IOC : Ringen bringt zu wenig Dollars

Keine Sponsoren, kein Geld, keine Follower auf Twitter – Ringen hat dem IOC wenig Zählbares zu bieten. Vor allem hat es im Fernsehen niedrige Einschaltquoten.
Die Ringer haben nicht genug Follower. © Mark Nolan/Getty Images Sport

Früher beharrte das IOC darauf, nur Amateure zu den Wettkämpfen zuzulassen. Inzwischen ist das Internationale Olympische Komitee selbst eines der professionellsten Unternehmen der Welt geworden, seine Kerndisziplin ist das Geldverdienen. Mit Einnahmen von mehr als acht Milliarden Dollar rechnet das IOC für den Abrechnungszeitraum 2009 bis 2012. Nun hat das IOC einen Teil seiner Wurzeln herausgeschnitten: das Ringen.

Der schweißtreibende Zweikampf ist eine Brücke zu den Spielen der Antike, doch Tradition allein reicht nicht mehr. "Eine olympische Sportart muss Tradition und Fortschritt verbinden", sagte der IOC-Vizepräsident Thomas Bach.

In Wahrheit geht es bei der bemängelten fehlenden Weiterentwicklung vor allem um das ausbleibende wirtschaftliche Wachstum. Als einer der Gründe für die Abkehr vom Ringen wurde seine zu große finanzielle Abhängigkeit vom IOC benannt. Ringen erwirtschaftet keine Gewinne, sondern kostet. "Wenn eine Sportart eine schwache Lobby hat und sich dann auch noch schlecht vermarkten kann, hat sie es schwer", sagt Frank Daumann, Professor für Sportökonomie an der Universität Jena. Für Sentimentalitäten ist kein Platz im Geschäftsmodell des IOC.

In der Schweiz als gemeinnütziger Verein eingetragen, ist es eines der größten privatwirtschaftlich finanzierten Unternehmen der Welt. So sehen es die Experten von "Brand Finance". Im Vorjahr bewerteten sie die Marke Olympia, die einst von Baron de Coubertin als Amateursportveranstaltung wiederbelebt wurde, als zweitwertvollstes Unternehmen der Welt, hinter Apple, aber noch vor Google.

Der immense Wert von 47,5 Milliarden US-Dollar, den die Marke Olympia haben soll, speist sich nur aus zwei Komponenten: aus dem Verkauf der Übertragungsrechte und dem Anwerben von Sponsoren. "Ohne die Sponsoren wären die Spiele nicht möglich", sagt IOC-Präsident Jacques Rogge.

Um die Geldgeber bei Laune zu halten, hat Rogge die Politik der ständigen Erneuerung eingeführt. Auf alle relevanten Punkte der Spiele können die Geldgeber Einfluss nehmen, ob Wettkampfzeiten, Austragungsort oder Auswahl der Sportarten.

Ein Meilenstein in dieser Entwicklung waren die Spiele von Atlanta 1996, die Coca-Cola, der älteste und wichtigste IOC-Sponsor, zum Dank an den Firmensitz geliefert bekam. Der Getränkehersteller ist die Nummer eins des Topsponsorenprogramms ("The Olympic Partner"). Es wurde 1985 von Juan Antonio Samaranch eingeführt. Das Kommando haben die USA, hier haben sechs der zehn Topsponsoren ihren Hauptsitz.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

11 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren