Kartenpreise sind in Deutschland ein heikles Thema. Sie rütteln am Selbstverständnis vieler Fans. Der Fußball soll doch für alle da sein. Die Fans befürchten hohe Ticketpreise wie in der englischen Premier League, noch mehr Kommerz, Cheerleader und reiche Scheichs.

Deshalb klagte Schalke 04 vor vier Jahren gegen die Kartenbörse seatwave, auf der eifrig Handel mit Bundesliga-Tickets betrieben wurde. Und bekam Recht. Diese Art von Zweitmarkt könne nicht im Interesse von Fußballfans sein, sagten Schalkes Verantwortliche damals und ließen sich für den "Sieg gegen Tickethändler" bejubeln. Doch nun hat der Verein aus Gelsenkirchen angekündigt, selbst mit einem Kartendealer zusammenzuarbeiten.

Der Verein hat vor ein paar Monaten einen Deal mit dem Ticketmakler viagogo geschlossen. Die Plattform ist ein legalisierter Schwarzmarkt. Was sich früher in dunklen Ecken vor Stadien und Konzerthallen abspielte, wird nun sauber übers Internet abgewickelt. Dabei operiert das Unternehmen in einer rechtlichen Grauzone, mit dem Segen etlicher Bundesliga-Klubs. Auch der FC Bayern München, der VfB Stuttgart, Hannover 96, der 1. FC Nürnberg, der VfL Wolfsburg und der FC Augsburg arbeiten mit dem Kartendealer zusammen. Das Unternehmen, 2006 in England gegründet und mittlerweile größter Tickethändler der Welt, drängt mit Macht in die Bundesliga.

Begleitet wird diese Geschäftsoffensive fast überall von heftigen Fanprotesten. Am vergangenen Wochenende sammelten Schalker Fans beim Auswärtsspiel in Mainz Unterschriften, die Stuttgarter Fans hielten in Hoffenheim ein Spruchband in die Höhe: "Rote Karte für Viagogo!" Proteste gab es in dieser Spielzeit auch schon in Hannover, Nürnberg und beim Zweitligisten aus Kaiserslautern.

Die Fans haben Angst, durch viagogo abgezockt zu werden. Der Verkäufer einer Karte kann auf der Plattform den Verkaufspreis selbst bestimmen und erlöst oft einen satten, manchmal fast utopischen Aufschlag. Für das Champions-League-Finale im vergangenen Jahr konnte man ein Ticket für mehr als 14.000 Euro erwerben. Für ein Stehplatzticket für ein Konzert der Rolling Stones im Oktober 2012 hätte man gut 4.500 Euro ausgeben können.

Das Unternehmen behauptet, im Sinne von Fans und Vereinen zu arbeiten. "Wir wollen leere Plätze füllen und Fans vor Ticketbetrug schützen", sagt der viagogo-Sprecher Steve Roest. Wer Tickets für ein ausverkauftes Event erwerben wolle, sei bei viagogo besser aufgehoben als irgendwo auf der Straße oder bei eBay, wo niemand sagen könne, ob die Karten echt seien. Viagogo garantiere das. Zudem gebe es nicht nur teure Tickets. Für fünf Euro könne man zu Leverkusen gegen Hoffenheim. "Wir bringen eine gute Sache in die Welt", sagt Roest.

Roest hat in einem Punkt recht: Einen Schwarzmarkt gab es schon immer. Die teilweise horrenden Preise regelten Angebot und Nachfrage. Viagogo aber macht das Ticketverschieben einfacher. Für Privatpersonen, die ausnahmsweise mal verhindert sind, mag das von Vorteil sein. Von dem Portal profitieren aber auch professionelle Schwarzhändler, die Tickets in großen Mengen erwerben, mit dem einzigen Ziel, sie später gewinnbringend weiterzuverkaufen. Ein englisches TV-Magazin enthüllte, dass nicht einmal ein Viertel der angebotenen Karten auf viagogo von Privatpersonen stammen. Profi-Dealer seien deutlich in der Überzahl. Roest widerspricht: "Die meisten der viagogo-Händler verkaufen weniger als 10 Tickets pro Jahr."

Heikel könnte es für viagogo wegen eines weiteren Kritikpunktes werden: Die Dokumentation hatte aufgedeckt, dass viagogo selbst Karten beim Veranstalter erwerbe, um sie später mit Gewinn weiterzuverkaufen. Diesen sogenannten Schleichbezug könnten deutsche Veranstalter rechtlich unterbinden. Im Falle der kooperierenden Bundesliga-Vereine ist das jedoch unwahrscheinlich, weil sie ja freiwillig mit viagogo zusammenarbeiten.