Hirnschäden : Eine Krankheit stellt den Football infrage
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Angst vor einem Bedeutungsverlust des Mythos Football

Anders sieht das eine Gruppe mutiger, muskelbepackter Männer. Zum Beispiel Bernhard Pollard, gefürchteter Verteidiger der Baltimore Ravens. Der 28-Jährige fragte nach dem Tod Seaus: "Was machen wir hier?" Und antwortete: "Wir spielen Football! Also haben wir Gehirnerschütterungen und gebrochene Knochen. Jeder Spieler weiß das. Ihr könnt mir einen noch größeren Helm aufsetzen, das Resultat wird das gleiche sein!"

Steffen Dobbert

Steffen Dobbert ist Redakteur bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Pollard und viele andere aktuelle Spieler fürchten, dass sich wegen der CTE-Erkrankung ihr Spiel verändern könnte. Sie haben Angst, dass der Mythos Football an Bedeutung verliert. Regelverschärfungen würden den Charakter des Spiels zerstören, sagt Pollard voraus, die Zuschauer würden sich abwenden. In 30 Jahren werde "die NFL nicht mehr existieren".

Wie die Zukunft des Footballs aussieht, könnte von den Medizinern in den USA abhängen. Bisher konnte CTE erst nach dem Tod diagnostiziert werden, vor allem bei Footballspielern, einigen Wrestlern und Eishockeyspielern. Doch die CTE-Experten arbeiten daran, die Symptome der Krankheit frühzeitig zu erkennen. Wenn es irgendwann möglich wäre, mit einer Art Computer-Tomographie die Gehirne von aktiven Spielern auf CTE zu untersuchen, könnte das das Spiel tatsächlich verändern.

"Einen CTE-Warnwert gibt es noch nicht," sagt Joachim Latsch von der Deutschen Sporthochschule Köln. "Aber sollte das gelingen, wären drastische Regeländerungen denkbar." Sollte es soweit kommen, wäre das auch ein Verdienst von Dave Duerson, eines Kollegen von Junior Seau.

Duerson hatte als Verteidiger zwei Mal den Super Bowl gewonnen. Für einige war er ein größerer Held als Seau. Etwa ein Jahr bevor sich dieser in Oceanside umbrachte, hatte Duerson sich in Sunny Isles Beach, Florida ins Herz geschossen. Sein Kopf blieb unversehrt. Zuvor hatte Duerson eine SMS verschickt. Er bat darin, Ärzte sollten seinen Kopf auf CTE untersuchen.

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Kommentare

38 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Ja und?

Was ändert das an der Tatsache, dass ehemalige oder aktive NFL-Spieler öfters an dieser Krankheit erkranken? Ihr Kommentar klingt, als wollen sie jetzt ein Ranking "Die gefährlichsten Sportarten der Welt" aufstellen. Oder noch besser, die Risiken schmälern, weil es ja Berufsrisiko ist? Sagen sie einem angeschossenen Polizisten auch ins Gesicht "Tja, ist halt Berufsrisiko, Kumpel"?

Lesen hilft!

_Ok, was ist dann mit Boxen?_

Die Frage hätte Ihnen auch schon die aufmerksame Lektüre des Artikels beantwortet:
""CTE ist vereinfacht ausgedrückt eine Hirnfunktionsstörung. Man spricht auch vom Boxersyndrom", sagt Dr. med. Joachim Latsch von der Deutschen Sporthochschule Köln."

Tatsächlich ist die Erkrankung bei Boxern und American Football Spielern schon seit einigen Jahren bekannt und heisst im Fachjargon "Dementia pugilistica" http://de.wikipedia.org/w...

_Was ist mit Show-Wrestling und diversen Kampfsportarten?
Vor Allem die extremen MMA usw.?_

Das ist schwieriger zu beantworten. Durch die dünnen Handschuhe kommt es beim MMA schnell zum K.O., so dass ein MMA-Kämpfer im Vergleich zum Boxer im Laufe der Karriere in der Summe deutlich weniger harte Schläge zum Kopf kassiert. Da MMA aber ein relativ junger Sport ist und die Symptome erst ab im Durchschnitt 16 Jahren auftreten, wird man sehen, ob das bei MMA auch ein Problem wird.

Ich denke, dass die Neuigkeit darin besteht, dass durch den Selbstmord eines Ex-Stars, der jedoch noch bei vielen beliebt war, die Krankheit in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt worden ist. Zudem scheint es vernünftig, dass die NFL gefordert wird, die Möglichkeit von KOpfverletzungen zu minimieren. Im Gegensatz zum Boxen, wo es das intrinsische Ziel ist, den gegenerischen Kopf zu treffen, sind Kopferverletzungen nicht zwingend nötig, um American Football zu spielen.