Thomas Hitzlsperger"Vielleicht werde ich ja irgendwann Europameister 2008"

Armstrong, Doping-Vorwürfe gegen spanische Fußballer und Kinder, die Ritalin nehmen: Doping hat Konjunktur. Doch Thomas Hitzlsperger verteidigt dopingfreien Sport. von 

Thomas Hitzlsperger im Einsatz für den FC Everton

Thomas Hitzlsperger im Einsatz für den FC Everton  |  © Jan Kruger/Getty Images Sport

ZEIT ONLINE: Herr Hitzlsperger, haben Sie Lance Armstrong bei Oprah Winfrey gesehen?

Thomas Hitzlsperger: Teilweise. Dazu habe ich einiges über den Auftritt gelesen, hab mit einigen Kollegen darüber gesprochen. Das einhellige Urteil: Der Typ gehört bestraft. Gut wäre, wenn die Medien Armstrong gar keine Plattform geben würden. Aber ich verstehe natürlich auch, dass sie über das Thema aufklären müssen.

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ZEIT ONLINE: Das ist ein klassisches Dilemma für Journalisten. Kann Doping für Sportler ein Dilemma sein: mitmachen oder aufhören?

Hitzlsperger: Ja, der Sport schafft starke Reize. Als Star wirst Du vergöttert, verdienst viel Geld. Als Tour-Sieger oder Olympiasieger hat sich Dein (Sportler-)Leben gelohnt, das darf schon mal ein paar Lebensjahre kosten. Das ist besser als mit der Masse mitzuschwimmen und kaum bis gar keine Aufmerksamkeit zu bekommen. Nicht, dass ich so denken würde, aber die Logik dahinter verstehe ich und einige Sportler riskieren dafür eine ganze Menge.

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Alles außer Fußball ist die Kolumne von René Adler, Thomas Hitzlsperger und Arne Friedrich. Einmal im Monat geben wir während der Bundesliga-Saison einem das Wort. Sie sollen und wollen nicht das Tagesgeschäft kommentieren, klassische Fußballerkolumnen gibt es genug. Alles außer Fußball ist der Versuch, Fußballer Fußball als gesellschaftliches Phänomen betrachten zu lassen. Hier finden Sie alle Gespräche.

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ZEIT ONLINE: Entwickeln Sie also auch Mitgefühl für Armstrong wie Jürgen Klopp?

Hitzlsperger: Überhaupt nicht. Er hat gelogen, betrogen, andere genötigt und bedroht. Auch nehme ich ihm keine Reue ab. Er hat aus Kalkül gestanden, hat zig Anwälte und PR-Berater an seiner Seite. Er ist Vollprofi, eine Marke.

ZEIT ONLINE: Hat er nur dem Radsport geschadet?

Hitzlsperger: Auch anderen Sportlern. Ich kann Leute verstehen, die das Interesse am Sport verlieren. Ich hab früher auch Tour de France geschaut, mittlerweile habe ich kein Interesse mehr daran. Jetzt fragt man sich bei vielen außergewöhnlichen Leistungen: War alles sauber? Der Zweifel läuft auch bei Usain Bolt und anderen Top-Athleten mit. Manchmal zu Recht, manchmal zu Unrecht.

ZEIT ONLINE: Wie ist der Schaden zu reparieren?

Hitzlsperger: Schwer. Der Sport braucht mehr Typen wie Travis Tygart, der maßgeblich an der Aufdeckung im Fall Armstrong beteiligt war. Sehr bedauerlich ist diese Entwicklung für die vielen sauberen Athleten. Allerdings habe ich den Eindruck, dass Fußball weniger vom Zweifel befallen ist.

ZEIT ONLINE: Im Fußball bringt Doping nichts, was?

Leserkommentare
  1. Wohl kaum jemand wird Thomas Hitzlsperger widersprechen, wenn er sich für dopingfreien Sport einsetzt; auch für seine Forderung nach knallharter Bestrafung für Dopingsünder wird er die Ansicht einer weitreichenden Mehrheit vertreten. Insbesondere dann, wenn ein Mannschafts-Kapitän wie Armstrong sein Team nötigte.

    Als unerschütterlicher Radsportfan werde ich mir jedoch weiterhin alle TV-Berichte zum Giro, zu Paris-Roubaix, zur Flandern-Rundfahrt und natürlich auch zur „großen Schleife“ anschauen, soweit es meine Zeit zulässt. Der Radsport ist im Begriff, sich von Manipulationen zu entfernen. Armstrong und Fuente sind nur zwei aktuelle Beispiele, Ulrich, Zabel, Godefroot und Pevenage gingen bereits voran und einige werden wohl noch folgen.
    Trotzdem achte ich jeden einzelnen Fahrer, der diese täglichen rund 180-200km Strapaze bis zum letzten Tag durchhält. Egal, ob man sich zum Stilfser Joch hochquälte, in den Pyrenäen den Tourmalet erreichte oder den Anstieg nach Alpe d`Huez bis zum Rand der Erschöpfung vollbrachte. Auch der Letzte dieser ebenso schwierigen wie gefährlichen Bergetappen hat sein Können bewiesen. Jeder Interessierte wird sich erinnern, dass auf den Begleitmotorrädern bei den Abfahrten oftmals 80-90 km/h angezeigt wurden.

    Nur sauberer Sport in allen Ländern macht die Leistungen vergleichbar. Daher hoffe ich, dass die Anti-Doping-Agenturen jegliche Unterstützung erhalten.

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    "Der Radsport ist im Begriff, sich von Manipulationen zu entfernen."

    Das macht der Radsport etwa alle 2-3 Jahre. Immer wenn es mal wieder einen großen Skandal gegeben hat. Er nähert sich dann offenbar den Manipulationen rasant wieder an.

  2. "Der Radsport ist im Begriff, sich von Manipulationen zu entfernen."

    Das macht der Radsport etwa alle 2-3 Jahre. Immer wenn es mal wieder einen großen Skandal gegeben hat. Er nähert sich dann offenbar den Manipulationen rasant wieder an.

    Eine Leserempfehlung
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    Ehe Sie sich mit sinnfreiem Wissen bloßstellen, sollten Sie etwas genauer recherchieren. Dazu steht Ihnen z. B. das gesamte Internet offen.
    Nach den Regeln der UCI werden seit mehr als 15 Jahren für Berufs- und Nachwuchsfahrer Bedingungen und Vereinbarungen in Vertragsform einheitlich konzipiert. Diejenigen, die mit Rennställen Verträge schließen, unterwerfen sich gleichzeitig den Regeln der Sponsoren, die mit im Boot sitzen.
    Da ist demnach nicht nur von Strafen und Sperren die Rede, sondern auch von Vertragsbruch und sofortiger Vertragskündigung; denn jeder Rennstall hängt am Tropf der Sponsoren.
    Ferner geht einer Zulassung für internationale Events auch eine Prüfung/Sichtung des Fahrerfeldes voraus - auch dabei spielen Vorkommnisse wie "leistungssteigernde Substanzen" eine Rolle.
    Woher Sie Ihr Wissen "alle 2-3 Jahre ansteigender Manipulationen" beziehen, dürfen Sie nun gern einmal offen legen.

  3. 3. na ja

    und worin besteht nun hitzlsperger besondere erfahrung, informationen zu diesen themen zu liefern?
    er kann fahrad fahren und deshalb was zum profiradsport sagen? na da ...

    nichts für ungut, aber persönliche meinungen ohne szenehintergrund liefert auch max müller in der fussgängerpassage und ehrlich, wer will die wissen?

    Eine Leserempfehlung
  4. Ehe Sie sich mit sinnfreiem Wissen bloßstellen, sollten Sie etwas genauer recherchieren. Dazu steht Ihnen z. B. das gesamte Internet offen.
    Nach den Regeln der UCI werden seit mehr als 15 Jahren für Berufs- und Nachwuchsfahrer Bedingungen und Vereinbarungen in Vertragsform einheitlich konzipiert. Diejenigen, die mit Rennställen Verträge schließen, unterwerfen sich gleichzeitig den Regeln der Sponsoren, die mit im Boot sitzen.
    Da ist demnach nicht nur von Strafen und Sperren die Rede, sondern auch von Vertragsbruch und sofortiger Vertragskündigung; denn jeder Rennstall hängt am Tropf der Sponsoren.
    Ferner geht einer Zulassung für internationale Events auch eine Prüfung/Sichtung des Fahrerfeldes voraus - auch dabei spielen Vorkommnisse wie "leistungssteigernde Substanzen" eine Rolle.
    Woher Sie Ihr Wissen "alle 2-3 Jahre ansteigender Manipulationen" beziehen, dürfen Sie nun gern einmal offen legen.

    Antwort auf "Der war gut."
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    Yup. Und weil wirklich alle im Radrennsport total commited sind keine leistungssteigernden Substanzen irgendwelcher Art einzusetzen gibt es alle 2-3 Jahren eben dann doch einen neuen Skandal. Natürlich sind das dann nur Einzelfälle und der Rest des Radsports entfernt sich von Manipulationen (wo wir grade dabei sind: Ist die Tour de France in den letzten Jahren mal irgendwie langsamer geworden?). Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ich finde das was die sich da zusammenfahren bei den langen touren ziemlich cool. Nur glaube ich eben nicht, dass auch nur ein einziger Tour de France Gewinner in den letzten 10-15 Jahren ungedopt war (das Entscheidende Wort da drin ist: glauben!).

    Und wenn Sie dann schon zitieren, zitieren Sie doch bitte auch richtig. Ich habe nie was von "ansteigender Manipulationen" [sic!] geschrieben. Sondern davon, dass der Radsport, der sich Ihrer Aussage nach von Manipulationen entfernt, sich wohl doch nicht so wahnsinnig weit vom Ausgangspunkt entfernt (sonst könnte es ja nicht alle paar Jahre neue Skandale mit gleichem Thema aber wechselnden Protagonisten geben).

  5. Yup. Und weil wirklich alle im Radrennsport total commited sind keine leistungssteigernden Substanzen irgendwelcher Art einzusetzen gibt es alle 2-3 Jahren eben dann doch einen neuen Skandal. Natürlich sind das dann nur Einzelfälle und der Rest des Radsports entfernt sich von Manipulationen (wo wir grade dabei sind: Ist die Tour de France in den letzten Jahren mal irgendwie langsamer geworden?). Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ich finde das was die sich da zusammenfahren bei den langen touren ziemlich cool. Nur glaube ich eben nicht, dass auch nur ein einziger Tour de France Gewinner in den letzten 10-15 Jahren ungedopt war (das Entscheidende Wort da drin ist: glauben!).

    Und wenn Sie dann schon zitieren, zitieren Sie doch bitte auch richtig. Ich habe nie was von "ansteigender Manipulationen" [sic!] geschrieben. Sondern davon, dass der Radsport, der sich Ihrer Aussage nach von Manipulationen entfernt, sich wohl doch nicht so wahnsinnig weit vom Ausgangspunkt entfernt (sonst könnte es ja nicht alle paar Jahre neue Skandale mit gleichem Thema aber wechselnden Protagonisten geben).

    Antwort auf "Halbwissen?"
  6. Herr Hitzelsperger ist Leistungssportler/Profisportler und nebenbei Kolumnist bei der Zeit. Es liegt nahe diesen zum Thema Doping zu befragen und nicht "Max Müller".
    Gegenfrage: Darf man sich zum Thema Doping nur äußern, wenn man zur Radsportszene gehört???

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