Online-KartendealerWo ein Fußballticket 14.000 Euro kostet

Der Kartendealer viagogo drängt auf den deutschen Fußball-Markt und sichert sich Tickets direkt von Bundesligisten. Die Fans sind wütend. Von Christian Spiller von 

Zunehmend auch im Netz: Tickethandel beim Fußball

Zunehmend auch im Netz: Tickethandel beim Fußball  |  © Jeff J Mitchell/Getty Images

Kartenpreise sind in Deutschland ein heikles Thema. Sie rütteln am Selbstverständnis vieler Fans. Der Fußball soll doch für alle da sein. Die Fans befürchten hohe Ticketpreise wie in der englischen Premier League, noch mehr Kommerz, Cheerleader und reiche Scheichs.

Deshalb klagte Schalke 04 vor vier Jahren gegen die Kartenbörse seatwave, auf der eifrig Handel mit Bundesliga-Tickets betrieben wurde. Und bekam Recht. Diese Art von Zweitmarkt könne nicht im Interesse von Fußballfans sein, sagten Schalkes Verantwortliche damals und ließen sich für den "Sieg gegen Tickethändler" bejubeln. Doch nun hat der Verein aus Gelsenkirchen angekündigt, selbst mit einem Kartendealer zusammenzuarbeiten.

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Der Verein hat vor ein paar Monaten einen Deal mit dem Ticketmakler viagogo geschlossen. Die Plattform ist ein legalisierter Schwarzmarkt. Was sich früher in dunklen Ecken vor Stadien und Konzerthallen abspielte, wird nun sauber übers Internet abgewickelt. Dabei operiert das Unternehmen in einer rechtlichen Grauzone, mit dem Segen etlicher Bundesliga-Klubs. Auch der FC Bayern München, der VfB Stuttgart, Hannover 96, der 1. FC Nürnberg, der VfL Wolfsburg und der FC Augsburg arbeiten mit dem Kartendealer zusammen. Das Unternehmen, 2006 in England gegründet und mittlerweile größter Tickethändler der Welt, drängt mit Macht in die Bundesliga.

Begleitet wird diese Geschäftsoffensive fast überall von heftigen Fanprotesten. Am vergangenen Wochenende sammelten Schalker Fans beim Auswärtsspiel in Mainz Unterschriften, die Stuttgarter Fans hielten in Hoffenheim ein Spruchband in die Höhe: "Rote Karte für Viagogo!" Proteste gab es in dieser Spielzeit auch schon in Hannover, Nürnberg und beim Zweitligisten aus Kaiserslautern.

Die Fans haben Angst, durch viagogo abgezockt zu werden. Der Verkäufer einer Karte kann auf der Plattform den Verkaufspreis selbst bestimmen und erlöst oft einen satten, manchmal fast utopischen Aufschlag. Für das Champions-League-Finale im vergangenen Jahr konnte man ein Ticket für mehr als 14.000 Euro erwerben. Für ein Stehplatzticket für ein Konzert der Rolling Stones im Oktober 2012 hätte man gut 4.500 Euro ausgeben können.

Das Unternehmen behauptet, im Sinne von Fans und Vereinen zu arbeiten. "Wir wollen leere Plätze füllen und Fans vor Ticketbetrug schützen", sagt der viagogo-Sprecher Steve Roest. Wer Tickets für ein ausverkauftes Event erwerben wolle, sei bei viagogo besser aufgehoben als irgendwo auf der Straße oder bei eBay, wo niemand sagen könne, ob die Karten echt seien. Viagogo garantiere das. Zudem gebe es nicht nur teure Tickets. Für fünf Euro könne man zu Leverkusen gegen Hoffenheim. "Wir bringen eine gute Sache in die Welt", sagt Roest.

Roest hat in einem Punkt recht: Einen Schwarzmarkt gab es schon immer. Die teilweise horrenden Preise regelten Angebot und Nachfrage. Viagogo aber macht das Ticketverschieben einfacher. Für Privatpersonen, die ausnahmsweise mal verhindert sind, mag das von Vorteil sein. Von dem Portal profitieren aber auch professionelle Schwarzhändler, die Tickets in großen Mengen erwerben, mit dem einzigen Ziel, sie später gewinnbringend weiterzuverkaufen. Ein englisches TV-Magazin enthüllte, dass nicht einmal ein Viertel der angebotenen Karten auf viagogo von Privatpersonen stammen. Profi-Dealer seien deutlich in der Überzahl. Roest widerspricht: "Die meisten der viagogo-Händler verkaufen weniger als 10 Tickets pro Jahr."

Heikel könnte es für viagogo wegen eines weiteren Kritikpunktes werden: Die Dokumentation hatte aufgedeckt, dass viagogo selbst Karten beim Veranstalter erwerbe, um sie später mit Gewinn weiterzuverkaufen. Diesen sogenannten Schleichbezug könnten deutsche Veranstalter rechtlich unterbinden. Im Falle der kooperierenden Bundesliga-Vereine ist das jedoch unwahrscheinlich, weil sie ja freiwillig mit viagogo zusammenarbeiten.

Leserkommentare
  1. ..., dass nicht einmal ein Viertel der angebotenen Karten auf viagogo von Privatpersonen stammen."

    Man konnte das ja auch schön bei Ebay sehen. Als die Tickets für BVB-Real an einem Freitag Vormittag verkauft wurden, gab es wenige Minuten (!) nach Verkaufsstart schon Tickets in hoher Stückzahl. Der häufigste Grund, aus dem die Tickets verkauft wurden, war "Abwesenheit wegen Urlaub". Muss wohl sehr kurzfristig gebucht worden sein...

    Dass die Vereine nicht stärker gegen diesen Zweitmarkt vorgehen ist mir unverständlich. Verdient doch eine andere Firma mit ihrem Produkt.

    Bei Konzert-Tickets über tickets.de ist es übrigens anders gelöst: alles personalisiert, eine angeschlossene Ticketbörse und kein Verkaufspreis über dem Einkaufspreis.
    Hab dort schon problemlos gekauft und verkauft.

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    • scoty
    • 21. Februar 2013 16:17 Uhr

    " meine Frau droht mit Scheidung "
    ( keine Erlaubnis )

    :)

    • scoty
    • 21. Februar 2013 16:17 Uhr

    " meine Frau droht mit Scheidung "
    ( keine Erlaubnis )

    :)

  2. Journalist sagt:

    "Die meisten angebotenen Karten kommen von professionellen Händlern"

    viagogo widerspricht:

    "Die meisten Händler verkaufen weniger als 10 Tickets pro Jahr."

    beides wird richtig sein. Ein Profihändler verkauft 10.000 Tickets und verdient daran ein Heidengeld und 50 normale Fans verkaufen je 1 Ticket und verdienen daran nix. Viagogo widerspricht der Aussage es würden überwiegend Tickets professioneller Anbieter gar nicht.

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  3. Schalke braucht 12.000, nicht 8.000. ;)

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    Redaktion

    Lieber tanzautomat,

    danke für den Hinweis. Wir haben die Zahl korrigiert. Entschuldigen Sie das Versehen.

    Beste Grüße aus der Redaktion
    Christian Spiller

  4. Das beste, was man als Normalo da machen kann, ist Verein und/oder Veranstaltung dauerhaft zu boykottieren. Gilt übrigens auch für den Wahnsinn mit den TV-Rechten. Keine Abos abschließen, keine Sportsbar-Besuche - und wenn jetzt auch noch mit den Ticketpreisen hantiert werden soll, dann halt auch keine Stadionbesuche. Wer nach etwas vernüftigeren Alternativen der Sportunterhaltung trachtet, dem kann ich Handball wärmstens empfehlen.

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  5. Redaktion

    Lieber tanzautomat,

    danke für den Hinweis. Wir haben die Zahl korrigiert. Entschuldigen Sie das Versehen.

    Beste Grüße aus der Redaktion
    Christian Spiller

    Antwort auf "Unterschriften"
  6. Wo viel Geld fließt, dort versuchen erfahrungsgemäß immer irgendwelche Leute ihre Finger ins Spiel zu bekommen um etwas für sich selbst abzugreifen- so ähnlich wie im Drogenhandel!

    Diese professionellen Groß(-Ticket-)Dealer, die quasi nur an der Vermittlung verdienen, von etwas, was vll nichtmal ihr Besitz ist, sind im Internetzeitalter unnötig. "Ich brauche keinen Vermittler, ich weiß, wo ich Karten kaufen kann!"

    Eine Lösung:
    --- Eine zentrale Vergabestelle des DFBs ---
    Die Vereine übermitteln ihre Kontingente an diese Stelle und Interessenten können sich dort melden. Durch so ein Management könnte auch das Problem von noch freien Plätzen einwandfrei/besser gelöst werden.
    Nebenbei könnte so auch das "Rowdy-tum" eingeschränkt werden: Wer extrem negativ und offiziell aufgefallen ist, bekommt dort keine Eintrittskarte.
    Die Kosten die für eine solche zentrale Vergabestelle für den DFB anfallen würden, kann man sicher problemlos wieder einspielen.

    4 Leserempfehlungen
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    Wer Tickets kaufen will muss sich registrieren lassen und kann dann für seinen Account personalisierte Tickets erwerben und auch nur für die auf seinen Account registrierten Personen. Wenn er die Tickets nicht nutzen kann, muss er sie an die Verkaufsstelle zurückgeben und von dort kann jemand anderes die Karten über seinen Account erwerben. Jeder der sich für den Ticketerwerb registriert hat, bekommt eine ID-Karte, mit der er auch an der Tageskasse Karten erwerben kann. Die Accountverwaltung ist zentral und übergreifend (also Theater, Sport, Konzerte...), der Kartenverkauf dezentral und dem Veranstalter überlassen (der Veranstalter sollte auch nicht gezwungen sein, das System zu benutzen).

  7. Wer Tickets kaufen will muss sich registrieren lassen und kann dann für seinen Account personalisierte Tickets erwerben und auch nur für die auf seinen Account registrierten Personen. Wenn er die Tickets nicht nutzen kann, muss er sie an die Verkaufsstelle zurückgeben und von dort kann jemand anderes die Karten über seinen Account erwerben. Jeder der sich für den Ticketerwerb registriert hat, bekommt eine ID-Karte, mit der er auch an der Tageskasse Karten erwerben kann. Die Accountverwaltung ist zentral und übergreifend (also Theater, Sport, Konzerte...), der Kartenverkauf dezentral und dem Veranstalter überlassen (der Veranstalter sollte auch nicht gezwungen sein, das System zu benutzen).

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