Bundesliga-VorschauKlopp, Beckham und das "Stöhn-O-Meter"

Jürgen Klopp redet über Doping, David Beckham wird zum Showpony, und im Tennis soll den Frauen der Mund verboten werden. Alles zum 20. Bundesliga-Spieltag. von 

Dortmunds sehr, sehr gut gelaunter Trainer Jürgen Klopp

Dortmunds sehr, sehr gut gelaunter Trainer Jürgen Klopp  |  © Odd Andersen/AFP/Getty Images

Wer spielt wann gegen wen?

Werder Bremen – Hannover 96 (Freitag, 20.30 Uhr)
FC Schalke 04 – SpVgg Greuther Fürth (Samstag, 15.30 Uhr)
VfL Wolfsburg – FC Augsburg
TSG Hoffenheim – SC Freiburg
1. FSV Mainz 05 – Bayern München
Fortuna Düsseldorf – VfB Stuttgart
Hamburger SV – Eintracht Frankfurt (Samstag, 18.30 Uhr)
1. FC Nürnberg – Borussia M’gladbach (Sonntag, 15.30 Uhr)
Bayer Leverkusen – Borussia Dortmund (Sonntag, 17.30 Uhr)

Welches Spiel dürfen Sie auf keinen Fall verpassen?

Hoffenheim gegen Freiburg. Tritt dort doch fast eine komplett neue Mannschaft an. Hoffenheim ist Tabellen-Siebzehnter und hat sich von Abstiegsängsten geplagt besonders weit aus dem Transferfenster gelehnt. Acht neue Spieler hat sich der Klub geleistet und mit etwa 10 Millionen Euro so tief ins Portemonnaie gegriffen wie kein anderer Verein der Liga. Kurz vor Transferschluss wurde es besonders kurios: Die Kraichgauer verpflichteten Heurelho Gomes, den vierten Torhüter von Tottenham Hotspur, und setzten ihn Tim Wiese vor die Nase. Überragend war vor allem die Begründung von Hoffenheims Manager Andreas Müller: Tim Wiese, der in seinem halben Jahr in der Fußballprovinz zuverlässig an jedem Ball vorbeiflog und dafür kräftig verspottet wurde, müsse geschützt werden, erklärte er – weshalb Wiese erstmal nicht mehr mitspielen darf. Sind sie nicht köstlich, diese Hoffenheimer? Weil aber Heurelho Gomes auch nicht frei von Pannen ist, könnte sich beim Hopp-Klub ein Torwart-Duell der ganz besonderen Art entwickeln.

Welches Spiel können Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Auch der VfL Wolfsburg, der den FC Augsburg empfängt, kennt sich mit Transfers aus. Dort war schließlich jahrelang Felix "Shop til you drop" Magath tätig. Sein Nachfolger Klaus Allofs hat nun erkannt, dass er dringend ein paar Ladenhüter loswerden muss. Vor allem, weil Magath seinen Spielern einen großzügigen Wolfsburg-Zuschlag zukommen ließ. Also pries Allofs seine Mannen an wie Gebrauchtwagenhändler ihre Rostlauben – und hatte Erfolg, zumindest teilweise. Acht Spieler wurde der VfL los, allerdings nur vorübergehend: Etwas verleihen scheint nicht nur der Politiktrend dieses Winters zu sein (Zweitstimmen), sondern auch einer der Fußball-Bundesliga. Innerhalb eines Monats wurden in der Bundesliga mehr als 25 Leihverträge geschlossen. Mit Vorteilen für beide Seiten. Die neuen Vereine können die Spieler bei Nichtgefallen wieder zurückschicken, die alten Vereine können sie von ihrer Gehaltsliste streichen. Im Falle von Wolfsburg wohl wirklich nur vorübergehend. Auch die Spieler wissen: Nirgendwo gibt es so viel... äh, ist es so schön wie in Wolfsburg.

Anzeige

Wer steht im Blickpunkt?

Jürgen Klopp. Der war beim Friseur. Beim Gastspiel seines BVB beim Noch-Tabellenzweiten aus Leverkusen wird erstmals ein Millionenpublikum bestaunen können, dass Klopp seine Pöhler-Matte gegen eine neue Tolle eingetauscht hat, auf die selbst David Beckham neidisch wäre. Der neue Look führte dann verständlicherweise zu einem preisverdächtigen Wortwechsel mit einem Reporter der Bild-Zeitung:

Bild: "Was haben Sie denn mit Ihren Haaren gemacht?"
Klopp: "Habe ich abgeschnitten – sieht man doch."
Bild: "Warum?"
Klopp: "Warum denn nicht."

Worüber reden nach dem Spieltag alle?

Klopp hat in dieser Woche nicht nur die Haare schön, sondern auch über Doping geredet. Lance Armstrong tue ihm leid, sagte er in einem Interview. Seltsame Äußerungen in Tagen, in denen es auch dem Fußball an den Kragen gehen könnte: In Madrid läuft derzeit der Prozess um den Dopingarzt Eufemiano Fuentes. Er habe auch Fußballer gedopt, gab Fuentes zu, was nicht weiter überrascht, stand der Gynäkologe (!) doch bereits im Verdacht, mit dem FC Barcelona und Real Madrid zusammengearbeitet zu haben. Große Sorgen muss sich der beliebteste Sport der Welt dennoch nicht machen. Dafür sorgt schon die zuständige Richterin Julia Patricia Santamaria. Als Fuentes erzählte, er hätte alle Kunden in seinem Notizbuch stehen, er könne es gerne vorzeigen, winkte die Richterin ab. Nein danke, das sei nicht nötig, sagte sie.

Christian Spiller
Christian Spiller

Christian Spiller ist Redakteur im Ressort Sport bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Was machen die Frauen?

Bei denen steht am Sonntag nur ein Bundesliga-Nachholespiel an, Essen gegen Duisburg. Da bleibt Zeit für einen Seitenblick in andere Sportarten. Der Frauentennis-Weltverband beispielsweise möchte den Frauen das Stöhnen auf den Courts verbieten. Er fürchtet einen Imageschaden, wenn die Audiospuren einiger Matches auch weiterhin zur Synchronisation von Pornofilmen genutzt werden könnten. Im Gespräch sind Geldstrafen, Punktabzüge und ein "Stöhn-O-Meter", das die Lautstärke messen soll. Bis dahin übernehmen die Zuschauer Zuhörer die Maßregelung.

Was war sonst noch wichtig?

Kleine Umweltsünden bestraft der liebe Gott sofort. Das musste auch Paul Scholes, der Fußball-Kobold von Manchester United, erfahren. Er wurde das Opfer sogenannter Eisbanditen. Die haben es auf Autofahrer abgesehen, die im Winter vor der Abfahrt ein paar Minuten ihren Motor laufen lassen, damit auch schön die Windschutzscheibe enteist wird. Scholes verkrümelte sich noch ein paar Minuten in sein warmes Haus. Als er wieder raus kam, war das Eis weg, aber auch sein Geländewagen. Ein kleiner Trost dürfte ihm ein Blick auf seinen alten Kumpel David Beckham sein: Der muss ein halbes Jahr lang das Showpony für einen Scheich aus Katar geben. Dort gibt es übrigens keine Eisbanditen.

Was war das Zitat der Woche?

"Erinnert ihr euch an Gomes? Hoffenheim hat ihn hinter einer Hütte auf dem alten Trainingsgelände von Tottenham gefunden und zugestimmt, ihn nach Deutschland zu holen."

(Der Guardian über den Wechsel von Torwart Heurelho Gomes zur TSG Hoffenheim)
 

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. .....und womoeglich gar nicht auflaufen muss (die er im Uebrigen
    einem Kinderheim spendete) ist ja wohl eher ein " thorough bred"
    als ein Pony...........

    Eine Leserempfehlung
  2. >> Klopp: "Habe ich abgeschnitten – sieht man doch." <<

    ... die Betonung - der Frisur nach zu schließen - wohl wirklich auf *ich*. Sieht echt aus wie selbst gemacht.

    Aber einen guten Trainer kann nichts entstellen.

    Eine Leserempfehlung
    • Marobod
    • 01. Februar 2013 16:34 Uhr

    Verantwortliche haben echten Humor bewiesen :D

    zuverlaessig am Ball vorbei fliegen, kann eben nur Wiese.

    Einen Unterschied zu Wiese gibt es bei Gomes, er hat den Ball meist an den haenden bevor er rein geht :D

    3 Leserempfehlungen
  3. 10 Millionen? Wo kommen die denn her?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Leistung lohnt sich jetzt eben wieder. Vor allem in Süddeutschland. Und wer um einen Champions League Platz mitspielen will, der muss auch investieren. Damit mehr Leistung hinten rauskommt...

  4. ...kann das sein, was nicht sein darf.....siehe Richterin..., ob die spanische Dopingwelle auch die Bundesliga erreichen wird???

    Barcelona, Doping....Erfolge.... nein weiterdenken mag man das nicht...oder?

  5. ...zum Guardian stimmt nicht. Da kommt noch mal Beckham. ;)

  6. Leistung lohnt sich jetzt eben wieder. Vor allem in Süddeutschland. Und wer um einen Champions League Platz mitspielen will, der muss auch investieren. Damit mehr Leistung hinten rauskommt...

    Antwort auf "Hoffenheim"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service