WettskandalDass im Fußball betrogen wird, ist doch klar

Wettskandale, Doping, reiche Scheichs – Fußball ist als Milliardenbusiness anfällig für Betrügereien. Überraschend ist nur, dass das noch jemanden überrascht. von 

Die meisten Fußballfreunde sind Meister der Verdrängung. Doping? Bringt doch nichts! Spielmanipulation? Machen nur labile Spieler und Schiedsrichter mit Drang zum Plasmabildschirm! Alles kein Problem, haben wir im Griff! Lasst ja unseren Fußball in Ruhe!

Für diese Leute war der Montag ein denkbar schlechter Tag. In Den Haag berichteten die Ermittler von Europol von etwa 700 Spielen, die wohl manipuliert wurden. Kurz zuvor war von dem ehemaligen Präsidenten eines spanischen Erstligisten zu lesen. Er hatte von schwarzen Kassen in seinem Verein berichtet, aus denen Dopingmittel finanziert wurden.

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Die meisten Fußballfreunde werden überrascht gewesen sein. Doch warum eigentlich? Der Fußball hat schon längst seine Unschuld verloren.

Es wäre viel seltsamer, wenn der Lieblingssport der Deutschen von allem Übel verschont bleiben würde. Fußball ist zu einer globalen Industrie geworden, in der Milliarden bewegt werden. Das da betrogen, bestochen und gelogen wird, ist klarer als die meisten Abseitspfiffe.

Asiatische Banden überziehen den Sport mit ihren Manipulationen, Katar kauft sich komplette Fußballvereine, um sein Image aufzupeppen und im Notizbuch des Dopingarztes Eufemiano Fuentes stehen auch Namen von Fußballern, vielleicht sogar von den ganz Großen.

Zweifel sind gut

Es wird Zeit, die Augen zu öffnen. Hingucken, nachdenken, sacken lassen. Es wird dem Fußball guttun, wenn er ein bisschen wackelt, da oben auf seinem Sockel, unter dem sich Fans, Wirtschaft und Medien zum Tanz ums Goldene Kalb versammelt haben. Nur dann kann sich eine breite Öffentlichkeit mit den Problemen beschäftigen, die die Integrität des Sports infrage stellt.

Jeder Stadionbesucher, jeder Sportsbargast sollte zwischen den Toren und dem Nippen am Pils mal drüber nachdenken, sich mit den Schwierigkeiten befassen, sie akzeptieren. Das heißt nicht, den Glauben zu verlieren, zu resignieren. Fußball bleibt ein fantastisches Spiel. Fußball ist keine Show, kein reines Zirkusevent. Seine Probleme scheinen lösbar.

Christian Spiller
Christian Spiller

Christian Spiller ist Redakteur im Ressort Sport bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Doping: Der Fuentes-Prozess wird auch potenziellen Fußball-Dopern zu denken geben und hoffentlich für bessere Kontrollen sorgen. Scheichs: Wenn sie Ernst macht, kann die Uefa Investoren per Financial Fairplay ausbremsen. Bleiben die Spielmanipulationen.

An die Hintermänner in Asien wird man nur schwer rankommen, sie agieren dort in einem riesigen rechtsfreien Raum. Mit diesem Makel werden die Fußballfreunde leben müssen. Man kann aber davon ausgehen, dass Spiele der Bundesliga kaum manipuliert werden. Für Spieler, Schiedsrichter, Funktionäre steht auf dieser Bühne zu viel auf dem Spiel.

Ja, der Fußball hat seine Unschuld verloren. Doch auch damit lässt sich ganz gut leben.

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Leserkommentare
  1. wenn man schon vorher weiß auf welches Pferd man setzen muss. Vielleicht sollten die Wetter mehr Zugang zu den Insidertipps bekommen, dann die Wettbuden ziemlich schnell pleite:)

  2. Auch wenn es überraschend erscheint, es gibt Leute, die dieser Artikel interessiert. Mich kratzt ihr nichtssagender Kommentar auch nicht und werde damit belästigt.

    Es wurde ein neuer Betrugsfall im Fussball aufgedeckt und wen Fussball interessiert, der möchte das vielleicht wissen.

    • Kladow
    • 05. Februar 2013 22:04 Uhr

    Welcher Sport ist überhaupt noch unschuldig??
    Überall dort,wo auf Ausgänge von Sportveranstaltungen gewettet werden kann,ist Manipulation denk-und machbar.Geld hat einen größeren Reiz,als jede Form von Lob und Anerkennung.
    Vielleicht ist es sinnvoll,über den mafiösen Wettenmarkt zu diskutieren,ob aber jemals die Illegalität dieser Branche gestoppt werden kann ist fraglich.

  3. Hilfe, das ist ja wie im richtigen Leben.

    Warum sollte ausgerechnet im Sport, wo Unmengen Geld bewegt werden und es auch um sehr viel Prestige geht, es anders sein.

    Jeder Mensch manipuliert täglich seine Mitmenschen - bewußt oder unbewußt. Wie viele trinken früh Kaffee um auf Touren zu kommen und abends Alkohol um zu entspannen oder den Kneipenabend lustiger zu gestalten.

    Wer gibt mir das recht dem Sportler zu verbieten mehr als 12 mg Koffein bei Ausübung seiner Tätigkeit einzunehmen, während ich mich im Büro damit zu schütten darf?

    Warum darf ich meinem Nachbar 2 Flaschen Bier zu stecken, weil es Freitagabend wieder mal lauter wird und er doch bitte nicht die Polizei rufen soll, aber ein anderer einem Spieler nicht überreden darf in der 12. Spielminute eine gelbe Karte zu kassieren?

    Für mich ist die Empörung und Skandalisierung scheinheilig.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Medien | Bundesliga | Doping | Eufemiano Fuentes | Europol | Fußball
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