Wettmanipulationen"Wir haben ein dichtes kriminelles Netz aufgedeckt"

Europol-Ermittler sind auf einen der größten Wettskandale im Fußball gestoßen. Bis zu 400 Spiele seien manipuliert worden, darunter WM- und EM-Qualifikationsspiele.

Ermittler der europäischen Polizeibehörde Europol haben einen Wettbetrug bei 380 Fußballspielen zwischen 2008 und 2011 in mindestens 15 Ländern aufgedeckt. Nach Angaben von Europol-Chef Rob Wainwright wurde dabei ein Profit von acht Millionen Euro erzielt worden. Unter den manipulierten Spielen seien auch Qualifikationsspiele für Europa- und Weltmeisterschaften, Champions-League-Spiele sowie Spitzenpartien europäischer Ligen.

Wainwright sprach auf einer Pressekonferenz in Den Haag von Manipulationen "auf einem nie dagewesenen Niveau". "Wir haben ein dichtes kriminelles Netz aufgedeckt", sagte der Europol-Chef. Die Behörde ermittelt nach eigenen Angaben gegen mehr als 400 Verdächtige, darunter Offizielle, Vereinsvertreter und Schiedsrichter. Etwa 18 Monate hätten Mitarbeiter die Spiele untersucht.

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Zusätzlich werde wegen rund 300 weiterer verdächtiger Profispiele ermittelt, meist in Übersee. Betroffen seien aber auch Spanien, Großbritannien und die Niederlande. Hinter dem Wettskandal soll Europol zufolge ein asiatisches Verbrechersyndikat stehen, das auch in Europa aktiv ist.

In Deutschland offenbar 4. Liga betroffen

Das Problem sei sehr groß, sagte Wainwright. "Das ist erst die Spitze des Eisberges", erklärte der Europol-Direktor. "Das ist ein trauriger Tag für den europäischen Fußball."

Alleine in Deutschland stehen laut dem deutschen Chefermittler Friedhelm Althans 70 Partien unter Verdacht – deutlich mehr als bislang in den Prozessen am Landgericht Bochum verhandelt worden waren. Namen von verdächtigen Clubs oder Spielern wurden nicht genannt, um Ermittlungen nicht zu gefährden, hieß es zur Begründung.

Die Betrüger sollen den gemeinsamen Untersuchungen von Europol und den nationalen Strafverfolgungsbehörden zufolge mit den Manipulationen mindestens acht Millionen Euro verdient haben. Pro Spiel seien bis 100.000 Euro an Bestechung geflossen.

Althans, der die Wettmanipulationen in Deutschland untersucht, sagte laut Spiegel Online, dass zahlreiche Spiele den Ermittlern und auch der Presse bereits bekannt seien. Betroffen seien auch Spiele in Deutschland, verdächtig seien Partien aus der vierten Liga.

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Leserkommentare
  1. Es sind insgesamt über 400 Verdächtige, nicht bei jedem Spiel.

    Antwort auf "Peanuts"
  2. 18. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion leisten möchten. Danke, die Redaktion/jk

  3. Wie sollen 8 Millionen Gewinn einen 18 Monate langen internationalen Polizeieinsatz rechtfertigen?

    Und die Polizisten mussten nun offensichtlich 18 Monate lang am Arbeitsplatz nichts als Fussball gucken. Die Armen!

    4 Leserempfehlungen
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    "Wie sollen 8 Millionen Gewinn einen 18 Monate langen internationalen Polizeieinsatz rechtfertigen?"

    Soll sich wirklich die Intensität von Polizeiarbeit nach einem rein monetären Kosten-Nutzen-Verhältnis bestimmen?

    In unserer Rechtsordnung darf der rein wirtschaftliche Aspekt nicht ausschlaggebend sein. Es gibt Verbrechen, die relativ geringe wirtschaftliche Schäden hervorrufen (z.B. Mord), das darf aber nicht entscheidend für die Polizeiarbeit sein.

    Zudem: Der Gewinn, der sich aus einem Verbrechen ergibt, sagt nichts aus über den wirtschaftlichen Schaden, der dadurch verursacht wird. Wenn z.B. ein Verein wegen einer Manipulation absteigt oder frühzeitig aus einem Turnier wie der Champions League ausscheidet, können von einem einzigen Spiel Millioneneinnahmen - und die Arbeitsplätze vieler Menschen - abhängen.

    "Und die Polizisten mussten nun offensichtlich 18 Monate lang am Arbeitsplatz nichts als Fussball gucken. Die Armen!"

    Man ist dem Syndikat durch abgehörte Telefongespräche auf die Spur gekommen - hat also direkt an der Quelle recherchiert. Aber es ist ganz amüsant zu erfahren, wie sich manche so die Polizeiarbeit vorstellen.

  4. @gnaddrig: "Stimmt, das sind gut 20.000 pro Spiel. Wenn man die noch auf die etwa vierhundert Verdächtigen aufteilt, bleiben pro Spiel und Nase noch 50 Euro."

    Ihre Rechnung funktioniert in mehrfacher Hinsicht nicht: 8 Millionen Euro geteilt durch 380 Spiele geteilt durch 400 Verdächtige?

    Niemand wird ernsthaft vermuten, dass jeder der 400 Verdächtigten an der Manipulation jedes der 380 Spiele beteiligt war. Das wäre mehr als kurios, wenn 400 Menschen zusammen ein Spiel manipulieren wollten! Zwei Beteiligte dürften meist ausreichen, um ein Spiel zu verschieben: z.B. ein Spieler, der unmotiviert im Strafraum foult oder fällt, und ein Schiedsrichter, der pfeift.

    Zudem ermittelt man den Profit dadurch, dass man die Unkosten von den Einnahmen abzieht (ansonsten wäre es nicht Profit, sondern es wären Einnahmen und im Artikel somit falsch beschrieben). Wenn die acht Millionen Euro für die asiatische Wettmafia wirklich Profit sind, ergeben sie sich nach Abzug der "Unkosten". Zu den Unkosten zählt in diesem "Gewerbe" (neben den Kosten für nicht erfolgreiche Manipulationen) natürlich auch die Entlohnung der Verdächtigen, die direkt an der Verschiebung der Spiele beteiligt waren, d.h. Spieler, Offizielle, Vereinsvertreter und Schiedsrichter.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Peanuts"
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    • Voce
    • 04. Februar 2013 16:14 Uhr

    "Der Spiegel" schreibt (Zitat): " Hoher Profit bei geringem Risiko - allein in Deutschland habe die Wettmafia einen Reingewinn von acht Millionen Euro aus den Manipulationen herausgezogen, sagt der Bochumer Ermittler."

    Die 8 Millionenen beziehen sich demnach allein auf Deutschland. Wenn dem so sein sollte bleibt also noch abzuwarten, welche Gesamtzahlen aus diesem Wettskandal tatsächlich noch veroffentlicht werden.

    • lxththf
    • 04. Februar 2013 13:58 Uhr

    dass die Bundesliga nicht genannt wurde?
    Das permanente undifferenzierte "mit unseren Gebühren werden die Fußballmillionäre bezahlt" Mantra ist anstrengend, weil einfach nicht sachlich. Wenn Sie sich über die Qual der Gebührenabgabe und der damit leider verbundenen mangelnden Partizipation aufregen möchten, warum schreiben Sie dann nicht einen Leserartikel zum Thema?
    Ich wage jetzt eine mutige These. Die samstagabendliche Sportschau ist mittlerweile ein deutsches Kulturgut, genauso wie die Übertragung von Länderspielen. Unabhängig davon zahlen Vereine, der Verband, die Spieler Steuern, so dass die staatlichen Einnahmen die Ausgaben weit überschreiten und wissen Sie wer davon auch profitiert? Steuerzahlende Fußballhasser wie Sie.

    Und direkt zum Thema Wettskandal. Das Image der UEFA und FIFA ist sowieso schon sehr fragwürdig (Korruptionsvorwürfe) und dazu dann dieser Skandal? Man hätte wohl auch mit einer WM Vergabe an Katar sehr viel Geld verdient, wenn man darauf gewettet hätte.
    Fast alle haben es angesprochen, wie lächerlich klein die Summe des Gewinns wirkt, aber auf der anderen Seite ist es vielleicht wirklich nur die Spitze des Eisbergs. Allerdings glaube ich nicht, dass es ein Fußballspezifisches Problem ist, denn bei jedem Event, auf das man wetten kann, gibt es das Risiko einer Manipulation.
    Ich bin sehr gespannt darauf, welche Spiele betroffen sind und wie groß der Rattenschwanz wird.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
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    Bewundernswert, lieber lxththf, wie Sie die berechtigten Watschn an die üblichen Verdächtigen verteilen! Danke, dann muss ich es nicht tun. ;-) Ich bin's eh leid, den absoluten Checkern und naserümpfenden Kennern der Szene, argumentative Aufklärungshilfen an die Hand zu geben. Wie sagte doch Max Merkel treffend: "Die moana doch eh, dass da Boi deswegen hupft, weil a Frosch drinsitzt..."

    Ansonsten: Würde mich doch sehr wundern, wenn hinter allem nicht wieder dieser Uli H. steckt! (nicht an Sie, lxthtthf)

    • Chris79
    • 04. Februar 2013 14:19 Uhr

    "Anstrengend" bezeichnet sehr passend das Geschreibsel, zu dem sich manche hier unter dem Deckmantel der Anonymität hinreißen lassen. Danke für die differenzierte Antwort.

    "...zahlen Vereine, der Verband, die Spieler Steuern, so dass die staatlichen Einnahmen die Ausgaben weit überschreiten...
    Absolut nichts gegen Fußball. Aber diese Rechnung geht nicht ganz auf. Die Übertragungsrechte und damit ein Teil der Fuballergehälter werden doch von den TV-Gebührenzahlern finanziert. Nach der Logik würden die Staatshaushalte wieder blühen, wenn jeder Fußballprofi sieben oder acht Milliarden Euro im Jahr verdiente. Dann hätte der Staat noch höhere Steuereinnahmen.
    Also: Nichts gegen Fußball. Auch das Gejammer, dem durchkommerzialisierten deutschen Fußball sei Uwes Seele abhandengekommen, basiert auf einer Illusion. Denn Uwe Seeler wußte bereits, wie man die Hand aufhält.
    Dass diese explodierenden Kosten für Fußballübertragungen so manchem nicht mehr passen, ist aber nachvollziehbar. Auch der Fußball - eine Sportart schließlich - soll sich nicht ganz von seinen Wurzeln verabschieden.
    Einige Funktionäre haben das ja schon lange getan. Die Korruptionsvorwürfe nehmen kein Ende.

    • bernjul
    • 04. Februar 2013 14:04 Uhr
    22. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Polemik. Danke, die Redaktion/jk

  5. Auf der website der BBC heisst es zu den heutigen Meldungen hierzu 6.7 Millionen GBP seien alleine in Deutschland "erwirtschaftet" worden

  6. Himmel hilf, die sogenannten Saubermänner in den Ligen und UEFA und FIFA sind bestimmt ganz, ganz arg überrascht und ganz arg traurig!
    Diese Ganoven in den Zusammenschlüssen korrumpieren doch diese und andere Sportarten in großem Stil.
    Ich glaube nicht, dass allzu viele Menschen von diesem Saustall überrascht sind. Wo viel Licht, da viel Schatten, wo viel Geld, viele Interessenten an selbigem. Und dass Spieler da mitmachen , wen wundert's bei den miesen Millinengagen.
    Leute, das ist dieselbe Sch ...., wie die Dopingsause: Keiner hat's gewusst, alle machten und machen weiter mit. Überall.
    Sport ist immer tiefer ins Milieu abgeglitten und mit ihm seine Repräsentanten auf dem Globus.
    Es lebe der Sport!

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dpa, tis
  • Schlagworte Weltmeisterschaft | Behörde | Bestechung | Eisberg | Ermittlung | Euro
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