Frankreich-DeutschlandGündogan fordert Schweinsteiger heraus

Balljäger, Anspielstation, Vorbereiter – Ilkay Gündogan empfiehlt sich beim 2:1 in Frankreich als Konkurrent für Bastian Schweinsteiger. Von Oliver Fritsch, Paris von 

Ilkay Gündogan, links, im Spiel gegen Frankreich

Ilkay Gündogan, links, im Spiel gegen Frankreich  |  © Andreas Gebert, dpa

In der ersten Halbzeit will Ilkay Gündogan das Spiel nach links verlagern, doch sein Pass verirrt sich zum Gegner. Noch während der Ball unterwegs ist, beginnt er mit der Jagd. Er stürmt zum Gegenspieler, erobert den Ball zurück und leitet einen Konter ein.

An diesem Beispiel ist nur eines ungewöhnlich: Es ist ein Fehler Gündogans vorausgegangen. Sonst belegt es gleichermaßen die geistesgegenwärtige und vitale Spielart des deutschen Mittelfeldspielers. Gündogan nimmt fast immer am Geschehen teil. Am Ende zählen die Statistiker 111 Ballkontakte Gündogans, Höchstwert. Gündogan ist neben Mesut Özil der wichtigste Spieler beim 2:1-Sieg in Paris.

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Von den Journalisten und vom Trainer erhält Gündogan nach dem Spiel viel Lob. Joachim Löw hebt dessen Ballsicherheit und seine "aggressive Präsenz" hervor. Er verteidige nach vorne, sagt Löw. Nicht zuletzt wird Löw dabei den Moment vor dem Ausgleich vor Augen haben: Gündogan läuft den Ball-führenden Étienne Capoue weit in der gegnerischen Hälfte so schnell an, dass der vom Windzug umzufallen scheint. Dann Pass Gündogan, Tor Müller, 1:1.

Nach den Enttäuschungen im Vorjahr tut der Nationalelf der Sieg gegen die wiedererstarkten Franzosen, den ersten seit 1987, gut. Im höhepunktarmen Jahr 2013 ist er eine der wenigen Gelegenheiten, Lust und Selbstgewissheit zurückzugewinnen. Die Freude an seinem Job war Löw in den vergangenen Monaten abhanden gekommen, nach dem Abpfiff ist sie ihm wieder anzumerken.

Doch dürfte dem konfliktscheuen Löw eine unangenehme Aufgabe, vielleicht gar eine mutige Entscheidung ins Haus stehen. Er hat ja den Konkurrenzkampf ausgerufen. Wenn nicht alles täuscht, hat er ihn nun an einer sensiblen Stelle, im zentralen Mittelfeld, auf der 6. Dabei richten sich derzeit viele Blicke auf eine von Löws Führungskräften, vor allem Bastian Schweinsteiger dürfte durch Gündogan starke Konkurrenz bekommen.

Seit der WM 2010, als er zu den besten Mittelfeldspielern des Turniers zählte, galt Schweinsteiger als der heimliche Kapitän. Doch der Schritt zur Weltklasse, zum deutschen Xavi, blieb bislang aus. Sicher auch wegen Verletzungen und Sinnkrisen ob der Titellosigkeit. Bei Duellen auf ganz hohem Niveau fiel Schweinsteiger jedenfalls zuletzt ab, zum Beispiel in den Spielen gegen Dortmund oder im EM-Halbfinale gegen Italien. Gegen Frankreich fehlte er wegen einer Sprunggelenksverletzung. Er hatte ein Testspiel zum wiederholten Mal abgesagt, vielleicht ja auch, weil es unwichtig schien.

Leserkommentare
    • SteB
    • 07. Februar 2013 15:34 Uhr

    Kickernote 2,5?
    Kennen Sie sich ein bisschen mit den Kickernoten aus? Schauen Sie mal in die Wertung der Top-Spieler. Dort ist Mario Götze mit einem Schnitt von 2,5 an 4. Position und vor ihm ist mit Ribery nur ein weiterer Feldspieler. Die Kicker-Note 2,5 ist weit mehr als nur "gelungen".
    Hysterisch? Boulevardesk? Sie schaffen es, in einem Satz die Worte "erfahren", "Weltklasse", "peinlich" und "diskreditieren" unterzubringen, das ist mindestens die gleiche Liga.
    Und zum Thema Gündogan vs. Schweinsteiger: Ich halte (als BVB-Fan) sehr viel von Schweinsteiger, aber seine Spielweise ändert sich in den letzten Jahren. Im Duo mit Khedira war er immer der offensive Part. Das ist er mehr und mehr nicht mehr. Insofern ist - bezogen auf das gestrige Spiel und den Part als offensiven 6er - die Aussage "der bessere Schweinsteiger" so falsch nicht. Der offensive 6er-Part gehört, nicht sofort, aber zukünftig, eher anderen. Schweinsteiger hingegen tendiert zu einer defensiveren Interpretation und kommt damit in Konkurrenz zu seinem jetzigen Co-6er Khedira.

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    Antwort auf "Populismus"
    • dacapo
    • 07. Februar 2013 15:52 Uhr

    Gibt es das noch, braucht man das, will man das? Gomez ist einer. Klose ist keiner und nach wie vor besser als Gomez. Aber unter den jungen nachkommenden Spieler werden genug Stürmer sein, die dennoch keine Strafraumstürmer sind - und das ist gut so. Die sind erst einmal nicht gefragt, vielleicht man wieder in später kommenden Jahrzehnten. Jetzt sind sie ersteinmal Auslaufmodelle.

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    Antwort auf "Danke an Jürgen Klopp"
    • Xdenker
    • 07. Februar 2013 16:14 Uhr

    Gündogan erinnert mich in seiner Art eher an Iniesta als an Schweinsteiger.

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  1. "nachdem ich diesen Artikel und die Kommentare gelesen habe, scheinen einige Schweinsteiger als eine Schwachstelle in der Nationalelf anzusehen. Seit gestern..."

    Die Erkenntnis kommt bei einiger eher und bei einigen später, leider ist Herr Löw nicht bei den Schnellsten....

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    • creo2.0
    • 09. Februar 2013 13:17 Uhr

    Hitzfeld, van Gaal, Heynckes Löw alle keine Ahnung! Der Uli auch nicht und der Kalle auch nicht! Die Verantworlichen anderer Vereine (eher die Top 5 Europas) die ihn schon haben wollten -auch alle keine Ahnung! Ich glaub auch das Sie da besser verstehen.... Ich hoffe Sie sind mir dem DFB in Kontakt falls Jogi hinschmeisst, klar bei der Konkurrenz im Nacken mit so geballter Fachkompetenz!

    Grinsie hab ich nicht vergessen aber verdrängt!

    • Agitat
    • 07. Februar 2013 16:36 Uhr
    53. Sweden

    Dann wars nicht Schweden, aber auch Sie wissen sicherlich welches Spiel ich meine. Der Punkt war, das ein einzelnes Spiel gut wie schlecht keine generelle Aussage erlaubt. Ich möchte hier auch nicht die Fehler eines Bayernblocks verteidigen. Ich hab mich damals maßlos über Schweinsteiger geärgert, der hätte hier als "Führungsspieler" den Laden zusammenhalten müssen. 2012 war für ihn ein Jahr zum vergessen. Ich bin mir sicher, Basti wird daran wachsen und besser zurückkommen als er je war. Ihn als Spielberschlepper zu bezeichnen ist schlicht falsch und meiner Meinung nach stumpfes Vereinsdenken.

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    • creo2.0
    • 09. Februar 2013 14:34 Uhr

    Ich meine dreimal 2ter, ne Verletzung und schlechte Form (bis auf Hollandspeil) bei der EM und trotzdem ca. 10 - 12 Mio verdient, r 8 in der Garage und n Model neben sich im Bett...

    Scheiß Jahr!

  2. Vielen Dank, dass Sie diese offensichtliche Wahrheit einmal aussprechen. Der Wandel zu einem echten Herausforderer Spaniens ist meiner Meinung nach erst vollzogen, wenn sich das auch in der Gestaltung der A-Elf nieder schlägt. Außerdem muss Löw endlich taktisch ein 4-4-3 spielen lassen. Der Grund ist ganz einfach. Deutschland hat keinen 9er von internationalem Format, dafür etliche ballsichere Mittelfeldspieler mit Spielvision und Zug zum Tor. Hier meine Traumaufstellung: Defensive Dreier-Reihe: Gündogan, Holtby, Kroos. Offensive Dreier-Reihe: Götze, Reus, Özil.
    Ach ja, wie wärs damit endlich mal auf den spielstärksten (ehemaligen) Rechtsverteidiger zu setzen, der auch torgefährlich ist? Genau, Gonzalo Castro.

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    • xl
    • 08. Februar 2013 17:20 Uhr

    Genau! mit einem Mann mehr hauen wir endlich auch Italien und Spanien weg. Warum ist da noch kein Trainer drauf gekommen? :)

    • creo2.0
    • 09. Februar 2013 14:38 Uhr

    Nickname war heute schon im Programm?! Ihre Defensivreihe würde sicher für Schrecken sorgen, aber nicht beim Gegner!

    Castro is mir auch liebr als Höwedes aus dem sicher kein Aussenverteidiger mehr wird! Oder der eine Bender...

  3. Ich bin wahrlich kein großer Schweinsteiger Fan. Vor allem hat er, wie Oliver Fritsch richtig sagt, in letzter Zeit in den großen Spielen regelmäßig versagt.
    Den Zenit hat er aber noch lange nicht überschritten. Er ist 28 Jahre alt. Xavi beispielsweise ist 33, Pirlo 34 Jahre alt. Mal schauen ob er nochmal so richtig durchstartet.
    Nur mit ganz
    Thomas Müller hatte letzte Saison auch einen Durchhänger und spielt jetzt überragend. Aber der ist zugegebenermaßen auch erst 24.

  4. vor einem Jahr war er noch lange nicht so weit. Jetzt überzeugt er durch präsens und Zweikampfstärke.., aber auch durch sein mannschaftsdienliches Spiel. Ich schätze ihn allerdings nicht stärker als Schweinsteiger ein,..der , wenn er topfit ist, zur Weltklasse gehört. Aber dank seines jungen Alters..kann Gündokan auch noch das letzten Stüfchen nach oben klettern..

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