übrigens hatte Paoli vorab gewarnt, in Sachen Arbeitsauftrag die Öffentlichkeit zu informieren: "Eventuelle Kritik muss im Rahmen des Abschlussberichts geäußert werden." An ihn ist in der Dokumentation die Frage adressiert, warum er Recherche-Ergebnisse zur Auftragsmanipulation seit Monaten ignoriere. Das dürfte nun auch – falls es dafür nicht zu spät ist – Theresia Bauer interessieren, die Wissenschaftsministerin von Baden-Württemberg.

Ihr Haus erklärte am Donnerstag lapidar, es wünsche eine "konstruktive Einigung". Obgleich die Grünen-Politikerin von der Kommission informiert wurde, hat die Landesregierung dem Treiben an der Freiburger Universität bisher ohne öffentlich wahrnehmbares Interesse zugesehen. Wohl kaum, weil die Aufklärung im Breisgau so toll läuft.